"Fehler und Hudeligkeiten abwaschen": Schüler der Franz-von-Assisi-Schule können die Druckerprüfung ablegen

Jasmin wird von ihrer Mutter und ihrer Lehrerin gegautscht.
 

Kinder wuseln, Jahresberichte liegen auf den Tischen, Zeugnisse werden ausgeteilt, ein ganz normaler letzter Schultag. Doch die Franz-von-Assisi-Schule in Haunstetten schickt ihre Kinder nicht nur mit den Endnoten in die Ferien, sondern auch mit einem Drucker-Zertifikat. Dieses wird auf besondere Weise erworben – und verliehen.

75 Schüler der katholischen Volksschule brauchen an diesem Freitag trockene Sachen zum Anziehen und starke Nerven, denn sie werden nach alter Drucker-Manier gegautscht.
Dabei setzen die zwei Packer, der Klassenlehrer zusammen mit einem Elternteil, den Lehrling zuerst auf einen nassen Schwamm und tauchen ihn anschließend in einen Trog voll Wasser, ganz wie bei den echten Druckern. „Eure Fehler und Hudeligkeiten sollen abgewaschen werden!“, verkündet Alexandra von Walterskirchen, Konrektorin und Verantwortliche für die Schuldruckerei.

Schuldruckerei ist die Einzige ihrer Art in Augsburg

Seit 25 Jahren besitzt die Schule eine hauseigene Druckerei, an der die Kinder Texte setzen und auf Papier drucken können, das ist in ganz Augsburg einzigartig. „Es hilft dabei, schneller Lesen zu lernen“, berichtet von Walterskirchen. „Die Kinder müssen die Buchstaben schließlich seitenverkehrt und auf dem Kopf setzen.“
Übung in diesem Verfahren haben die Schüler genug: Im Fach Heimat- und Sachunterricht gibt es keine Hefte, sondern zu jedem Thema ein selbstgedrucktes Buch. Die Texte suchen Lehrer und Zöglinge gemeinsam aus, geschrieben und gedruckt werden sie von den Schülern selbst.

Ab der 2. Jahrgangsstufe können die Lehrlinge an der Druckerprüfung teilnehmen und dann auch selbstständig drucken. Bis es allerdings so weit ist, müssen die Druckereltern die Vorgänge überwachen.
„Ohne die Eltern, wäre das gar nicht möglich“, schwärmt die Konrektorin. „Sie stellen sich in Teams zusammen und betreuen freiwillig die druckenden Kinder.“ Außerdem helfen sie zu beurteilen, wer die Prüfung ablegen kann und wer noch Übung braucht. „Gemeinsam wird ein Zeitpunkt für die Druckerprüfung festgelegt“, schildert Claudia Ostertag, Klassenlehrerin der 2 lila. „Es kommt auch immer darauf an, ob sich die Kinder schon bereit dafür fühlen.“

Anspruchsvolle Druckerprüfung wird mit Gautsch-Zeremonie gewürdigt

Die Buchstaben einsetzen, die Leerräume auffüllen, den Satz auf der Rollenpresse anordnen, einfärben und drucken – die Prüfung ist nicht nur anspruchsvoll, sondern auch gründlich. Bewertungskriterien sind außerdem die Sauberkeit und Ordnung, denn wer drucken will, muss auch aufräumen.
„Das Drucken soll vor allem Spaß machen und eine Belohnung für die Arbeit der Kinder sein“, erklärt Alexandra von Walterskirchen. Dass die „Ausbildung“ der Schüler nicht mit einer professionellen Druckerlehre zu vergleichen ist, versteht sich dabei von selbst.

Die Gautsch-Zeremonie jedoch kann der traditionellen Druckertaufe durchaus das Wasser reichen und so werden die Prüflinge unter kräftigem Anfeuern ihrer Mitschüler in die Gilde der Laiendrucker aufgenommen. Nachdem sich die frischgebadeten Drucker ihre trockenen Kleider angezogen haben, darf auch ein feierlicher Schwur nicht fehlen.

Die 75 Schüler geloben, künftig keine Druckfehler mehr zu machen und den anderen Lehrlingen gründliche Helfer zu sein. „Gott segne diese Kunst“, schließen die Schüler im Chor.
Sie strahlen und sind stolz, die Prüfung und das Gautschen erfolgreich hinter sich gebracht zu haben.
„Es war toll! Und mir ist gar nicht so kalt“, sagt Jasmin, Schülerin der 2 lila, zum Abschluss. Sie und acht ihrer Klassenkameraden dürfen nun mit zwei Zeugnissen in der Tasche nach Hause gehen.
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