Vier Siege im neuen Jahr: AEV gewinnt auch in Nürnberg

Torjubel gegen die Nürnberg IceTigers beim 4:0 im Curt-Frenzel-Stadion - jetzt wurde auch die fränkische Festung geknackt.
 
Brady Lamb erzielte das 1:1 im Powerplay.
Nürnberg: Arena Nürnberger Versicherung |

Der Spitzenreiter Nürnberg ist zuhause eine Macht, hat erst zwei Heimspiele von 20 verloren. Eine 1:0-Führung geben die Franken auch nur äußerst selten wieder her, in 17 von 18 Fällen gingen sie nach dieser Führung bisher als Sieger vom Eis – doch dann kam der AEV und besiegte die Statistik und den EHC Nürnberg. Ein Powerplay-Tor von Brady Lamb und ein Schlenzer von Jaroslav Hafenrichter sorgten für Augsburgs Comeback-Sieg in der fast uneinnehmbaren Nürnberger Burg.

Weil Arvids Rekis wieder spielen konnte musste Simon Sezemsky zum überzähligen Ausländer TJ Trevelyan auf die Tribüne – sonst nahm Mike Stewart keine relevanten Rotationen vor. Wozu auch, der AEV rollt, hat in 2018 noch kein Spiel verloren. Das sollte auch in Nürnberg so bleiben, weshalb sich der aktuell 11. beim Tabellenführer nicht versteckte. Im Gegenteil: Beide Teams gingen das Spiel schnell an, so dass es in den ersten Minuten ein rassiges Hin-und-Her zu sehen gab, die größeren Chancen zur Führung hatte Augsburg, die beste vergab Mike Davies, der knapp am Tor vorbei zielte. Aber auch die Franken prüften Olivier Roy ein ums andere Mal, die schwierigste Scheibe hatte Ehliz verdeckt abgefeuert.

Nürnberg bekam ein erstes Powerplay zugesprochen, am rauf und runter änderte das kaum etwas. Denn hinten stand die AEV-Unterzahlformation stabil, nach vorne hatte u.a. Drew LeBlanc eine Konterchance. Wieder vollzählig nahmen die Schwaben noch mehr das Heft in die Hand, die großteils kleinen Panther ließen die Abwehrriesen der Nürnberger immer wieder alt aussehen und machten im Angriffsdrittel mächtig Dampf. Eine der sonst schärfsten Waffen der Ice Tigers, das schnelle Umschalten und Kontern kam meist stumpf rüber: Nach sechzehn Spielen innerhalb von eineinhalb Jahren kennt man den Gegner – und verhindert den oft tödlichen Pass an die Blaue Linie. Was trotzdem durchkam endete spätestens beim großen Rückhalt Olivier Roy.

Ein „ugly goal“ und ein Strich von Brady Lamb:
Unentschieden in die erste Pause

Der Tabellenführer spielte beileibe nicht schlecht, zur Führung in der 9. Minute benötigte er trotzdem doppeltes Glück: Erst traf Dupuis den Puck nicht richtig, statt aufs Tor landete er als Pass bei Segal. Der zog einfach mal von der Seite ab und überraschte damit Roy, dem die Scheibe zwischen den Beinen durchkullerte. Es folgte keine Verschnaufpause, gleich darauf scheiterte Trevor Parkes an Niklas Treutles Schoner. Als der verhinderte Torschütze kurz darauf zwei Minuten absitzen musste spielten seine vier verbliebenen Teamkameraden die Strafzeit fast schon routiniert herunter und griffen danach wieder voll an. Aber Trupp mit einem Rebound und Schmölz mit einem Tip-in nach hartem LeBlanc-Schuss scheiterten an Treutle. Zu diesem Zeitpunkt waren die Panther schon ein Mann mehr, Hans Detsch und Daniel Schmölz hatten eine Strafe herausgeholt. Im nächsten Anlauf klappte es dann mit dem Ausgleich: Drew LeBlanc behauptete den Puck hinterm Tor und sah den schussbereiten Brady Lamb. Der fackelte nicht lange und knallte den Puck neben den Pfosten ins Netz (18. Minute).

Concussion Check und keine Tore

Kurz vor Drittelende wurde es nochmals brenzlig, LeBlanc saß pausenübergreifend zwei Minuten auf der Strafbank, doch weder im Schlussspurt noch zu Beginn des Mitteldrittels gelang Nürnberg die erneute Führung. Es war dann etwas das Feuer aus dem Spiel, Herausragendes zeigte nur Roy, der bei einer 2-auf-1-Situation einen Mitchell-Schuss stoppte und bei Pföderls Versuch mit der Fußspitze klären konnte. Ein unabsichtlicher Check – Mitchell war mit Schmölz zusammengekracht – weckte die Augsburger wieder auf. Während auf der Bank bei Schmölz der Concussion Check durchgeführt wurde, rannte der Rest der Mannschaft wieder verstärkt Richtung Treutle.

Mehrere Fragen muss ein Gehirnerschütterungsverdächtiger beantworten: „Wie heißt Du?“ - „Daniel!“ „Wo spielen wir?“ -  „Ich höre Klatschpappen, muss in Nürnberg sein.“ „Wie steht’s?“ - „1:1, aber lass mich wieder raus, dann gewinnen wir!“ Kurz musste er noch seinen Helm zurecht rücken, dann gab der Mannschaftsarzt Schmölz das OK. Beim nächsten AEV-Powerplay sprang trotzdem nichts Zählbares heraus, danach ging’s wieder lustig auf und ab. Pföderl gegen Roy, der vors Tor fallende Cundari gegen Treutle, Holzmann nach tollem Schmölz-Pass übers Tor – die beiden Teams schenkten sich nichts, standen aber vor ihren sehr guten Goalkeepern sicher in der Abwehr.

Auch als zu Beginn des Schlussabschnitts die Nürnberger zu sechst den nächsten Treffer versuchten und deshalb zwei Minuten zu viert verteidigen mussten gelang kein weiteres Überzahltor, Nürnberg musste also bei fünf gegen fünf bezwungen werden. Das ist zwar die große Stärke der IceTigers, die ihre meisten Treffer bei gleich vielen Spielern erzielen (ihr Powerplay war nicht nur gegen den AEV bestenfalls mittelprächtig), aber ab und zu rutscht Niklas Treutle ein Sonntagsschuss durch: Ein langer Pass von Steffen Tölzer auf Mark Cundari, der legt ab auf Jaroslav Hafenrichter, Schlenzer ins lange Eck: 2:1! Der Gästeblock tobt, die Klatschpappen peitschen satt und rhythmisch das Heimteam nach vorn, und Nürnberg stürmt zum Ausgleich – vergeblich. Auch knapp zwei Minuten gegen sechs Tiger halten die Panther und Roy durch, kommen durch Whites Weitschuss aufs leere Tor fast zum 3:1 und bejubeln nach sechzig Minuten den Auswärtssieg beim Spitzenreiter.

Sechs-Punkte-Spiel gegen Köln am Sonntagnachmittag

Der war wichtig, wie sich beim Blick auf die anderen Ergebnisse des Spieltags zeigt: Bis auf Köln hat die direkte Konkurrenz um einen Playoff-Platz gewonnen, und diese Kölner Haie müssen am Sonntag ab 14:00 Uhr im Curt-Frenzel-Stadion antreten. Bei einem Sieg würde ihnen der AEV bis auf einen Punkt auf die Fischhaut rücken, bei der Topform der Mannschaft mit vier Siegen im jungen Jahr und vor mutmaßlich vollem Haus sollte das gelingen. Die Sitzplätze sind bereits ausverkauft, Stehplatzkarten fürs Spiel gibt es online  oder an der Tageskasse.
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