Prust spielt Saboteur: Augsburger EV gewinnt in Nürnberg

Party im Gästeblock
 
Matchwinner 1: Jonathan Boutin war der Fels in stürmischer fränkischer See.
Nürnberg: Arena Nürnberger Versicherung |

Schwaben und Franken mussten am längsten warten auf den Beginn der Playoffs - Ingolstadt und Straubing haben sich schon längst verabschiedet und am Dienstag gab es die ersten Favoritensiege im Viertelfinale. Der Hauptrundensechste aus Augsburg brach diesen Bann und besiegte tags darauf den Dritten aus Nürnberg, etwa 800 mitgereiste Fans feierten den 4:1-Sieg. Das erste Tor erzielte Nürnbergs Reinprecht, danach regierte der AEV in Franken und fuhr den ersten von vier nötigen Siegen ein. Die Tore erzielten Trevor Parkes, TJ Trevelyan, Ben Hanowski und Aleksander Polaczek.

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Nach zwei Testspielen in der Vorbereitung und vier Treffen in der DEL-Hauptrunde stand es vor den Playoffs 3:3 nach Siegen, es stand unentschieden je auswärts, zuhause und auf neutralem Eis. In den Playoffs kann es so nicht bleiben, jetzt muss ein viermaliger Sieger ermittelt werden.

Das erste Tor erzielte Nürnberg, denn der AEV begann nervös. Valentine hatte sich falsch entschieden und Ehliz gecheckt statt dessen Pass zu verhindern. Reinprecht kam mit Speed ins Drittel und ballerte aus vollem Lauf in den Torwinkel. Die Schwächephase setzte sich noch fort, auch das erste Überzahlspiel war nicht sehr überzeugend - obwohl sogar zwei Franken gleichzeitig Strafen absitzen mussten.

AEV dreht das Spiel

Für neutrale Zuschauer hatten die vorherigen Playoff-Spiele so ausgesehen, als ob die Schiedsrichter eine Anweisung erhalten hatten, nicht wie sonst gerne üblich bei kleinen Vergehen ein Auge zuzudrücken, sondern konsequent Spieler auf die Strafbank zu schicken, so wurden einige durch Powerplay-Tore entschieden. In Nürnberg wurde nicht so pingelig gepfiffen, trotzdem fanden sich immer wieder Spieler auf der Strafbank ein, denn das Spiel wurde hart geführt. Nutznießer war der AEV, der zwar die erste große Chance vergeben hatte, aber den zweiten Versuch nutzte: Trevor Parkes egalisierte die Nürnberger Führung, als wieder zwei IceTigers die Strafbank drücken mussten. Er hielt den Schläger in einen Lamb-Hammer und fälschte unhaltbar ab.

Im zweiten Drittel legte TJ Trevelyan nach, das Tor gelang direkt nach einem Bully. Das wurde zwar verloren, aber Ben Hanowski holte sich den Puck zurück, sprintete auf Jenike zu, passte zu Trevelyan am langen Pfosten und der verwandelte zur Führung - sein erstes Playoff-Tor im allerersten Playoff-Spiel für den AEV.

Die Franken bauten Druck auf, schafften es aber auch während mehrerer Powerplays selten gefährlich vors Tor - und erst Recht nicht an Jonathan Boutin vorbei. Immer wieder beschwerte sich der Nürnberger Anhang lautstark über die Schiris. Zu Unrecht, denn vor allem die übertriebenen Härten der Franken wie Stockschläge auf die Hände oder Schläger im Gesicht der AEVler wurden übersehen.

Saboteur Nr. 1: Brandon Prust

Das Schlussdrittel begann mit einem Powerplay der Nürnberger, wieder fightete der AEV großartig, blockte Schüsse und hatte in Boutin einen souveränen Goalie, der den besten Hauptrunden-Sturm zur Verzweiflung trieb. Man sah nach zweieinhalb gespielten Dritteln beiden Teams das kraftraubende Spiel an: Immer wieder rutschen Spieler aus, wurden Leichtsinnsfehler gemacht - aber schnell wieder ausgebügelt. Mike Stewart hatte ein zusätzliches Problem, er musste umstellen, denn Mike Davies probierte zwar immer wieder ein paar Schritte auf dem Eis, winkte aber ab. So kam Hans Detsch zu Entlastungseinsätzen und die verbliebenen Leistungsträger mussten noch öfter spielen. Und dann starteten die Thomas Sabo IceTigers ihre Schlussoffensive, bis sie vom eigenen Spieler beendet wurde.

Brandon Prusts erste Strafe im ersten Drittel - ein überharter Bandencheck - hatte zur folgenlosen 5-gegen-3-Situation geführt, kurz vor Schluss sabotierte der Ex-NHL-Haudegen die Aufholjagd: Drei Minuten vor Spielende hieb er auf Boutin ein. Potenzierte Dummheit, ein dümmerer Zeitpunkt für eine dumme Strafe ist kaum vorstellbar, so waren die IceTigers nicht nur ihrer Druckphase beraubt, sondern sahen sich dem Powerplay von Mike Stewarts Team ausgesetzt. Als sich eine Minute darauf Blacker nur mittels Haken zu helfen wusste fielen die Tore: Das erste zählte nicht, nach Videoanalyse meinten die Schiedsrichter den Puck nicht eindeutig hinter der Linie verorten zu können. Hanowskis nächster Versuch war dann eindeutig und kurz vor Schluss traf Polaczeck auch noch ins leere Tor - Party im Gästeblock!

Freitag, Sonntag, Dienstag - geht die Party im Zwei-Tages-Rhythmus weiter?

Weiter geht's im Zwei-Tages-Rhythmus: Am Freitag zuhause, am Sonntag in Nürnberg und kommenden Dienstag im Curt-Frenzel-Stadion. Wenn Rob Wilson, der Trainer des Jahres, es nicht schafft seiner Mannschaft die Disziplinlosigkeiten abzugewöhnen könnte die Serie für Nürnberg kurz und schmerzhaft werden. Sonst geht es am Freitag wieder in Nürnberg weiter.
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