Steinwürfe auf türkische Einrichtungen: Polizei prüft Zusammenhang mit Putsch-Versuch in der Türkei

In der Nacht des Putsch-Versuchs in der Türkei sind auch in Augsburg und Gersthofen Steine geflogen. Dabei gingen Fensterscheiben an zwei türkischen Einrichtungen kaputt.

Wie durch Anzeigeerstattung des Geschädigten erst am Sonntag bekannt wurde, wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag, in der Zeit von 1 bis 2 Uhr bei zwei türkischen Einrichtungen in der Augsburger Straße in Gersthofen und in der Inninger Straße in Haunstetten Fensterscheiben mit Steinen eingeworfen.

Täterhinweise sind derzeit nicht bekannt. Der Sachschaden beläuft sich jeweils auf 500 bis 600 Euro. "Bei den türkischen Einrichtungen handelt sich um der „Gülen-Bewegung“ nahestehende Bildungseinrichtungen. Deshalb wird bei den Ermittlungen auch der Putschversuch in der Türkei berücksichtigt. Die polizeilichen Ermittlungen gehen in alle Richtungen", schreibt die Polizei in ihrem Bericht.

Einen Verdacht äußert der Vorsitzende des Frohsinn Bildungszentrums Augsburg Mustafa Güngör: "Es ist für mich nicht überraschend, dass genau in der Nacht, als der Militärputsch gegen die türkische Regierung stattfand, wir ins Visier von gewaltbereiten Menschen geraten. Als Drahtzieher wurde, wie fast immer und für alles in den letzten drei bis vier Jahren, die sogenannte Gülen-Bewegung (Hizmet-Bewegung) von Staatspräsident Erdogan für den Putsch beschuldigt, mit dem Aufruf an sein Volk auf die Straßen zu gehen und den Putsch zu vereiteln." Diesem Aufruf seien auch einige Türken in Augsburg gefolgt. "Da wir hier in Augsburg die Werte und Ziele der Hizmet-Bewegung teilen und Verfechter der Demokratie und Freiheiten sind, behaupte ich vorsichtig und niemanden was zu unterstellen, dass gewaltbereite Anhänger nach der Demo einen Abstrich zu unseren Einrichtungen gemacht haben könnten und sie mit großen, bis zu 1kg schweren Steinen beworfen haben", vermutet Güngör. Er geht von einer politisch-motivierten Tat aus.

Gleichzeitig betont er, dass er den Putsch-Versuch in der Türkei auf das Schärfste verurteile. "Ich begrüße aber auch nicht, dass Putschisten auf der Straße vom Volk durch Selbstjustiz auf brutalster Art und Weise bestraft werden. Das gehört in kein demokratisches Rechtssystem", so Güngör.

Wer sachdienliche Angaben zu den Steinwürfen machen kann, wird gebeten, sich bei der Polizei in Augsburg unter Telefon 0821/323-0 zu melden.
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