Gründerzentrum mit neuem Anstrich: aiti-Park soll für die Zukunft gerüstet werden

Das Gründerzentrum aiti-Park unterstützt Start-Ups durch günstige Räume, Beratungsangebote und ein Netzwerke.

Der Augsburger aiti-Park hilft seit 2002 Start-Ups bei der Unternehmensgründung. Bis 2018 soll das Zentrum mit Hilfe des Freistaates und der Region auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet werden.

Gebäude 09a im Sigma-Techno-Park: Das gleißende Sonnenlicht spiegelt sich in den Glasfronten des fünfgeschossigen Baus, in der Lounge lümmeln sich schwarze Ledersofas um Glastische, bunte Wände säumen lange Korridore, durchbrochen von Bürotüren. So präsentiert sich der aiti-Park, das Technologie- und Gründerzentrum in Augsburg. Von Hightech für den Kuhstall bis hin zu digitalen Abenteuern fürs Kinderzimmer finden sich hier zahlreiche Start-Ups aus der IT-Branche. Bis 2018 könnte sich allerdings einiges verändern: Ein „Zentrum mit neuem Anstrich“ soll es werden, wie Geschäftsführer Stefan Schimpfle es nennt. Und damit ist nicht nur eine neue Fassade gemeint. Es sollen vor allem Grundlagen für eine noch bessere Vernetzung geschaffen werden.
Das Gründerzentrum in Augsburg gibt es bereits seit 2002. „Eigentlich entstand es zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn die ’Internet-Blase’ war gerade eben geplatzt“, erzählt Schimpfle. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der IT-Branche, hätte sich der aiti-Park aber in der Folgezeit erfreulich entwickelt. „Die entstehenden Unternehmen haben eben solider geplant als zuvor“, so Schimpfle weiter.

Günstige Räume im aiti-Park

Seitdem haben sich im Gründerzentrum über die Jahre viele Start-Ups angesiedelt. Cattle Dataist eines davon. Mit einem patentierten Verfahren bietet es eine automatisierte Fruchtbarkeits- und Gesundheitsanalyse beim Rind. Mit einem optischen System ermöglicht es Cattle Data Landwirten, genau zu erkennen, wann eine Kuh brünstig ist. „Nur dann kann sie besamt werden, bekommt ein Kalb und gibt Milch“, erklärt Geschäftsführer und Tierarzt Dr. Oliver Dietrich. „Übersehene Brünste sorgen in Deutschland jährlich für Verluste in Milliardenhöhe.“ Seinen Sitz hat das Unternehmen zum einen in einer Halle am Riedinger Park. Zum anderen in angemieteten Räumen im aiti-Park. „Dort haben wir ein schöneres Ambiente und können auch mal Kunden einladen“, sagt Dietrich.
Stefan Leuchtenberg ist ebenfalls Mieter im Gründerzentrum. Er ist Mitbegründer derploosh GmbH, die sich auf interaktive Kindermedien spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde heuer von der Stadt mit dem Preis „Qualität made in Augsburg“ ausgezeichnet. Erst kürzlich hat die ploosh GmbH ihre neueste Kinder-App auf den Markt gebracht. Mit dem Spiel „Die Zwuggels – Reise ans Meer“ können Kinder eine digitale Abenteuerreise erleben und gemeinsam mit den Wichtel-Kindern Elfina und Olfred Sandburgen bauen, Schiffbrüchige retten und einen Schatz heben. Auch Leuchtenberg ist zufrieden mit dem Raumangebot im aiti-Park. „Wir können günstig und flexibel Räume anmieten. Küche und Klo werden geputzt.“
Während Cattle Data im Hauptgebäude untergebracht ist, hat die ploosh GmbH einen Raum in einem Nebengebäude angemietet. Das Zimmer ist schlicht eingerichtet. Zwei Bildschirme auf dem Schreibtisch, Mikrofon, Headset, Regale mit Ordnern und Büchern, ein Staubsauger unter dem Tisch, „mir reicht das völlig“, meint Leuchtenberg. „Wir empfangen hier ja keine Kunden, das ist einfach nur mein Arbeitsplatz.“
Das flexible Raumangebot ist aber nicht das Einzige, das den Gründern wichtig ist. „Der aiti-Park bietet uns ein Sorglos-Paket“, formuliert es Leuchtenberg. Neben dem günstigen Zimmer nutzt er die Beratungsangebote und legt Wert auf den Austausch mit anderen Gründern. Dietrich sieht die Möglichkeit zum Netzwerken ebenfalls als Bonuspunkt.

Vernetzung mit mittelständischen Unternehmen

Auch wenn die beiden Gründer im aiti-Park rundum zufrieden sind, sieht Geschäftsführer Stefan Schimpfle gerade im Bereich des gegenseitigen Austausches noch viel Potenzial. „Was mir sehr am Herzen liegt, ist vor allem eine bessere Vernetzung zwischen Gründern und mittelständischen Unternehmen“, sagt Schimpfle. „Junge Gründer sind sehr agil und reagieren schnell auf Veränderungen in Technologien und Geschäftsmodellen. Das fällt mittelständischen Unternehmen oftmals nicht leicht. Das heißt, noch viel mehr an Partnerschaften mit jungen Unternehmen zu arbeiten und zu denken, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Wer diesen Transformationsprozess nicht mitgeht, wird sich schwer tun.“ Andererseits könnten die Gründer auch von den Erfahrungen der Unternehmen profitieren. „In der Vergangenheit wurden sie oft als Anfänger mit wenig Kompetenz in Verbindung gebracht. Das stimmt aber nicht. Den Gründerteams fehlt im ersten Schritt häufig nur die Struktur, die finanzielle Ausstattung, ein Pilotkunde oder Aufmerksamkeit.“ Schimpfle ist zuversichtlich, dass einem stärkeren Miteinander in Schwaben nichts im Wege steht. „Allerdings braucht es die Bereitschaft von beiden Seiten und die nötigen Rahmenbedingungen.
Um die Grundlagen für die verbesserte Vernetzung zu schaffen, soll mit Hilfe des Freistaates Bayern und der Region bis 2018 ein neuartiges Gründerzentrum in Augsburg entstehen. „Bisher ist das Gebäude mit Gängen und vielen Bürotüren strukturiert. Im neuen Zentrum soll es mehr Austauschflächen geben, um für eine intensivere Vernetzung zu sorgen“, erklärt Schimpfle. So soll etwa ein kleines „TechLab“ entstehen, ein Labor mit der nötigen technischen Ausstattung, das Gründer und mittelständische Unternehmen zum Beispiel zur Herstellung von Prototypen, zu Test- und Demonstrationszwecken nutzen können. „Will beispielsweise ein Heizungsbauer eine App zur Steuerung der Heizung in Privathaushalten, kann er hier mit Software-Entwicklern aus dem aiti-Park zusammen arbeiten“, veranschaulicht Schimpfle.

"TechLab" und Café: Mehr Flächen zum Austauschen

Auch für die Gründer untereinander und für Interessierte sollen im neuen Gründerzentrum Flächen zur Verfügung stehen, wie etwa ein kleines Café, in dem „die Leute Pause machen, sich treffen und vernetzen.“ Bisher sei die Vernetzung schon gut, so Schimpfle. „Wir laden zu Start-up Treffen, Fachtagungen, zu Sommerfesten oder zum Weißwurstfrühstück ein. Ich würde mir aber wünschen, dass die Vernetzung in Zukunft noch spontaner passiert, auch ohne unser Zutun.“
2600 Quadratmeter sollen dann in einem zusätzlichen Gebäude zur Verfügung stehen. „Momentan haben wir noch Räume für ein oder zwei kleine Firmen mit wenig Platzbedarf“, schildert Schimpfle. Auch wenn etablierte Start-Ups das Gründerzentrum verlassen und die freien Räume dann wieder neuen Gründern vermietet werden können, sei eine größere Fläche wünschenswert. Im neuen Gebäude sollen rund 20 weitere Start-Ups und zehn bis 15 Co-Working-Arbeitsplätze unterkommen. Diese sind vor allem für erste Konzeptentwicklungen, als günstiger Einstieg beispielsweise für Studenten und Hochschulabsolventen gedacht, die eine gute Idee haben, sich aber erstmal nicht an Verträge binden, sondern sich ausprobieren und Kontakte knüpfen wollen.
„Letzten Endes gehören zum Gründen Durchhaltevermögen, die Bereitschaft Überzeugungsarbeit zu leisten, Glück und Fleiß“, weiß der Geschäftsführer. Günstige Räume, die richtige Beratung, Mentoring und ein solides Netzwerk können aber ebenfalls von Nutzen sein. Genau das erwartet Gründungswillige hinter den großen Glasfronten, in Gebäude 09a.

Weitere Informationen zum Gründerzentrum gibt es unter www.aitiraum.de. Wer mehr über Cattle Data erfahren möchte, schaut auf www.cattledata.de. Mehr Infos zur ploosh GmbH erhalten Interessierte unter www.ploosh.de.

Kristin Deibl
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