Saisonrückblick: Die Panther zahnlos und am Boden

Die Panther-Saison 2014/15 war eine Saison zum Vergessen. Warum blieb der Erfolg beim AEV heuer aus? Gründe dafür gibt es viele.

Für die Augsburger Panther lief in dieser Saison so gut wie gar nichts zusammen. Wir haben uns auf die Suche nach den Ursachen gemacht.

Die Goalies: Es lag nicht nur am Rücken


Zuletzt stand ausschließlich der bemitleidenswerte (2:10 gegen Nürnberg!) Markus Keller im AEV-Tor, weil Chris Mason, die etatmäßige Nummer 1, wegen Rückenbeschwerden nicht mehr spielen konnte. Da war die Saison allerdings schon gelaufen, die entscheidenden Fehler wurden in den Monaten vorher gemacht. Als Mason Anfang Oktober in der Verlängerung in Krefeld dem Gegner den Siegtreffer auflegte, befanden sich Fans und Team noch im "Wunderland" - und jeder dachte, so etwas passiert einem Weltmeister nur einmal in der Saison.

Pustekuchen: Immer wieder wurde Mason vom damaligen Trainer Mitchell nach "easy goals" durch Keller ersetzt, immer wieder waren es vermeidbare Tore, die den Unterschied in den vielen knappen Spielen ausmachten. Es hat sich leider bestätigt, dass der Goalie für den Erfolg beim Eishockey mindestens 50 Prozent ausmacht.

Die Panther-Verteidigung: Laisser faire im Sommer und auf dem Eis


Nach der Saison 2013/14 waren die Fans und die Offiziellen aus dem Häuschen: Jeff Woywitka, der Star-Verteidiger, hatte überraschend seinen Vertrag verlängert. Er war im Oktober nachverpflichtet worden und schlug sofort ein, ein Jahr später sah das aber anders aus.

2013 war er bereit für den Start der NHL-Saison (wo er keinen Vertrag mehr bekam) und dementsprechend austrainiert, vor seiner zweiten DEL-Saison hatte er sich im Sommer vielleicht zu sehr gehen lassen und hinkte seiner Galaform monatelang hinterher. Die körperlichen Mängel führten zu mentalen Aussetzern, unnötigen Strafen und letztlich einem Buhmann-Image bei den Fans. Es half nichts, dass Steffen Tölzer nicht nur verletzungsfrei, sondern weitgehend tadellos spielte, James Bettauer mit seinem Torriecher und Brady Lamb mit überraschenden Pässen glänzte, denn zu Sorgenkind Woywitka gesellten sich weitere. Andy Reiss konnte nicht an seine Leistung des Vorjahres anknüpfen, Patrick Seifert stagnierte, und auch der verletzungsanfällige Arvids Rekis spielte nicht die Rolle, die man von dem Rückkehrer erwartet hatte.

Den jungen Deutschen Colton Jobke und Patrick Kurz kann man kaum Vorwürfe machen: Dem einen fehlt noch die Übersicht, aber durch viele harte Checks hat er sich in die Herzen einiger Fans gespielt; Eigengewächs Kurz hat mit dem DNL-Team den Klassenerhalt geschafft und zuletzt ein bisschen in die DEL schnuppern dürfen.

Der Panther-Sturm: Verletzungen, Ladehemmung und Egoismus


Zehn Punkte in sechs Spielen, Ryan Bayda war ganz oben in der Scorerliste, dann traf ihn ein Check vom Hamburger Westcott, und er fiel unglücklich auf den Ellenbogen. Dass er anschließend die komplette Saison ausfiel, traf das Team noch härter als Mike Connollys Ausfall ab Anfang November, denn Bayda war nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine ein wichtiger Teambaustein.

Zu den kreativen Langzeitverletzten kam die Seuche bei Ivan Ciernik, der gerade zu Saisonbeginn nur das Gestänge anvisierte - hätte der Slowake nur die Hälfte seiner Blechtreffer einen Zentimeter daneben gesetzt, hätte der AEV einige Punkte mehr in den oft knappen Spielen sammeln können. Mit dem Tausch Riefers für Uvira gab man einiges an Emotion nach Köln ab, so dass ab Januar oft nur noch Spencer Machacek und Daniel Weiss herausragten. Die Topscorer agierten weitgehend emotionslos, von Ciernik ist man das gewohnt, während es bei Dan DaSilva oft so aussah, als spielte er hauptsächlich für seine eigene Statistik: Selten war ein Topscorer in Augsburg so umstritten.

Die Offiziellen: Der Trainerwechsel bewirkte nichts


Zwei Trainer (Mitchell und Thomson) und zwei Co-Trainer (Thomson und Moeser) versuchten, dem AEV 14/15 etwas beizubringen und das Team zu coachen. Das klappte leider nur einen Monat lang, dann wurden die knappen Spiele verloren, und die Erfolgsquoten im Powerplay und bei Unterzahl sanken und sanken - auf letztlich historische Tiefstwerte. Nach dem kurzen Hoch zu Saisonbeginn hatten die gegnerischen Coaches die AEV-Überzahltaktik erkannt und Gegenstrategien entwickelt. Auch der Trainerwechsel änderte nichts daran, im Gegenteil: Im Dezember gelang nur ein einziges Tor bei numerischer Überlegenheit, außerdem verschlechterte sich das Penalty-Killing.

Die Special Teams sind aber nur eine Baustelle. Wurde zu lange an Larry Mitchell festgehalten, oder hätte er den Karren selbst wieder aus dem Dreck ziehen können? Diese Frage stellen sich Fans, aber sicher auch Lothar Sigl. Vom Saisonende aus betrachtet sich so etwas einfach, aber ein kompletter Austausch der Trainer wäre wohl erfolgreicher gewesen, denn Greg Thomson konnte keine neuen Impulse vermitteln. Und Co Moeser? Der Sportmanager stand mit auf der Bank und machte da nicht viel falsch. Falsch verstanden hat er dagegen seine zweite Aufgabe, denn zu "Hospitality" gehört es nicht, die treuesten "Gäste" so anzuraunzen, dass die sich beleidigt in den "Betriebsurlaub" verabschieden.

Die AEV-Fans: Aus der feurigen Hölle in die kühle Höhle


Die Zuschauer bewiesen Leidensfähigkeit: Trotz biederer und oft emotionsloser Spiele und obwohl früh abzusehen war, dass das Saisonziel Platz 10 nicht erreicht werden würde, besuchten sie weiterhin in überraschend großer Zahl das Curt-Frenzel-Stadion; der angepeilte Schnitt wurde fast erreicht. Ihre Unzufriedenheit äußerten die Anwesenden ab Januar durch latentes Schweigen, aufgelockert durch sarkastisches Mitsingen von Schlagern - "Atemlos" durch die Saison. Aus der feurigen "Hölle des Südens" wurde eine kühle Höhle.

Fazit: Eine Panther-Saison zum Vergessen


Bisher wurde nur mit einem Minimalstamm des Teams verlängert: Steffen Tölzer, Daniel Weiß und Patrick Kurz spielen auch nächste Saison für Augsburg, hinzu kommen mutmaßlich Brady Lamb und Adrian Grygiel.

Die Panther täten gut daran, diesem Gerüst bald mehr Substanz zu verleihen: In drei Wochen startet der Dauerkartenverkauf, und die Fans kaufen nach der enttäuschenden Saison ungern den Panther im Sack. Auch um im Stadion wieder zu alter Stimmung zu gelangen, ist im Sommer noch einiges zu tun.

Erste Gespräche zwischen Offiziellen und den Fanclubs haben stattgefunden, und auch untereinander wurde geredet. Viel hängt von einem für den Sommer geplanten Runden Tisch ab, um zwischenmenschliche Probleme endgültig zu lösen und das Curt-Frenzel-Stadion wieder zur Hölle für den Gegner zu machen.
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