„Eine andere Landwirtschaft ist möglich!“

Augsburg: Freie Waldorfschule |

Solidarische Landwirtschaft“ unterstützt Bio-Gärtner in der Region

Das Interesse an gesunden, ökologisch und regional erzeugten Lebensmitteln wächst kontinuierlich. Aktuell gibt es bundesweit bereits 125 Solidarhöfe und weitere rund 40 Initiativen, die die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) betreiben wollen. Die Lehrerin Isabella Geier hatte zu einer Veranstaltung in die Freie Waldorfschule eingeladen, um über die SoLaWi Augsburg zu informieren.
Bruno Marcon und Bettina Zoczek vom Vorstand des Vereins Weitwinkel, dem Träger der SoLaWi Augsburg, erläuterten die Grundprinzipien und die Funktionsweise der Solidarischen Landwirtschaft Augsburg. In ihr finden sich Menschen zusammen, die hochwertiges, regional und ökologisch erzeugtes Biogemüse kaufen und damit nachhaltiges Wirtschaften und den Klimaschutz unterstützen möchten. Gemeinsam mit den beteiligten Gärtnern oder Landwirten sitzen sie am Tisch über Anbauplänen und helfen beispielsweise auch bei der Ernte mit. Die Verbraucher wissen, wie und wo ihr Gemüse angebaut wird und garantieren ihren Gärtnern durch einen festen monatlichen Beitrag von derzeit 44 Euro pro Monat ein festes Einkommen. Im Gegenzug erhalten sie jede Woche einen Ernteanteil, der im Sommer vielfältig und üppig ausfällt, im Winter saisonbedingt großenteils aus Lagergemüse besteht. Das erntefrische Gemüse und Obst wird zu einem zentralen Depot in der Stadt gebracht, wo man es dann holen kann, und von wo es dann in kleinere Depots in den Stadtteilen mitgenommen wird. Armin Salzmann als Vertreter der beteiligten Gärtner, berichtete davon, wie sich im Laufe der Zeit die Arbeitsbedingungen für Biogärtner verändert haben. Auch der Biogroßhandel nehme Gemüse nur noch in bestimmter Form, Größe und Ästhetik an, so dass krumm oder unregelmäßig gewachsene Gurken, zu kleine Äpfel oder zu große rote Rüben verschenkt oder vernichtet werden müssten. „Die Ansprüche der Verbraucher und Händler sind derart fehlgeleitet, dass dies mittlerweile fast die Hälfte der Ernte betrifft. Dabei schmeckt eine krumme Gurke genauso gut wie eine gerade“, beklagte Salzmann. Er berichtete von den Schwierigkeiten der mangelhaften Kommunikation zwischen Erzeugern und Konsumenten, die sehr zum Nachteil aller Beteiligten sowie des Umweltschutzes und des Klimas seien. Für Besucher und Arzt Peter Römer war der Vortrag sehr anregend: „SoLaWi ist eine tolle Möglichkeit gesunde Nahrungsmittel aus der direkten Umgebung zu bekommen und gleichzeitig sicher zu stellen, dass die Bio-Kleinbauern erhalten bleiben und uns Städtern ermöglichen durch freie Mitarbeit das Gärtnern zu erleben.“ Christoph Buschmann gefiel besonders der solidarische Ansatz, der zeige, dass es auch um anderes gehen könne als um Gewinnmaximierung. So tragen die „Stadtwirte“, wie die beteiligten Konsumenten genannt werden, auch Wetterrisiken mit, denen der Gärtner sonst ganz allein ausgesetzt ist. „Eine andere Landwirtschaft ist möglich – und nötig, denn die globale Ernährung wird nach wie vor nicht von Großkonzernen, sondern durch kleinbäuerliche Strukturen gesichert!“, so Buschmann.
Die SoLaWi Augsburg trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr in der Weißen Gasse 3 in Augsburg, Kontakt über www.solidarische-landwirtschaft-augsburg.de.

+ Foto: Bruno Marcon erläuterte die Grundprinzipien der SoLaWi Augsburg.
Fotourheber: Isabella Geier, Freie Waldorfschule Augsburg
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