Zu kalt gibt es nicht: Jetzt wird gepflanzt!

Vorsicht Baustelle! Am Curt-Frenzel-Stadion gehen die Umbauarbeiten weiter.
 
Zu hart: Hier bleibt kein Stock im Boden, Spray auf Schnee muss genügen.

Nachts minus 14°, genau der richtige Zeitpunkt fürs Aufforsten rund ums Curt-Frenzel-Stadion. Die AGS hat wieder einmal bewiesen, dass sie bei den Umbaumaßnahmen ein glückliches Händchen hat. Mal wurde sie vom Erfolg des AEV überrascht - die Finalteilnahme 2010 verhinderte einen früheren Abriss der Tribünen -, mal vom schlechten Wetter: Wer rechnet denn damit, dass im Dezember der Winter beginnt? Mehrmals mussten deshalb geplante Arbeiten verschoben werden und machten den Umbau teurer und teurer. Auch jetzt zeichnet sich wieder eine Verzögerung ab: Der Boden ist selbst für Bagger zu hart.



Im September, pünktlich zum Saisonstart, fuhren Bagger auf und hinterließen ein Mäuerchen sowie ein paar Steinquader am Haupteingang; die Baustelle behinderte die Fans an Kasse und Einlass. Hinter der Mauer wurde Schotter verfüllt und davor ein Pflasterhügel am Beginn des neu verlegten Radwegs errichtet. Der Hügel wurde nach zwei Stürzen wieder eingeebnet, der Landschaftsarchitekt hatte wohl nicht mit schnell bergab radelnden Augsburgern gerechnet. Ein unbeleuchtetes Hindernis vor der Kurve am Fuß des Berges im Park sieht nur auf dem Plan ganz nett aus.

Aushub des durchgefrorenen Bodens mit schwerem Gerät

Auch ganz nett dürfte das neue "Wäldchen" ums Stadion werden. Heute, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, sollte mit den Ausgleichspflanzungen für die vielen wegen des Umbaus gefällten Bäume begonnen werden. Vermesser kennzeichneten mit Stöcken und Leuchtspray die Standorte, eine Baufirma aus Baden-Württemberg rückte mit schwerem Gerät und mehreren Arbeitern an.

Aber noch geht es nicht ans Pflanzen. Die Arbeiter fluchen, selbst mit einer Spitzhacke ist nichts zu machen, zu hart ist der Boden gefroren. Auch mit den Baggern kann nur Schnee und Gras entfernt werden: Immer wieder kratzte die Schaufel an derselben Stelle. Aber bei diesen Temperatuern ist das sinnlos, es geht nicht. Auch der andere Trupp verzweifelte oft: Die Holzstäbe können nicht überall in den Boden gehauen werden - fluoreszierendes Spray im Schnee muss oft genügen.

"Wieso ausgerechnet jetzt?" fragen Passanten. Der Vorarbeiter gibt Auskunft: Bäume kann man nur zwischen Oktober und März pflanzen, deshalb müsse jetzt vorgearbeitet werden. Warten ginge nicht, denn ab März sind Playoffs im Curt-Frenzel-Stadion - und die sind verbunden mit Spielen unter der Woche. Aktuell wird ja nur am Wochenende gespielt, da störe die Baustelle nicht so. Warum wurde dann nicht schon im Herbst begonnen? Da zuckt er nur mit den Schultern, mit diesen Planungen habe seine Firma nichts zu tun.

Das Tagwerk sieht dann so aus: Viele orange Kreuze und Kringel zieren den Schnee, einige Markierungen haben zusätzlich einen Holzstab in der Mitte. Und auf etwa fünf Quadratmetern konnte ein Bagger Schnee und Grasnarbe entfernen. Und mit der Schaufel eine etwa drei Zentimeter tiefe Furche ins gefrorene Erdreich kratzen. Nach getaner Arbeit fahren um 16:00 Uhr die Arbeiter mit zwei LKW wieder nach Baden-Württemberg. Zwei Bagger haben sie zurückgelassen. Wann sie wiederkommen? Schulterzucken. Vielleicht taut es ja Anfang März. Pünktlich zum ersten Playoff-Spiel...

Besser hat es die "Lokale Agenda 21" gemacht. Diese Bürgerinitiative pflanzte schon im Herbst drei seltene Obstbäume im Park überm Stadion. Ein Mülleimer und zwei Steinquader mit ergonomischen Sitzmulden verschönern seither den Park. "Ausruhen. Nachdenken. Anpacken." steht auf dem Schild, welches das "Denkmal an die Zukunft" erklärt. Die Verantwortlichen für die weiteren Pflanzungen hätten es lesen sollen. Und erst nachdenken und dann anpacken (lassen) sollen. So müssen die Arbeiter zwangsweise ausruhen. Auch nicht so toll bei den momentanen Temperaturen.

Nachtrag

Mit abwechselndem Hacken und Kratzen des Baggers, der jetzt mit der kleineren Schaufel ausgerüstet ist, geht es jetzt etwas voran. Mühsam und langsamer als sie es gewohnt sind schaufeln die Arbeiter so das vorhandene, mit Kriegsschutt und Steinen versetzte Erdreich aus und ersetzen es durch mitgebrachte Pflanzerde.

Die gute Nachricht: Weder Bomben noch römische Artefakte wurden gefunden, deshalb keine weitere Verzögerung der Bauarbeiten.
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