Schwacher FC Augsburg unterliegt Mainz - Marwin Hitz kritisiert die FCA-Fans

Augsburger Ärger: Am Ende halfen keine Beschwerden. Nach einem schwachen Auftritt unterliegt der FCA 1:3 gegen den FSV Mainz 05. (Foto: Alexander Heinle)

Der FC Augsburg verliert am dritten Spieltag 1:3 gegen den FSV Mainz 05. Die Elf von Trainer Dirk Schuster zeigt am Geburtstag von Torwart Marwin Hitz lediglich fünf starke Minuten. Ein Horrorfoul an Dominik Kohr überschattet die Partie. Die Mainzer entschuldigen sich, Hitz kritisiert die Augsburger Fans.

Eine Party, auf der der Getränkelieferant statt der bestellten Bierkästen zehn Tragerl Spezi hinter die Theke gestellt hat, der DJ unbeirrbar Roland Kaiser statt - wie abgemacht - Rockmusik auflegt, und von den eingeladenen Mädels kein einziges gekommen ist. So in etwa lief für Marwin Hitz die Fete zu seinem zu seinem 29. Geburtstag. "Ein gebrauchter Tag", wie er am Ende konsterniert feststellte.

Der Stimmungskiller zu Beginn: ein junger Mann namens Dominik Kohr. Der Sicherheitsmann aus dem FCA-Mittelfeld ließ nach nicht einmal sieben Minuten John Cordoba ungehindert auf die Tanzfläche vor dem Augsburger Tor. Der ungebetene Gast konnte so Hitz einschenken: per Kopf verwertete er die Ecke von Yunus Malli zum 1:0 für Mainz. So wuchtig, dass das Geburtstagskind nicht einmal mehr zum Hechtsprung ansetzen konnte.

"Mir fehlt die Unterstützung": Hitz kritisiert die FCA-Fans


Wenig später vermieste das Schiedsrichtergespann um Bastian Dankert die Feier noch etwas mehr, als sie Augsburgs Ja-Cheol Koo im Abseits sahen - nach einem Einwurf. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Hitz später. Sein Trainer Dirk Schuster riss die Hände zum Himmel, um sie mehrfach über den Kopf nach vorne zu bewegen. Die Partymeute auf den Rängen reagierte mit ohrenbetäubenden Pfiffen.

Doch das reichte Hitz nicht. "Eine sehr komische Stimmung" habe der Schlussmann im Stadion wahrgenommen. "Wir sind der FC Augsburg und spielen gegen einen Europa-League-Teilnehmer. Da fehlt mir ein bisschen die Unterstützung." Hitz meinte wohl die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit. Die Stille hatte aber einen Grund: Ein Mainzer Fan wurde von Sanitätern behandelt, nachdem er bewusstlos geworden war. Beide Lager verständigten sich darauf, erst mit dem Support weiterzumachen, wenn die Lage des Mainzers wieder stabil ist. Das war ab Minute 60 der Fall, als auch wieder Stimmung aufkam.

Für die schönste Szene sorgen die Mainzer Schlachtenbummler


Danach gab es zudem kaum mehr aufregende Momente im Innenraum, auf den es Bindfäden regnete. Die überschaubare, aber lautstarke Schlachtenbummler-Abordnung aus Mainz nutzte die maue Vorstellung auf dem Rasen für die schönste Aktion des Nachmittags. Sie hisste ein "Kämpfen und Siegen"-Banner und skandierte Selbiges für FCA-Anhänger Simon, der sich gerade von den Folgen seines schweren Autounfalls in der Reha zurück ins Leben tastet. Die FC-Augsburg-Fans stimmten ein - großer Sport während eines eher tristen Fußballspiels.

Weil Mainz - gerade nach dem Europa-Stress unter der Woche - mit dem 1:0 freilich hochzufrieden war und dem FC Augsburg offensiv Einfälle sowie letzte Präzision und in den Zweikämpfen im Mittelfeld die Durchschlagskraft sowie manchmal auch das Glück fehlten, hieß es zur Pause 0:1 aus Sicht der Mannschaft von Marwin Hitz.

Fünf Minuten Augsburger Rock'n'Roll: Stafylidis sorgt für den Tusch


In Durchgang zwei raunten Teile der 26.150 Zuschauer mürrisch. Augsburgs Kapitän Paul Verhaegh hatte einen Freistoß an der Mittellinie nicht gen Mainzer Tor, sondern in Richtung des eigenen Strafraums ausgeführt. Vielleicht verwirrte ihn schlicht der Mainzer Seitentausch bei der Platzwahl vor dem Anpfiff, der die Augsburger nicht wie gewöhnlich auf die eigene Kurve zuspielen ließ. Immerhin: Die Aktion resultierte schließlich in einer Ecke für den FCA - die jedoch nichts einbrachte.

Nach einer guten Stunde war auf Marwins Party plötzlich doch mehr Augsburger Rock'n'Roll drin. Koo vergab leichtfertig aus guter Schusslage. Kurz darauf schickte Schuster für den Südkoreaner Jonathan Schmid vom Tresen ins Getümmel. Der Neuzugang aus Hoffenheim brachte bei seinem Debüt sofort die erste Ecke, in deren Folge Mainz-Schlussmann Jonas Lössl einen Schuss von Martin Hinteregger großartig parierte.

Auf den Rängen war jetzt Headbangen angesagt, denn Augsburg erhöhte endlich den Rhythmus. Kohr hätte bereits für den lauten Paukenschlag sorgen können - traf aber aus wenigen Metern das Tor nicht.

Eher viele Meter Entfernung sind das Ding von Konstantinous Stafylidis. Besonders, wenn der Außenverteidiger so viel Platz hat. Sein Strich aus 25 Metern titschte kurz vor Lössl auf dem nassen Rasen auf und schlug zum 1:1 ein (73. Minute). Hitz Geburtstag schien dank der griechischen Spaßkanone doch noch ein gelungener zu werden.

Endlich 1:1 - doch der FCA verliert die Ordnung


Doch Augenblicke später sprang Augsburgs Trainer Schuster aufgeregt durch seine Coaching-Zone. Nicht etwa, weil er immer noch das Tor bejubelte: Sondern weil seine Elf in der Defensive völlig ohne Ordnung war. So sehr Schuster auch schrie und hüpfte, er konnte es nicht mehr verhindern, dass Daniel Brosinski flankte und Yunus Malli zum 1:2 einköpfte. Nicht einmal zwei Minuten nach dem Augsburger Ausgleichs-Tor.

Sechs Minuten später lag das Geburtstagskind dann bedient im Fünfmeterraum. Yoshinori Muto hatte den Ball an ihm vorbei ins Tor gespitzelt.1:3, die Entscheidung.

Doch die hässlichste Szene sollte noch folgen. Eine Szene, für die sich der Mainzer Giulio Donati später in der Interviewzone entschuldigte, noch bevor überhaupt eine Frage gestellt worden war. "Ich hatte Tränen in den Augen."

Eine Szene, zu der FSV-Trainer Martin Schmidt in der Pressekonferenz sagte: "Das ist nicht Mainz 05." Sein Einwechselspieler José Rodriguez hatte mit eingesprungener Grätsche Dominik Kohr am Bein getroffen.

"Wenn man das Blut sieht, da kann man nicht ruhig bleiben"


Ein Foul, nach dem Marwin Hitz einen Sprint über das halbe Feld absolvierte, um Schiedsrichter Dankert auf die Farbe der Karte, die er zu zeigen habe, hinzuweisen. "Klar habe ich da etwas gefordert, aber wenn man dann das Blut sieht, da kann man nicht ruhig bleiben. Tut mir leid, aber da ist man einfach geschockt", kommentierte der Torwart.

Das äußerst bittere Ende eines durchwachsenen Ehrentags, den der Schweizer Torsteher wohl lieber schnell vergessen will. "Man kann sich eben nicht alles wünschen", resümierte Hitz. Der Kater der Mannschaft sollte jedoch zu lange nicht anhalten, denn schon am Mittwoch (20 Uhr) wartet das ebenfalls angeknackste Bayer Leverkusen.
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