Bewegende Momente um ein schwieriges Thema: „KompetenzNetz Demenz“ feiert Jubiläum

Die Demenzpaten, sitzend Claudia Zerbe. Foto Blöchl
 
Claudia Zerbe, Leiterin des Beratungsnetzes. Foto Blöchl

Vor 20 oder 30 Jahren haben fast nur Insider darüber gesprochen, heute ist sie nahezu eine Volkskrankheit, die Demenz in all ihren Formen und Ausprägungen. Millionen von Menschen sind direkt oder indirekt betroffen.

Schlimm ist die Diagnose für die Betroffenen selbst, aber fast genauso bedrückend und belastend für die Familie und das Umfeld. Groß sind die psychischen und physischen Belastungen, die auf einen zukommen, wenn ein geliebter Mensch nach und nach im „Nebel des Vergessens“ verschwindet. Die Medizin kann nur bedingt Linderung verschaffen, eine Heilung der Krankheit ist derzeit nicht möglich. Die Zahl der Hilfsangebote, ambulant und stationär in Einrichtungen ist entsprechend der Zunahme der Krankheitsfälle enorm gestiegen, der Bedarf ist aber bei weitem größer als das tatsächliche Angebot.

Seit 10 Jahren gibt es ehrenamtliche Hilfe durch das KompetenNetz. Demenz (KND)



Mit der zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung der Krankheit ist vor 10 Jahren auch das Beratungsangebot des KND ins Leben gerufen worden. Der Träger, die Arbeiterwohlfahrt Augsburg, hat hier ein besonderes Angebot geschaffen. Auf fast ausschließlich ehrenamtlicher Basis – es gibt nur eine hauptamtliche Kraft und eine geringfügig Beschäftigte - gibt es hier ein Informationsangebot für Organisationen und Verbände, für Schulen und Firmen. Derzeit umfasst das Netz ca. 20 sog. „Demenzpaten“, mehrheitlich Frauen. Sie bilden sich weiter, erarbeiten Programme und gestalten die einzelnen Angebote. So geht man in Schulen oder zur Polizei, berät Unternehmen wie die Stadtsparkasse oder informiert bei Messen wie der „Intersana“! Es geht nicht um individuelle oder gar medizinische Beratung: „das machen die Fachleute, wir wollen nur helfen, die Krankheit zu verstehen und den Umgang mit ihr erleichtern!“ umreißt die Leiterin Claudia Zerbe das Selbstverständnis der Organisation. Sie ist in Augsburg, mit anderen Akteuren wie z.B. der Alzheimer - Gesellschaft gut vernetzt und feierte jetzt das 10 – jährige Jubiläum in der Projektschmiede in Lechhausen.

Kann man Demenz künstlerisch begreifen?

Schon die „Dekoration“ der Schmiede nahm die Besucher der „Schmiede“ gefangen und erweckte Betroffenheit und Interesse. Studenten des Kunstlehrstuhls der Uni Augsburg unter der Leitung der Dozentin, Katharina Linsel, hatten sich des Themas „Demenz aus Sicht der Kunst“ angenommen, und es war faszinierend und bewegend, welche Interpretationen die Künstlerinnen und Künstler zur Schau und zur Diskussion stellten. Sie zu beschreiben ist kaum möglich, sie führen den Betrachter in eine Welt die immer mehr entschwindet, deren Netze zerreißen und die immer mehr zu zwei Welten, der des Kranken und der der Anderen führt. Eine bemerkenswerte Ausstellung!

Beim Festakt würdigte Bürgermeister und Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer die Arbeit des Projekts als Beispiel für eine gelungene Vernetzung und Verbindung von Ehrenamt mit der gesellschaftlichen Aufgabe des Umgangs mit Demenz. Viele Gäste genossen am Abend das Klavierkonzert von Peter „Pietro“ Blöchl mit individuellen Geschichten, auch die seiner Mutter, die zum Lebensende ebenfalls an Demenz erkrankt war. Ein bunter Nachmittag mit Zauberkünstler, vielen Informationsangeboten und Mitmachangeboten für Jung und Alt, sowie Führungen durch die Ausstellung schlossen sich am Samstag an. Der Abschluss, als gemeinsam die Luftballons in den Augsburger Himmel stiegen, verdeutlichte, dass der Umgang mit Demenz gemeinsam viel besser gelingt, als allein.
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