Augsburg und die Schätze der Antike

Das bisherige Römische Museum Augsburgs in der Dominikanerkirche. Aus statischen Gründen ist es seit 2012 geschlossen. (Foto: Archiv)
Die Medien berichteten vor kurzem, in der Georgenstraße hätten Archäologen eine „große Therme“ aus der Römerzeit entdeckt. Im günstigsten Fall greift nun die in Augsburg seit langem gängige Praxis im Umgang mit solchen Relikten: Freilegen, dokumentieren, zuschütten, überbauen. Die Begründung lautet: Unter der Erde werden solche wichtigen Funde am besten konserviert und für die Nachwelt erhalten. Stimmt – aber ist diese (preiswerte und wenig Ärger verursachende) Strategie nicht ein Sargnagel für eine attraktive Präsentation der bedeutenden römischen Vergangenheit der Stadt?
Weitaus häufiger noch gehen die Spuren der Augsburger Vergangenheit unwiederbringlich verloren, weil sie nach dem Abschluss der Grabungen und der Dokumentation herausgerissen und durch moderne Keller oder Tiefgaragen ersetzt werden. Selbstverständlich muss eine Stadt sich weiter entwickeln. Man kann nicht alles erhalten und nicht alles ist erhaltenswert.
Aber: Augsburg ist nicht nur die Fuggerstadt, sondern auch Römerstadt. Daran erinnert Kaiser Augustus auf dem Rathausplatz, auf einem unserer schönsten Brunnen, auf die wir zu Recht stolz sind. Der Name der Stadt geht auf ihn, den römischen Kaiser, zurück. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bezeichnet sie in seiner Germania als „splendidissima Raetiae provinciae colonia“, prächtigste Stadt der Provinz Raetien.
Eine Vielzahl an hochinteressanten Funden, die in anderen Römerstädten stolz in deren Museen oder archäologischen Parks präsentiert werden, schlummert unter der Erde oder in den Archiven der Stadtarchäologie. Das Römerlager, die museumspädagogisch sehr gelungene Übergangsausstellung des noch immer heimatlosen römischen Museums, kann nur einen kleinen Teil davon zeigen.
Der archäologische Garten im Äußeren Pfaffengässchen, klein, versteckt, wenig beworben und schlecht beschildert, dämmert meist friedlich vor sich hin. Wie viele Augsburger wissen, dass es ihn gibt, wo er ist oder waren gar schon mal da?
Es gibt auch einen Verein in der Stadt, der sich die Erhaltung des römischen Erbes ins Programm geschrieben hat. Er scheint jedoch entweder gegen Mauern zu rennen oder sehr im Verborgenen zu agieren, wenn überhaupt…
Es ist zu befürchten, dass mögliche römische Funde beim Rückbau der Brechtbühne und der dahinter liegenden Verwaltungsgebäude im Anschluss an die Arbeit der Stadtarchäologen wieder verschwinden – siehe oben. Damit würde die Stadt wohl endgültig die niemals wiederkehrende Chance vergeben, ihren römischen Kern (an Ort und Stelle!) ihren Bürgern und Gästen zu präsentieren. Hier und jetzt wäre für die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung die vermutlich letzte Gelegenheit, über Möglichkeiten wie archäologische Fenster und/oder ein archäologisches Museum in der ehemaligen JVA nachzudenken. Der oft gehörte Einwand, es sei ja nicht mehr genug da, um Augsburg als Römerstadt zu etablieren, ist absurd.
Vieles hat sich in der letzten Zeit in Augsburg positiv verändert. Heute flaniere ich mit Genuss durch die Stadt, nutze die vielfältigen kulturellen Angebote und zeige Gästen mit Stolz und Freude die Sehenswürdigkeiten. Aber wenn ich dabei die Geschichte der Stadt erzähle, tun sich jedes Mal schmerzhafte Lücken im Stadtbild auf.
Brigitte Arzberger
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