Weinzierl-Jubiläum: Färbt der FCA die Münchner Arena Rot-Grün-Weiß?

Wer steht auf dem Platz? Wie sind sie drauf? Was macht der Heimspiel-Faktor aus? Der FC Bayern München gibt FC Augsburg-Trainer Markus Weinzierl Rätsel auf. Zudem droht der Ausfall von drei weiteren Leistungsträgern. Doch sein 100. Bundesligaspiel als Trainer werde dennoch "ein Riesenspaß".

Entspannt sitzt Markus Weinzierl auf dem Podium. Er antwortet ruhig und sparsam mit Gesten. So wie eigentlich immer - alle 100 Male zuvor. Vor eben so vielen Bundesligaspielen musste er vorab erklären, was er vorhat. Fragen zu Mittelstürmer, Torwart und Taktik. Weinzierl ist nach außen stets sachlich und diplomatisch. So auch an diesem Freitag im Bauch der Augsburger Arena.

Setzt er auf Matavz oder Mölders gegen die Bayern? "Mölders könnte sein", sagt er, "ich stehe ihm positiv gegenüber". Aber er sei eben lange verletzt gewesen. So wie auch Matavz, der vielleicht "die bessere Wahl" sei, wegen seiner Gefahr im Strafraum. Ein klassischer Weinzierl.

100 Mal Bundesliga als Trainer: Nur einer war jünger


Einhundertmal stand er für den Verein an der Seitenlinie, dessen Logo vom roten Polohemd prangt, das Weinzierl trägt. Nur einer war jünger, als er diese Marke knackte: Jürgen Klopp. Das sei im Hinblick auf Samstag eine Randerscheinung, meint der 40-Jährige, gibt aber dennoch Einblicke in sein Gefühlsleben auf der ersten Fahrt an seine neue Arbeitsstelle: "Die Aufregung war groß." Schließlich habe sein Vorgänger Jos Luhukay große Fußstapfen hinterlassen, sagt er. Weinzierl hat aus diesen Abdrücken mittlerweile regelrechte Quadratlatschen gemacht. "Unser Weg wurde bestätigt und das ist ein Ansporn, weiterzumachen."

Und irgendwie sei es ja doch "absolut schön", dass die Nummer 100 in München stattfindet, wo Weinzierl vier Jahre lang für die Amateure kickte. Ob es gar märchenthaft sei, wie ein Journalist fragt, verneint er mit einem Lächeln. "Ein Märchen wäre, wenn's zum Schluss für Europa reicht."

Das Derby wird ein "Riesenspaß" - trotz Spielverderber Neymar


Das Restprogramm hat's aber in sich. Die Abstiegskämpfer aus Hannover kommen noch in die Arena und der Schlussakt steigt auf der Bühne des designierten Champions-League-Teilnehmers Mönchengladbach. Und jetzt also die Bayern. Bis in die Nachspielzeit im Camp Nou sei es formidables Timing gewesen, zwischen den beiden Halbfinals beim großen Nachbarn anzutreten. Dann traf Neymar zum 0:3 aus Bayernsicht. "Spätestens da war es kein guter Zeitpunkt mehr", findet Weinzierl.

Nun warten rätselhafte Bayern auf die Augsburger, "unheimlich schwer einzuschätzen". Schont Guardiola trotzdem Akteure für's Barca-Rückspiel? Wirft er noch mehr Amateure in die Partie als gegen Bayer Leverkusen, als die Namen Strieder und Görtler auf dem Spielberichtsbogen standen? Letztlich ist es für Weinzierl Nebensache. "Die Bayern sind gut - egal wer spielt. Und sie sind großer Favorit." Für das Derby erwartet er dennoch "einen Riesenspaß".

Werner, Hojbjerg und Ji sind fraglich


Obwohl er selbst einige knifflige Entscheidungen treffen muss. Pierre-Emile Hojbjerg hat nicht zu 100 Prozent trainiert, Tobi Werner könnte mit Rückenproblemen ausfallen. "Wir müssen sehen, wie viel Risiko wir gehen wollen. Aber wir haben ja noch ein paar Stunden", äußert sich Weinzierl. Auch Dong-Won Ji ist fraglich, Caiuby wird definitiv fehlen.

Besonders für Hojbjerg wäre ein Ausfall freilich doppelt schmerzhaft. "Hochmotiviert" sei er ohnehin immer, aber gerade gegen den eigentlichen Arbeitgeber wolle er sich natürlich zeigen. Ob er beim FCA bleibt? "Der Ball liegt beim FC Bayern", sagt Weinzierl.

"Kometenhafter" Baba: "Er lässt sich nicht verrückt machen"


In den Zukunftsplänen spielt auch einer eine Rolle, den Weinzierl als mögliche Lösung auf der Werner-Position präsentiert: Abdul Rahman Baba. Dass die kokettierten Avancen aus London, Rom oder Madrid dem Linksverteidiger im Kopf umherschwirren könnten, glaubt er nicht.

"Er lässt sich nicht verrückt machen", weiß Weinzierl zu berichten und spricht vom "kometenhaften Aufstieg" des Ghanaers. Er glaube an einen Verbleib von Baba über die Saison hinaus, auch wenn er als Trainer nun einmal gezwungen sei, kurzfristig zu denken. "Aber ich weiß, dass er morgen dabei ist", merkt er an. Und lässt ein Lächeln folgen.

Europa? "Es kann passieren, dass wir es nicht schaffen"


Diese Personalien werden wohl auch mit der Frage entschieden: Europa oder nicht? Und da stach eine weitere von Weinzierls Eigenschaften beim verbalen Vorgeplänkel heraus: Realismus. "Der Trend und das Restprogramm sprechen gegen uns", sagte er und fügte hinzu: "Es kann passieren, dass wir es nicht schaffen." Seine Mannschaft nehme das jedoch alles gelassen. "Cool", sei sie und "locker". Aber sie wüsste, "dass wir an etwas ganz Großem basteln". Etwas "mit dem wir ein Ausrufezeichen hinter drei Jahre Arbeit setzen können". Und hinter 100 Spiele unter Trainer Markus Weinzierl.
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