"Europas Mitte" in Augsburg: Tausende Besucher beim Sudetendeutschen Tag 2017

Bernd Posselt (links), Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe hat am Samstag an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier den Europäischen Karls-Preis verliehen. Fotos: Markus Höck
 
Treffen der Generationen: Der Sudetendeutsche Tag 2017 war auch eine Möglichkeit für die nachgeborenen Generationen, die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern kennenzulernen.

"Wir wollen gemeinsam Mitteleuropa gestalten." So hat am Sonntag Bernd Posselt, der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Sinn und Ziel der Sudetendeutschen Tage erklärt, die jedes Jahr an Pfingsten, abwechselnd in Augsburg und Nürnberg gefeiert werden. Heuer war die Fuggerstadt an der Reihe und mehrere Tausend Sudetendeutsche und Tschechen waren der Einladung auf das Messegelände gefolgt.

Zentrales Thema war in diesem Jahr die Europäische Einigung, das Motto lautete "Verständigung suchen - Europas Mitte gestalten". Vorrangig gilt das Augenmerk der Sudetendeutschen Tage der Verständigung von Tschechen und Sudetendeutschen. Letztere waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus den Gebieten des heutigen Tschechien vertrieben worden und hatten vor allem in Bayern eine neue Heimat gefunden, weshalb die Sudetendeutschen Tage auch in diesem Bundesland abgehalten werden. In Augsburg selbst "ist jeder Fünfte mit sudetendeutschen Wurzeln versehen", wie Oberbürgermeister Kurt Gribl in seinem Grußwort betonte. Immer wieder werden die Sudetendeutschen als vierter bayerischer Stamm bezeichnet.

Hessischer Ministerpräsident Bouffier erhält Europäischen Karls-Preis

Doch nicht nur Bayern hat sich um die Heimatvertriebenen gekümmert. Auch Hessen nahm 1946 400 000 Menschen auf, die plötzlich ohne Heimat waren, wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ausführte. Er wurde für das Engagement seines Bundeslandes und für seinen persönlichen Einsatz für die Belange der Sudetendeutschen mit dem Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft geehrt - benannt nach dem böhmischen sowie deutschen König und Kaiser Karl IV.

"Er macht nicht nur eine großartige praktische Arbeit, sondern er steht für eine wertbezogene Politik", lobte Bernd Posselt den Preisträger. Bouffier selbst erinnerte in seiner Dankesrede an die Wichtigkeit eines geeinten Europas - und an die Gefahren, die es bedrohen: Der Austritt Großbritanniens aus der EU, die Entwicklungen in der Türkei und in Russland. Zur Stabilisierung Europas will der Sudetendeutsche Tag einen Beitrag leisten. Insbesondere im Kampf gegen den neu aufflammenden Nationalismus, vor dem Bernd Posselt in seinen Reden wiederholt warnte. Wären eine "Faschistin wie Marine Le Pen und ein Kommunist wie Jean-Luc Mélenchon - beide Nationalisten übrigens, beide Putin-finanziert" in die Stichwahl um die französische Präsidentschaft gekommen, dann "wäre Europa am Ende gewesen", erklärte Posselt, der Le Pen aus seiner Zeit im Europaparlament persönlich kennt.

Auf Sudetendeutschem Tag stehen "Menschenrechte im Mittelpunkt"

Doch die Sudetendeutschen Tage stehen dem laut Posselt entgegen. "Hier herrscht kein nationalistischer Ungeist. Hier schlägt das Herz Europas und hier stehen die Menschenrechte im Mittelpunkt", sagte der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Die gemeinsame Verantwortung für Europa tragen "insbesondere Sudetendeutsche und Tschechen und Deutsche und Tschechen, weil wir unsere Erfahrungen mit totalitären Systemen machen mussten, weil wir unsere Erfahrungen mit Nationalismus machen mussten".

Neben der Stärkung Europas verfolgen Posselt und seine Mitstreiter noch ein weiteres Ziel mit Nachdruck. "Unsere Aufgabe ist es, auf ein weltweit sanktioniertes Vertreibungsverbot hinzuwirken", erklärte Posselt. Er könne sich vorstellen, dass "in nicht allzu ferner Zukunft eine tschechische und eine deutsche Regierung gemeinsam in der UNO die Initiative ergreifen für ein weltweit kodifiziertes Vertreibungsverbot im Sinne von ,Nie wieder Vertreibung als Mittel der Politik!'", so Posselt weiter.

Geehrt wurde auf dem Sudetendeutschen Tag auch Bundestagsabgeordneter Hartmut Koschyk, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Er erhielt den Menschenrechtspreis der Sudetendeutschen. (Von Markus Höck)
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