Ein Stück deutsche Geschichte wird erlebbar.

v.l. Hans Scharmann mit Gerhard Scharf, seiner Frau Rosa und Ulrike Bahr. Foto Blöchl
 
So sahen damals die Beitragsmarken für die SPD aus. Foto Blöchl

SPD ehrt Hans Scharmann für 70 Jahre Mitgliedschaft.

Ein seltenes Jubiläum konnte er kurz vor seinem 92. Geburtstag feiern. Die Vorsitzende der SPD Augsburg, MdB Ulrike Bahr, und der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Lechhausen, Gerhard Scharf, gratulierten Hans Scharmann zu seinem besonderen Jubiläum. Schon in seiner alten Heimat Neudeck (heute Neijdek in Tschechien), das er nach dem 2. Weltkrieg verlassen musste, war er Mitglied der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Bereits der Vater von Hans Scharmann war Gewerkschaftler und Ur-Mitglied der sudetendeutschen SPD. „Damals war es üblich, dass die Söhne es den Vätern gleichtaten, deswegen war es für mich selbstverständlich, ebenfalls in die SPD einzutreten“, erzählt Scharmann. „Ich hatte Glück!“sagt er trotz des schweren Schicksals von Vertreibung und Flucht. 1946 fand er Arbeit in der Textilfabrik Dierig, wo er dann 40 Jahre lang arbeiten sollte. Für seine Frau Rosa, die er in der Fabrik kennenlernte und ihn gibt es viel Lob für die alte Firma. „Dierig hat sich immer gut um seine Arbeiter gekümmert, wir haben im Betrieb sogar Obst bekommen, als man es nirgends kaufen konnte oder Stoff, mit dem wir uns Kleider nähen konnten“, berichtet Rosa, die als Bildnäherin in der Abteilung ihres Mannes arbeitete. Auch heute noch freuen sich die beiden über die kleine Betriebsrente, die sie von Dierig erhalten. Selbstverständlich war für ihn der Eintritt in die Gewerkschaft der Textilindustrie, die später in der IG Metall aufging. und in die SPD; „was heute leider nicht mehr so selbstverständlich ist!“ meint er. Dierig hatte die Baumwollspinnerei am Stadtbach übernommen, wo 1933 rund 2000 Beschäftigte arbeiteten. Dort bei Dierig lernte Hans Scharmann auch seine Frau Rosa aus Göggingen kennen, 1950 heirateten die beiden, Rosa setzte sich dafür ein, dass ihr Mann die Meisterschule besuchte. Als Meister hatte er später die gesamte Kämmerei unter sich. „Viel Geld haben wir nicht verdient damals, aber wir waren froh, dass wir überhaupt Arbeit hatten“, erzählt Scharmann.

Sein altes Parteibuch hat er aufgehoben, es enthält noch die kleinen eingeklebten Mitgliedsmarken (die die damaligen Kassiere zu Hause einkassierten) und diverse schöne Sondermarken, etwa eine von der Landtagswahl 1966 oder eine Wahlspendemarke im Wert von 2 Mark, die der Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt ziert.

Hans Scharmann ist gut bekannt mit dem ehemaligen SPD-Oberbürgermeister Hans Breuer und war befreundet mit dem ehemaligen SPD-Stadtrat Erich Sandner aus Göggingen. „Wir drei stammten aus dem Sudetenland beziehungsweise aus Schlesien, das hat uns verbunden. Sandner und ich waren in Neudek sogar Klassenkameraden“, so Scharmann. Eine kleine Ironie am Rande: Der Großvater des Gratulanten Gerhard Scharf kannte den Vater von Hans Scharmann, weil er aus demselben Ort stammte.

Ulrike Bahr würdigte die lange Mitgliedschaft von Scharmann. „Ich danke Dir für Deine Verbundenheit, und dass Du unserer Partei über die ganzen Jahre treu geblieben bist. Du bist mir und vielen anderen in der Partei ein gutes Vorbild!“
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