Ein Zuhause für gute Ideen: Technologiezentrum nimmt den Betrieb auf

Das Technologiezentrum Augsburg: Seit Sonntag ist es offiziell in Betrieb. Fotos: Markus Hoeck
 
Hier ist Präzision überlebenswichtig: Das Unternehmen Castro möchte im Technologiezentrum Augsburg "Ersatzteile" für den menschlichen Körper fertigen - und zwar mittels 3D-Drucken von Metallen. Die hier zu bestaunende, sechsarmige Aufhängung liefert die nötige Flexibilität.

Forscher, Ingenieure und andere Experten können sich nun schneller vernetzen und gemeinsam über Problemen brüten: Mit einer großen Feier hat das Technologiezentrum Augsburg (TZA) am Sonntag seinen Dienst aufgenommen. Damit ist die Idee vom Innovationspark endlich mehr als nur ein Plan für die Zukunft.

Die Themen, um die es sich im Technologiezentrum südlich der Universität Augsburg dreht, lesen sich sperrig: Faserverbund und Leichtbau, Mechatronik und Automation, IT, Industrie 4.0, Embedded Systems, Digitalisierung und Umwelttechnik. Alles soll und darf nun unter einem Dach diskutiert werden. "Wir wollen, dass die Mieter miteinander ins Gespräch kommen", erklärt Wolfgang Hehl. Er ist der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft des Innovationsparks und somit auch Chef des TZA. Die Bereitschaft zum Gespräch, zur "Open Innovation", wie es Hehl nennt, ist sogar ein Aufnahmekriterium für die Mieter. Schließlich ist das erklärte Ziel des TZA, Innovationen in Produktionsunternehmen zu beschleunigen und den Technologiestandort Augsburg weiter voranzutreiben.

Es ist diese Zuversicht, dass miteinander mehr zu erreichen ist, als im Alleingang, der bislang 24 Mieter zum Netzwerken und gemeinsamen Forschen ins Technologiezentrum gebracht hat - Global Player ebenso wie Familienbetriebe. Hehl ist mit dieser Entwicklung zufrieden. Eine Anfrage aus den USA bestärkt ihn: "Die Sogwirkung macht sich bemerkbar", ist er überzeugt. "Wir müssen nun aufpassen, dass wir uns nur die Rosinen heraus picken."

Eine dieser Rosinen ist das Augsburger Unternehmen Castro, das im TZA ein Projekt zum 3D-Drucken von Metallen betreibt. Partner sind das Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung und der Lehrstuhl für Ingenieurinformatik der Universität Augsburg. Unter anderem sollen so "Ersatzteile" für den menschlichen Körper entstehen. "Im Technologiezentrum Augsburg trifft High-Tech aus der Region auf die perfekte Örtlichkeit in der Region", lobt Castro-Geschäftsführer Udo Massari.

Ebenfalls überzeugt vom TZA ist Ferdinand Munk und doch überrascht sein Engagement. Munk ist der Chef der Günzburger Steigetechnik GmbH, mit anderen Worten: Munk macht Leitern. "Man könnte meinen, dass die Leiter am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist", stellt Hehl fest. Doch: "Vielleicht ist die Leiter der Zukunft aus Carbonfaser?" Munk jedenfalls will sich nicht abschneiden lassen von dieser Konzentration an Wissen im TZA. "Wir profitieren von einem offenen Innovationsklima", so Munk.

Ein weiterer Überraschungsmieter hat einen großen Namen: Fujitsu. Der Konzern leistet sich ebenfalls ein Büro im TZA, dabei ist die Augsburger Niederlassung zu Fuß erreichbar. Hehl hat eine einfache Erklärung: Um sich mit anderen Unternehmen auszutauschen, möchte man diese nicht unbedingt gleich im eigenen Betrieb haben. "Das TZA ist eine neutrale Plattform", fasst Hehl den eigentlichen Zweck zusammen. Vorteile verspricht sich Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl für die gesamte Region, nämlich gesicherte und hochwertige Arbeitsplätze in der Produktion. "Neue innovative Impulse und die Entwicklung ressourceneffizienter Produktionsprozesse sind wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Wirtschaftsstandorts Augsburgs und auch Bayerns. Mit dem Technologiezentrum gehen wir nun konsequent voraus", so OB Gribl.

Mit der Betriebsaufnahme im TZA beginnt freilich erst die Arbeit für den Innovationspark. Ab 2018 soll sich das Institut für Materials Resource Management (MRM) ansiedeln, 2019 folgt das Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften der Technischen Universität München. Und auch das TZA könnte bei entsprechender Nachfrage durch einen identischen Bau erweitert werden. Platz ist auf den 70 Hektar des Innovationsparks noch genügend.

Das Technologiezentrum Augsburg in Zahlen


Das 65 auf 87 Meter große Gebäude mit drei Stockwerken bietet eine Nutzfläche von 11.928 Quadratmetern. Somit ist genug Platz für 17 Labore beziehungsweise Werkstätten, 81 Büros, sieben Besprechungsräume und fünf Konferenzräume.
Die integrierte Werkhalle ist 15 Meter hoch und 45 auf 65 Meter groß. Die beiden Kräne an der Decke können jeweils 20 Tonnen heben.

Im Technologiezentrum Augsburg können zwischen 15 und 30 Firmen unterkommen. Bislang sind es bereits 24 Mieter. 162 Mitarbeiterparkplätze werden durch 20 Besucherparkplätze und 50 Fahrradstellplätze ergänzt. Die Straßenbahnen der Linie 3 halten praktisch vor der Haustüre.

Der nun eröffnete 1. Bauabschnitt hat 27,2 Millionen Euro gekostet. Der Freistaat Bayern beteiligte sich daran mit einem Zuschuss über 10,5 Millionen Euro.
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