Ein Adventsabend unter besonderen Vorzeichen.

Ein netter Abend unter Freunden. Foto Blöchl

Syrische Flüchtlinge feiern mit ihren Helfern.

Ein Abend in der Projektschmied ein Lechhausen. Auf den ersten Eindruck ein normales Bild – ca. 25 Menschen sitzen um eine Tafel, es gibt Würstchen, Salat, Süßes, Punsch und Glühwein. Die Dekoration ist adventlich, es gibt Kerzen und Nüsse, Lebkuchen und Plätzchen.. Auf einem Tisch steht Kuchen, was fehlt ist die Weihnachtsmusik. Aber nicht aus irgendwelchen politischen oder religiösen Gründen, die Organisatoren hatten sie schlich und einfach vergessen. Und es fiel keinem sonderlich auf.

Unterschiede bereichern.

Bei näherem Hinsehen und auf Nachfragen fällt dann auf, dass es doch gewisse Unterschiede zu sonstigen Feiern dieser Art gibt. Es gibt Putenwiener, der Punsch ist alkoholfrei. Die Deutschen trinken ihren Glühwein odet ihr Bier mit Alkohol, es stört niemand. Abd El Kader und Tamim haben Kuchen gebacken. Er sieht anders aus, schmeckt orientalisch süß, anders aber sehr lecker - die syrischen Männer haben sie mitgebracht. Radwan, IT – Spezialist aus Damaskus, hat einen Salat Taboulet mitgebracht. Seine Komposition mit Hirse, Minze und Zitrone ist vielleicht etwa fremd zum Advent, die Tatsache dass er sehr schnell aufgegessen ist, zeigt dass es schmeckt. Die Männer leben meistens seit 1 ½ Jahren in Augsburg, die ersten sind im Mai 2015 in Lechhausen gelandet. Seit dieser Zeit kennen sich viele, die hier zusammensitzen. Die Helferinnen und Helfer, die sich seit langem um die Flüchtlinge kümmern, sind meist etwas älter als ihre Schützlinge. Unter ihnen auch der Präsident der TSG Volker Bopp. Man ist sich in den letzten Monaten näher gekommen, es sind Freundschaften entstanden. Von Zeit zu Zeit trifft man sich zu gemeinsamem Kochen und Essen so wie heute Abend.

Angekommen in Deutschland!?

Erstaunlich, wie gut mittlerweile die Sprachkenntnisse bei vielen Migranten sind. Die arabisch-Kenntnisse ihrer deutschen Freunde sind dagegen nicht vorhanden. Was früher nur mit Händen und Füssen möglich war – jetzt ist mit den meisten ein ziemlich fließendes Gespräch möglich. Natürlich dreht sich das Gespräch auch sehr stark um die Situation in Syrien und speziell in Aleppo, für alle ist Assad schuldig an Massenmord und Tod dort. Nur ohne ihn können sie sich ein Leben in Syrien vorstellen. Der gerade aktuelle Mord in Freiburg und die damit wieder hochkochende Fremdenfeindlichkeit ist ebenfalls Thema.

Die anderen Gesprächsthemen spiegeln den Alltag wieder. Mittlerweile haben einige Arbeit gefunden, teilweise bei Leiharbeitsfirmen, aber sie sind zufrieden, den Einstieg geschafft zu haben. Es ist zu spüren, wie froh sie sind, nicht mehr von staatlichen Leistungen abhängig zu sein. Die anderen sind noch in Deutschkursen, sie wollen arbeiten sobald es geht. Ahmad, ein Arzt erzählt über die Probleme, notwendige Papiere aus Syrien zu beschaffen, um hier wieder in seinem Beruf arbeiten zu können. Er soll z.B. ein „polizeiliches Führungszeugnis“ vorlegen. In Syrien nicht bekannt. Er ist sehr glücklich, weil er seit einigen Monaten eine eigene Wohnung hat. Seine Frau Maryam konnte aus Syrien nachziehen, sie ist jetzt schwanger. Sie freuen sich jetzt auf ihr erstes Kind.

Wohnen das größte Problem.

Carola, eine Helferin, berichtet von ihrem Frust den sie bei der Wohnungssuche ständig erlebt. „Manchmal habe ich schon geheult“ erzählt sie über die teilweise verletzenden Äußerungen von Vermietern. Aber sie will sich nicht unterkriegen lassen und weitermachen. Das Wohnungsproblem ist das gravierendste, das alle beschäftigt. Einige haben zwar normale Mietverträge, der Vermieter in einer Pension im Gewerbegebiet in Lechhausen verlangt sage und schreiben 400.- Euro für 15 qm, die versprochene Küche gibt es bis heute nicht. Zeitweise sperrt er schon mal das Warmwasser, eigentlich Mietwucher und unzumutbar. Angesichts der mangelnden Alternativen ist es kaum möglich dagegen vorzugehen. Aber alle sind (noch) optimistisch, dass auch dieses Problem sich lösen wird.

Ein harmonischer Abend, an dem durchaus auch über den Islam genauso gewitzelt wird wie über deutsche Eigenheiten, Fußball ein Thema ist wie Essen und Kochen. Es ist an diesem Abend zu spüren dass man sich versteht. Hilfe bei der Meisterung des Alltags war früher die Aufgabe, heute sind es andere Hilfen, die gebraucht werden. Beide Seiten wollen das gemeinsame Zusammenleben hier in Augsburg und Deutschland gemeinsam gestalten, dieser Abend hat einiges dazu beigetragen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.