Augsburger Badmintonspieler holen sich den Weltrekord

Auf geht's Kumpel! Foto Blöchl
 
Optimistisch vor Beginn Kim Mayer. Kim Myer
Länger als 24 Stunden Badminton spielen? Kim Mayer und Christian Kölle haben das versucht - und es auch geschafft.

Begonnen hatte das Abenteuer am Samstag, 9. Juli, um 18 Uhr. Am Sonntag, 10. Juli, um 18.05 Uhr war es unter dem Jubel der Spieler und der begeisterten Zuschauer soweit: Der alte Weltrekord im Dauerbadminton war gebrochen. Bis 18:15 spielten beide dann weiter – dann war Schluss und der Kampf, vor allem gegen sich selbst, geschafft.

Die beiden Spieler haben sich den Rekord von holländischen Kollegen geholt: Der neue Guinness-Rekord im Badminton liegt bei 24 Stunden und 15 Minuten und gehört jetzt Augsburg.

Ein gelungener Abschluss der gemeinsamen Sportstudienzeit war es für die beiden. Die Idee für die Rekordjagd kam spontan: „Nachdem wir gelesen haben, dass Holländer den aktuellen Rekord halten, war unser Ehrgeiz direkt geweckt“, erklärte das Duo vor dem Spiel. Die direkte Vorbereitung begann vor vier Wochen. Beide waren zwar zuversichtlich, doch auch sichtlich nervös. „ Müdigkeit, Hunger, Durst, Kraftlosigkeit, Schmerzen – der Kampf gegen den inneren Schweinehund, das sind unsere größten Gegner“, hatten sie kurz vor Beginn erklärt. Denn die Möglichkeiten, sich auszuruhen waren sehr kurz. Pro abgeleisteter Stunde Badminton spielen waren nur fünf Minuten Pause erlaubt. Diese Pausen konnten auch gesammelt werden. Gleich zu Beginn spielten sie 4 Stunden durch und konnten dann 20 Minuten Pause machen.

Rote Beete als Kraftgeber


Das ganze wurde überwacht und vollständig aufgezeichnet, in einem Livestream wurde es auf Badminton TV rund um die Uhr übertragen. Auch das bayerische Fernsehen war zu Gast. Das Duo wurde sowohl medizinisch als auch nahrungstechnisch von Mitgliedern der TSG Lechhausen versorgt. Aber auch eine Physiotherapeutin, die in der Presse über den Weltrekordversuch gelesen hatte, kam spontan in die Halle und half fast die gesamte Zeit mit Massagen und Beratung. Den Verpflegungsplan hatte Kölle selbst erarbeitet, Hauptnahrung übrigens vor allem rote Beete als Kraftgeber.

Und es wurde richtig Badminton gespielt nicht etwa Federball mit möglichst langen und einfachen Ballwechseln. Teilweise begeisterten schnelle Ballwechsel die Zuschauer. Insgesamt wurden fast 170 Sätze gespielt, etwa 120 Bälle verbraucht. Jeder Spiel wechselte acht Mal das T-Shirt. Kim Mayer als aktiver Spieler gewann zwar die Satzwertung, aber das war unwichtig. Wichtig war „dass wir uns überwunden und durchgebissen haben“, waren beide sich einig.

Rekordjagd: "Rotz und Wasser geheult"


Besonders Mayer hatte nach der langen Nacht, in der nur wenige Fans in der Halle für Stimmung sorgten, nach fast 16 Stunden Spiel, mit einem Tief zu kämpfen. Aber mit Hilfe seines Partners und der medizinischen Betreuung kämpfte er sich aus dem Loch „obwohl ich Rotz und Wasser heulte“ berichtete er.

Und dann rückte der Rekord immer näher, immer mehr Zuschauer unterstützen die beiden Sportler. Man merkte, wie neue Energien, neue Kräfte entstanden. Das Spiel wurde wieder schneller und immer öfters huschte ein Lächeln über die müden Gesichter.

Nochmal Massage, eine kleine Stärkung – und dann in den Endspurt. Die Besucher feuerten das Duo frenetisch an, sie spielten fast so intensiv wie zu Beginn. Der Rekord geknackt, noch einige Minuten draufgelegt und dann war es soweit. Kim Mayer und Christian Kölle fielen sich in die Arme, dann sanken sie zuerst zu Boden, ausgelaugt, ausgepumpt und stolz. Sie hatten es geschafft.

Sie hatten ihr Ziel erreicht, gegen Schmerz und Müdigkeit, gegen innere Fragen und Zweifel gewonnen. Der Weltrekord gehört nun ihnen.
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