105 Jahre Leben in Lechhausen. – herzlichen Glückwunsch Anna Lang!

105 Jahre haben das Lachen nicht vergehen lassen.
 
mit Tochter Karin am Autobahnsee
Ihr Lechhausen hat sie, mit einer kurzen Unterbrechung während des 1. Weltkriegs- nie verlassen. Wir gratulieren und wünschen noch viele Jahre voller Gesundheit! Und Lebenskraft. Wer die älteste Bürgerin Lechhausens besucht oder ihr im Bus oder bei Veranstaltungen begegnet, trifft auf eine charmante, fröhliche und interessierte zierliche Dame. Niemand weiß so wirklich wie „Mann oder Frau“ mit 105 aussehen soll, aber niemand würde sie uf dieses Alter schätzen. Und wenn sie dann einiges aus ihrem Leben erzählt ist man erstaunt, dass sie ohne Bitterkeit und Groll auch heute dem Leben noch das Positive abgewinnen kann. Sie hat sich ihr Lachen bewahrt. Beim „Fotoshooting“ an Stätten ihres Lebens am Lech und am Autobahnsee wird viel gelacht. Als sie dem Graffitikünstler Cero trifft und sogar sprühen darf kennt das Lachen kaum Grenzen. Auch bei Erzählungen über manche auch durchaus widrigen Lebensumstände ist Nachdenklichkeit aber keine Bitterkeit spürbar.

Ein hartes Arbeiterinnenleben.

Als sie 1911 geboren wurde, war Lechhausen noch eine eigenständige Stadt.. Erst zwei Jahre später erfolgte die Eingemeindung zu Augsburg. Es gab noch viele Bauern, viele Gaststätten, nur Ansätze einer Kanalisation und einer Wasserversorgung,. Es war ein armseliges, manchmal sehr hartes Leben für das als ‚unehelich‘ geborene Mädchen, das am 5. Mai 1911 in der Klausstraße zur Welt kam. Ihre Familie war arm, der Stiefvater nicht besonders liebevoll mit ihr. So erinnert sich Anna Lang auch heute noch durchaus lebendig an diese Zeit. Nach dem Schulbesuch ging es zur Arbeit in die Weberei bei der SWA, dort lernte sie auch ihren späteren Mann kennen. Die Arbeit in der Fabrik ist hart und laut, sie bedient bis zu 25 Webstühle gleichzeitig. Bei ihren Besuch im TIM kann sie die alten Webstühle noch erklären. Ihr Stundenlohne von 20 Pfennig steigt an auf 50 Pfennig, „damit war es schon ein wenig einfacher!“ beschreibt sie zurückhaltend die schwierigen Lebensumstände. Schon früh kommt sie in Kontakt mit der Gewerkschafts-bewegung, rezitiert Gedichte bei Feiern. Noch heute bezeichnet sie sich als Sozialdemokratin, ist immer noch Mitglied der Arbeiterwohlfahrt und besucht regelmäßig die Treffen. Zu kurz kommt in dieser Zeit das Feiern und das so geliebte Tanzen, weil die Arbeit Vorrang hat, Ihre Tochter kommt während des zweiten Weltkriegs zur Welt, der Mann ist wie so viele im Krieg und kommt behindert zurück. Ihre Wohnung wird durch Bomben fast zerstört, trotzdem sie dort wohnen noch lange nach dem Krieg..Ihr Mann ist schon vor langen Jahren gestorben, ihre Tochter Karin die jetzt in ihrer Nähe wohnt hilft, wenn sie sich, was selten vorkommt, nicht selbst helfen kann. Sie lebt immer noch allein in ihrer eigenen Wohnung und kümmert sich trotz des hohen Alters selbst um ihren Alltag. Wöchentlich geht sie zum Turnen in die benachbarte TSG, besucht die regelmäßig die Treffen der Arbeiterwohlfahrt. Wichtig ist ihr auch nach wie vor die Teilnahme bei Veranstaltungen wie z.b. Bürgerversammlungen. Zu ihrem 101. Haben die Stadtwerke eine lebenslange Freikarte für Bus und Bahn spendiert - zum Hundertsten hatte das eine Mitarbeiterin noch mit der Begründung verweigert, dass da jeder kommen könne - die sich auch ausnutzt und auch heute noch in der Stadt unterwegs ist. Nach einem Sturz muss sie einen Stock benutzen, was sie wie sie meint “ein wenig behindert!“.

Die „Affäre“.

Wie der OB bei einem Seniorennachmittag selbst gestand, ist Anna Lang seine „Affäre“. Durch Besuche bei runden Geburtstagen und auch ihren Besuchen bei Versammlungen. ist der Augsburger Oberbürgermeister bestens bekannt. Sie lernten sich kennen und schätzen. Als sie im Kommunalwahlkampf 2014 zusammen mit ihm auf einem Wahlplakat erscheint, wird sie von manchen SPD – Genossen sehr kritisch gesehen. „Ich habe damit nicht die Partei sondern Herrn Gribl unterstützt! Ich finde ihn gut!“ steht sie auch heute noch dazu. Auch für Politik interessiert sie sich nach wie vor, wählen zu gehen für die eine Selbstverständlichkeit.

Die Begegnungen mit Anna Lang sind nicht nur persönlich äußerst angenehm und anregend. Mit ihr begegnet man auch einem Stück gelebter Zeitgeschichte, authentisch, lebensnah und immer spannend. Man kann nur hoffen, dass noch viele Jahre bei guter Gesundheit folgen.
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