Einmal Mittelerde und zurück: Die Deutsche Tolkien Gesellschaft kommt nach Augsburg

Sebastian Streitberger (links) und Stephan Köser organisieren seit dem Wintersemester 2014/2015 die Tolkien-Ringvorlesung an der Universität. Nun haben sie die Deutsche Tolkien Gesellschaft nach Augsburg gelockt. Foto: Natascha Höck


Hobbits mögen es behaglich. Sie rauchen Pfeife, lachen und essen gern. Wenn möglich, speisen sie sechsmal am Tag. Spätestens seit den "Herr der Ringe"- Verfilmungen von Peter Jackson weiß das jeder. Und behaglich geht es auch bei Stephan Köser und Sebastian Streitberger zu, die es sich im Institut für Geographie der Universität Augsburg mit Tee, Nussschnecke und Nusszopf gemütlich gemacht haben. Streitberger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Didaktik der Geographie, und Köser, seit kurzem Master in Historischen Wissenschaften, planen mit am 14. Tolkien Seminar.

Zum ersten Mal getroffen haben sich die Tolkien-Fans in einer literaturwissenschaftlichen Vorlesung, erzählen sie. Doch dabei ist es nicht geblieben. Derzeit widmen sie sich dem 14. Tolkien Seminar, die interdisziplinäre und internationale Tolkien-Konferenz der Deutschen Tolkien Gesellschaft. Das Seminar mit dem Thema "Literarische Weltschöpfungen" findet von Freitag bis Sonntag, 27. bis 29. Oktober, an der Universität Augsburg statt. Gleichzeitig ist die Konferenz eine Fortsetzung der Ringvorlesung zu Tolkien, die Stephan Köser und Sebastian Streitberger zusammen mit Dr. Monika Kirner-Ludwig ins Leben gerufen haben.

Das Referat einer Kommilitonin - es ging um die Zaubersprüche einer Fernsehserie - inspirierte Köser zu einem interdisziplinären Seminar, in dem Studenten, Dozenten und Professoren sämtlicher Fächer zusammen arbeiten. Denn für Köser ist klar, dass manche Disziplinen viel zu stark voneinander getrennt sind. Mit Unterstützung von Dr. Monika Kirner-Ludwig und Professor Dr. Wolfram Bublitz vom Lehrstuhl englische Sprachwissenschaft organisierten Köser und Streitberger, damals noch Studenten, schließlich eine Ringvorlesung, die erste Tolkien-Ringvorlesung zum Thema "Einmal Tolkien und wieder zurück. Interdisziplinäre Perspektiven auf J.R.R. Tolkien und sein Werk". Los ging's im Oktober 2014. Immer montags im Hörsaal II des Großen Hörsaalzentrums hörten Interessierte etwa eine Annäherung an den "Herr der Ringe" aus theologisch-literarischer Perspektive oder einen Vortrag aus Sicht eines Geozonen-Detektivs. "Es ist grandios, was man da an Leuten bekommt", folgert Köser.

"Harry Potter und Star Wars"

Bis zu 300 Zuhörer besuchten die einzelnen Vorlesungen, um sich mit Tolkien auseinanderzusetzen - weshalb im Sommersemester 2015 die Fortsetzung mit "J.R.R. Tolkien: fantastische Welten, viele Perspektiven - ein zweites Mal hin und wieder zurück" folgte. Im Wintersemester 2016/2017 hieß es dann: "Fantasy, Science Fiction und das Mittelalterliche". Nun beschäftigten sich die Vortragenden mit Werken wie "Das Lied von Eis und Feuer", "Harry Potter" und "Star Wars".

Die Tolkien-Ringvorlesung gehöre zu den erfolgreichsten Vorlesungen an der Universität, sagen Köser und Streitberger, obgleich das Konzept nicht nur Freunde hat. Doch Köser versichert: "Wir laden auch die kritischen Stimmen ein." Und natürlich können die Studenten in den Ringvorlesungen Punkte erwerben. "Vor allem kommen die Studenten aber aus wirklichem Interesse", sagt Streitberger. Das sei den beiden umso wichtiger, da Studenten heute weniger Freiheiten hätten.

Ein Gastdozent der Ringvorlesung war auch Professor Dr. Thomas Honegger von der Universität Jena. Er ist Mitglied der Deutschen Tolkien Gesellschaft. Begeistert vom Augsburger Tolkien-Projekt lud Honegger im Mai 2016 Streitberger und Köser ein, am 13. Tolkien Seminar in Jena teilzunehmen. Dort habe Honegger gefragt, ob Streitberger und Köser Interesse an einer Tagung in Augsburg hätten. "Wir haben ihn gebeten, das Seminar im Wintersemester zu veranstalten und das Thema zu öffnen", berichten Streitberger und Köser.

So befassen sich die 36 Vorträge des 14. Tolkien Seminars in Augsburg nicht nur mit Tolkien. Es geht unter anderem um romantische Motive in Howard Phillips Lovecrafts Werk, die Frauengeschichte in der Welt von George Raymond Richard Martin oder die Frage "Was macht überhaupt einen Zwerg zum Zwerg?". Die Vorträge für das Tolkien Seminar wählte die Tolkien Gesellschaft aus.

Doch die Tagung ist nicht nur für Professoren und pfeifenrauchende Tolkien-Experten gedacht. Köser und Streitberger versichern: Jeder ist willkommen, Jung und Alt, Schüler und Studenten, überhaupt alle Freunde der Werke von John Ronald Reuel Tolkien und anderer Schöpfer fantastischer Welten. In den Hörsälen des Hörsaalzentrums gibt es Platz für 600 Menschen, Hobbits und Elben. Und viele Details sind noch in Arbeit, etwa ob die Besucher wie in Jena das Elbenbrot Lembas probieren können.

Beschaulich werden es Köser und Streitberger also zumindest bis Ende Oktober nicht haben. Sie kümmern sich um die Unterbringung der Gastdozenten, um das Zusammenstellen des Rahmenprogramms, die Studenten, die an diesem Oktoberwochenende die Tagung im Rahmen eines Seminars mitverfolgen dürfen.

Mehr Weltschöpfungen

Pläne für die nächste Ringvorlesung haben Streitberger und Köser auch schon. Studierende könnten ihre "Literarischen Weltschöpfungen" präsentieren, also aus ihren selbst kreierten, fantastischen Werken vorlesen und erklären, worauf es beim Bau fantastischer Welten ankommt. "Angedacht ist ebenfalls eine Exkursion zum ,Einsamen Berg'", fügt Streitberger augenzwinkernd hinzu.

Mehr Informationen zum Tolkien Seminar gibt es im Internet auf www.tolkiengesellschaft.de. (Natascha Höck )
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