Aufschub für die Flugplatzheide in Augsburg: Freistaat plant um

Die Flugplatzheide ist Lebensraum für viele geschützte Pflanzen und Tiere. Der Freistaat will hier Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge schaffen - gegen den Widerstand von Naturschützern. Foto: Simon Kriener

Es gehört zu den umstrittensten Bauprojekten in Augsburg: Auf der Flugplatzheide will die Regierung von Schwaben Wohnungen für rund 300 anerkannte Flüchtlinge errichten - gegen den Widerstand engagierter Naturschützer. Jetzt hat der Freistaat überraschend seine Pläne geändert, was auch den Zeitplan nach hinten verschiebt.

Geplant waren ursprünglich 13 Häuser am Bischofsackerweg mit insgesamt 79 Wohnungen, jede war mit ihren 45 Quadratmetern gedacht für eine vierköpfige Familie. Doch der Freistaat hat offenbar erkannt, dass der Bedarf an Wohnraum nicht so gleichförmig ist. Daher wird nun neu geplant, mit größeren und kleineren Einheiten, wie Ulrich Blickle, der Leiter des Staatlichen Bauamts Augsburg bestätigt. Die Vier-Personen-Einheiten werden ergänzt durch Wohnungen für sechs und acht Bewohner. "Manche Familien haben drei oder vier Kinder. Andere haben ihre Großeltern dabei", schildert Blickle.

Nicht nur für Flüchtlinge bauen, auch für sozial schwächere Menschen

Überhaupt steht das Projekt unter geänderten Vorzeichen. Der Entschluss, die Wohnungen zu bauen, sei gefallen, als der Flüchtlingszustrom auf einem Höhepunkt war, führt Blickle aus. Damals sei die Vorgabe gewesen, möglichst viel Platz zu schaffen. Heute gelte es, den Kostenrahmen von neun Millionen Euro unbedingt einzuhalten.

Und: Schon seit längerem stehe fest, dass die Wohnungen eben nicht nur für anerkannte Flüchtlinge, sondern auch für sozial schwächere Menschen gedacht sind.

Langer Weg: neu planen, berechnen und archäologisch untersuchen

Details zur neuen Planung kann der Bauamtsleiter noch nicht nennen. Die geänderten Vorgaben seien erst seit Montag bekannt, jetzt müsse der Architekt sich überlegen, wie die Wünsche umgesetzt werden können. Sicher ist aber schon jetzt, dass sich der Baubeginn weiter nach hinten verschieben wird.

Denn: Sobald die Planungen fertig sind und eine erste Kostenberechnung vorliegt, beschäftigt sich zunächst der Haushaltsausschuss des Landtags mit dem Projekt. Das sei voraussichtlich im Dezember der Fall, so Blickle. Erst danach könnten die Ausschreibungen beginnen. Baubeginn soll dann im Herbst 2018 sein. Die Zeit bis dahin bleibt aber nicht ungenutzt, schließlich müssen erstmal die Archäologen ran. Auch müsse das Gelände auf Altlasten untersucht werden beziehungsweise auf Blindgänger, die noch im Erdreich lauern könnten - schließlich war das Areal auch im Zweiten Weltkriegs Teil des Messerschmitt-Flugplatzgeländes.

Naturschützer gegen eine Bebauung

Doch in heutiger Zeit ist die Flugplatzheide vor allem ein Rückzugsort für seltene Tiere und Pflanzen. "Auf diesem kleinen Areal leben allein 85 Rote Liste-Arten, das heißt Pflanzen- und Tierarten, die landesweit in ihrem Fortbestand bedroht sind", argumentieren die Naturschützer gegen die Bebauung.

Doch Regierung und Landtag ließen sich bisher nicht erweichen. Erst kürzlich hat der Landtag eine Petition der Naturschutzallianz abgelehnt. Das Bündnis wollte erreichen, dass die Alte Flugplatzheide komplett unter Schutz gestellt werde.

Erst gestern übergab Günther Groß von der Naturschutzallianz 1500 Unterschriften gegen eine Bebauung an Regierungspräsident Karl Michael Scheufele, doch: "Da stehen sich zwei Positionen unverrückbar gegenüber", lautet Groß' Fazit. Für ihn seien die Unterschriften ohnehin eher als Geste gedacht gewesen. Mehr verspricht er sich von einem Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl. Versuchen "Sie die Regierung zu überzeugen, die angebotenen Möglichkeiten einer alternativen Unterbringung an mehreren Stellen anzunehmen", bittet er mit den übrigen Mitgliedern der Naturschutzallianz.

Flugplatzheide nicht ideal für Integration

Dabei argumentiert Groß auf zwei Ebenen: Naturschutz und Integration. So sei einfach nicht abzusehen, welche Folgen eine Verkleinerung der Fläche für die Populationen bedrohter Arten hätte - von den heute vier Hektar - ehemals waren es 200 Hektar - müsste ein Hektar für die Bebauung abgetreten werden. Groß fürchtet, dass der Eingriff zu gravierend sein könnte und: Man dürfe den Druck von den Bewohnern nicht unterschätzen.

Gerade um die Bewohner macht sich Groß aber auch Sorgen. "Es gibt mittlerweile kaum noch Experten, die an der geplanten Stelle, inmitten von Industrie und Gewerbe ohne entsprechende Infrastruktur, eine gute Integration für möglich halten und ein Ghetto kommen sehen", heißt es im Brief an OB Gribl. Und noch ein verlockendes Angebot hat die Naturschutzallianz für das Stadtoberhaupt: "Im Rahmen der notwendigen Versiegelungen im Bereich der entstehenden Uniklinik wäre zudem eine großartige Möglichkeit, Ausgleichsflächen an der Flugplatzheide zu bündeln und die Gesamtfläche aufzuwerten." Ob das letztendlich ausreicht, um Gribl für die Flugplatzheide zu gewinnen, ist die eine Frage, ob dem OB es seinerseits gelingen kann, die Regierung von Schwaben noch umzustimmen, die andere. Immerhin: Durch die Planänderungen bleibt den Bebauungsgegnern mehr Zeit. "Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt Groß.
(Von Markus Höck)
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Hermann Oehmig aus Gersthofen | 23.05.2017 | 14:40  
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