Fehlende Betreuung und Wohnungsnot in Lechhausen: „Die Situation ist einfach katastrophal“

Die gute Laune zu Beginn der Plenumssitzung von v.l. Dr. Stefan Kiefer, Uschi Rauh (Vorsitzende Fachbasis), Gregor Lang (stellv. Vorsitzender Fachbasis) und Robert Kern kann über die schwierige Situation nicht hinwegtäuschen. Foto Blöchl
 
Auch an der Schiller - Grund- und Mittelschule in Lechhausen stellen finanzielle und personelle Engpässe Schüler, Lehrer und Eltern vor manche kaum lösbare Probleme. Foto Blöchl

Auf dem Plenum der Fachbasis werden einige Probleme sichtbar. Kinderbetreuung ist in Lechhausen nicht mehr gewährleistet. Wohnungssituation stellt Stadt vor große Herausforderungen.

Nicht der „Hort der Glückseligen“ sei Lechhausen, fasste ein Teilnehmer des Frühjahrsplenums der Fachbasis in der Lechhauser Projektschmiede zusammen.

Der dritte Bürgermeister und Sozialreferent Stefan Kiefer hatte es an diesem Tag nicht leicht. Der Neubau des Jugendtreffs Café U.n.F.u.G und die zunehmende Wohnungsnot waren zunächst die Hauptthemen. Dabei schilderte Robert Kern vom städtischen Wohnungsamt die zugespitzte Lage auf dem Wohnungsmarkt.
So sei es beispielsweise schwierig, für Flüchtlinge, die eigentlich aus den Unterkünften ausziehen müssten, Wohnraum zu finden. Manche verbleiben dann in den angemieteten Objekten, weil ansonsten die Obdachlosigkeit drohen würde. Nach seinen Angaben sind derzeit in Lechhausen 86 Flüchtlinge dezentral untergebracht. Das Problem sei der Anstieg der Bevölkerung, auch unabhängig von Migration. Kern sprach sich deutlich gegen das Ausspielen von Obdachlosen und Wohnungslosen gegen Flüchtlingen aus: „Die Problemlage ist oft eine ganz unterschiedliche“.

Personalmangel und finanzielle Probleme

Kiefer verwies darauf, dass auch in Lechhausen derzeit Baugebiete neu ausgewiesen werden, um das Problem mittelfristig in den Griff zu bekommen. Zufriedenstellend bis gut sei die Versorgung im Stadtteil mit Einrichtungen der Altenhilfe, auch das städtische Heim am Lechrain sei gut ausgelastet. Leider könne die Versorgungsstruktur an Einrichtungen für Kinder und Jugendliche damit nicht mithalten.

„Die Situation ist einfach katastrophal“, so das Fazit der anwesenden Leitungen der Lechhauser Schulen und Kindertagesstätten zu den Rahmenbedingungen für die Betreuung. Insbesondere eine Ganztagsbetreuung in Schule oder Hort können derzeit nicht gewährleistet werden.

Maria Marberger von der Kita St. Elisabeth berichtete von 13 Ab- und 36 Anmeldungen für den Hort, die nicht bewältigt werden können. Einzig bei den Krippenplätzen scheint die Lage nicht ganz so angespannt.

„Der Mangel ist der Wahnsinn“, schilderte ein Schulleiter den Alltag. Immer mehr Aufgaben („Schule übernimmt Erziehungsarbeit der Eltern“) müssten mit immer weniger Personal bewältigt werden. Auch eine wünschenswerte Ganztagsbetreuung sei durch Personalmangel gefährdet. Bei fünf vorhandenen Plätzen an seiner Schule gebe es 20 Kinder auf der Warteliste.

„Die bestehende Infrastruktur hält mit der wachsenden Einwohnerzahl auch in Lechhausen nicht Schritt“, war das einhellige Resümee.

Die Fachbasis soll nun in den nächsten Monaten ein Projekt auf den Weg bringen, mit dem Unterstützung für die Schulen aus dem Stadtteil gewonnen werden kann. Gedacht wird dabei an Fachkräfte mit unterschiedlichen Qualifikationen, etwa auch Rentner und Pensionäre, die dann ehrenamtlich als Unterstützung an den Schulen tätig werden. Die genaue Ausgestaltung muss noch geklärt werden, ein Ersatz für notwendige Lehrkräfte können diese ehrenamtlichen Unterstützer freilich nicht sein. Befürchtet wird in diesem Zusammenhang auch, dass durch die Wiedereinführung des G-9-Gymnasiums Mittel, die eigentlich die Mittelschule benötigen würden, in die höhere Schule fließen.

Es kommen schwierige Zeiten auch auf Lechhausen zu. Die Fachbasis ist hier entsprechend ihres Auftrags gefordert, die notwendige Unterstützungsarbeit zu organisieren. Die Hilfe selbst muss dann auch aus dem Stadtteil kommen.
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