Zwei Augsburger auf dem Kop: So erlebten wir Liverpool

Der Kop ist die legendäre Fantribüne des FC Liverpool. Foto: Martin Augsburger
Die Ausgburger Horst Beck und Philipp Panacek erlebten das Europapokal-Spiel in Liverpool hautnah mit. Allerdings nicht im Gästeblock, sondern auf dem legendären Kop, der Fantribüne des FC Liverpool. Hier erzählen sie ihre Anfield-Geschichte.

Für uns beide war das sehr spannend, als wir erfuhren, dass wir im HardCore-Fanbereich des FC Liverpool sitzen würden; so war das zwar nicht geplant, aber auch diese Tickets waren uns willkommen. An die Karten waren wir über einen bayerischen Fanclub des FC Liverpool gekommen. Etwas unsicher waren wir schon, denn wir fragten uns unter anderem: Dürfen wir die Spieler des FCA anfeuern? Wie haben wir uns zu kleiden? Sollten wir vielleicht zu Beginn „You‘ll never walk alone“ mitsingen? Ist ein Liverpool-Schaal Pflicht für Choreografien?

Ein Schreiben des Fanclubs half uns. Es sagte uns voraus, dass alles halb so wild sei, nur bitte keine FCA Insignien und eher still genießen als lauthals anzufeuern. Die Karten erhielten wir schon in Deutschland, für uns sahen diese eher aus wie Mitgliedskarten. Nachdem mit der Reise alles geklappt hatte, betrachteten wir die Eingangserlaubnis als letzte Hürde. Kurz vorher aber brauchten wir noch starke Nerven im öffentlichen Bus, der hoffnungslos in der abendlichen „Rush Hour“ feststeckte. Wenn man so etwas erlebt, weiß man erst wieder unseren öffentlichen Nahverkehr zu schätzen, wie dieser bei solchen Groß-Ereignissen in Augsburg organisiert ist. Freundlicherweise öffnete der Busfahrer die Türen und wir kamen mit einem halbstündigen Fußmarsch doch noch pünktlich zum Ziel.

Wir waren sehr gespannt, ob tatsächlich alles so ablaufen würde, wie vorhergesagt. Als in den engen mannshohen Drehkreuzen die LED-Anzeige auf Grün sprang, wussten wir: Es läuft wie versprochen. Nachdem wir die sehr eng gestellten Sitze eingenommen hatten, glaubten wir, dass um uns herum sichtbar niemand aus Augsburg im KOP war. Zu unserer Überraschung waren hinter uns von Liverpool auch einige Kinder. Die Hymne wurde unisono von den Fans gesungen, sehr laut und eindringlich mit dem Schwenken der Fahnen hinter dem Tor, das machte ehrlich gesagt schon etwas Gänsehaut. Die Liverpool-Fans im KOP blieben einheitlich das ganze Spiel stehen, die paar Kinder stiegen auf die Sitze oder sogar auf die Lehnen.

Und dann ging’s los: Der erste Steckpass und die erste dicke Chance für Caiuby wurde um uns herum mit „My God“ begleitet. Und dann natürlich ein Riesen-Jubel beim verwandelten Elfmeter. Sichtlich beeindruckt von der Kulisse, die durch die FCA-Fans mit der Echo-Anfeuerung „Augschburg-Augschburg“ aufgebaut wurde, hatte die KOP-Kulisse wenig entgegenzusetzen. Obwohl nun hier und dort in Deutsch gesprochen wurde, blieben die Liverpool-Fans friedlich, keine Aktion gegen jemanden, nur immer positiv das eigene Team unterstützend.

Erwachsene, Jugendliche und Kinder beherrschten zwar die Texte und wenn von irgendwo her im KOP ein Lied begann, wurde das schnell unisono überall und laut gesungen, nach unserem Geschmack aber viel zu selten, so dass es zeitweilig geradezu ruhig um uns herum wurde. Wäre da nicht der FCA-Fanbereich gegenüber gewesen, der immer wieder für Stimmung sorgte, wäre das für unsere Ohren eine ziemlich entspannte Veranstaltung gewesen.

Die letzten 20 Minuten: Da wechselte die Stimmung zwischen Anfeuerung, whow, und dem uns schon bekannten bangen Ausrufen „My God“. Nochmals ein Aufreger: 5 Minuten Nachspielzeit. Und dann die Erlösung für die Liverpooler Fans: Der Schlusspfiff. Viel Applaus für die eigene Mannschaft, relativ kurze Verabschiedung, der KOP war schnell leer. Für die Liverpooler offenbar „Business as usual“. Die meisten dachten wohl schon weiter an das bevorstehende Cup-Final im Wembley-Stadion.

Nur die Augsburgs Fans im KOP genossen offenbar noch etwas die Athmosphäre sowie den Auftritt ihres FCAs und ließen sich von einem geduldigen Ordner fotografieren. Da wurde es klar: Auch im KOP, dem Herzbereich der Liverpooler Fans, hatten viele Augsburger Tickets ergattert, um sich diese Erlebnis nicht entgehen zu lassen. Der KOP war eine Reise wert. Schöner wäre es freilich in dem FCA Fanbereich gewesen, weil auch die Liverpooler Fans hatten es bemerkt: Dort ging an diesem Abend die Post ab.

Horst Beck
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