Für Straßensanierung zur Kasse gebeten: Siedlerweg-Anwohner gehen auf die Barrikaden

Nicht ganz ungefährlich ist die Situation am Siedlerweg. Foto Blöchl
 
gefährliche Begegnungen gibt es zu den Stoßzeiten des Öfteren. Foto Blöchl
Firnhaberau. Schon einmal haben die Anwohner des Siedlerwegs mobil gemacht. Genau 20 Jahre ist es nun her. Damals, 1996, wurde die Buslinie 23, die in der Hammerschmiede endete, bis in die Firnhaberau verlängert. Dabei sollte die Verbindung direkt und nicht mehr über Lechhausen laufen. Das haben fast alle Bewohner der beiden Stadtteile begrüßt.
Im Siedlerweg aber, durch den bereits die Linie 22 fuhr, erhöhte sich durch die 23er Busse die Belastung. Staub, Lärm und Verkehr zogen Bewohner und Straße in Mitleidenschaft. Doch die Unterschriftensammlung entfaltete keine Wirkung. Der Protest wurde schließlich leiser – ganz gelegt hat er sich jedoch nie.
Nachdem im Jahr 2015 die Absicht der Stadt publik wurde, für eine Sanierung der Straße die Anwohner im Rahmen der „Satzung zum Straßenausbaubeitrag“ teilweise erheblich zur Kasse zu bitten, hat sich der Protest neu formiert. Bereits im Dezember 2015 wurden 140 Unterschriften gegen die Beträge gesammelt und an Oberbürgermeister Kurt Gribl übergeben. In Gesprächen mit den Stadtwerken wollte man erreichen, dass eine der beiden Buslinien aus dem Siedlerweg verlegt würde.
„Es gibt eine Überversorgung der nördlichen Firnhaberau mit zwei Buslinien und Endhaltestellen“, meinen die Anwohner. Befürchtet wird auch, dass durch ein von der Siedlungsgenossenschaft geplantes Wohngebiet im nördlichen Bereich der Firnhaberau die Belastungen weiter steigen werden. Alle Schritte zeigten keine Erfolge. Die Folge war im Februar die Gründung einer „Interessengemeinschaft Siedlerweg“.
„Chaotische Zustände im Bereich der Kreuzung Hammerschmiedweg/Siedlerweg durch gleichzeitig aus beiden Richtungen in den Siedlerweg einbiegende Busse und zeitweise starken Individualverkehr“, sehen Bettina Müller und Daniela Riefle, zusammen mit Günter Kastner Sprecherinnen der Initiative. Auf dem Ortstermin wurde dies durchaus eindrucksvoll bestätigt. Rund 50 000 Busse passieren jährlich das Gebiet. Eine imposante Bilanz, die natürlich ihre Spuren auf der Straße und den Nerven der Anwohner hinterlassen hat.
Gespräche mit dem OB, den Stadtwerken und Stadträten aller Parteien führten bisher zu keinem Ergebnis. In der Antwort der Stadtwerke auf einen Prüfauftrag der SPD-Fraktion aus dem Januar wurde eine Verlagerung der Buslinien abgelehnt. „Fast alle Parallelstraßen zum Siedlerweg sind für die Busse besser geeignet“, kontert jedoch Müller.
Nach einer öffentlichen Fraktionssitzung der CSU, in der die IG vortrug, wurde eine weitere Prüfung zugesagt. Ein kurzfristig anberaumter Termin mit Stadtwerke-Chef Walter Casazza blieb allerdings erneut ergebnislos. Fünf Varianten, den Siedlerweg zu entlasten, hat die Bürgervereinigung den Stadtwerken vorgeschlagen. „Es wurden nur drei überhaupt geprüft und diese einfach abgelehnt“, moniert Bettina Müller.

Neben dem Verkehr spielt Geld eine Rolle

Zahlreiche betroffene Anwohner sind zum neuerlichen Ortstermin erschienen. Für sie sei nicht ersichtlich, „warum wir allein die Kosten für eine Sanierung tragen sollen. Der Busverkehr ist die Hauptursache für die überdurchschnittlich hohe Abnutzung der Straße“, sagen sie.
Darauf achtet jedoch die Straßenausbaubeitragssatzung nicht. Danach müssen sich in Augsburg Anlieger an den Kosten für Straßenarbeiten beteiligen. Der jeweilige Betrag bemisst sich etwa an Geschosszahl oder Fläche eine s Grundstücks – bis zu 20.000 Euro könnte das manch einen kosten.
Das Mindeste was nun erwartet wird, ist eine anteilige Finanzierung des Ausbaubeitrags durch die Stadtwerke. Parallel zur Diskussion um die Buslinien wird versucht, die Erhebung der gesetzlich vorgesehenen Beiträge durch die Stadt zu verhindern. Dazu hat man sich mit Bürgern anderer Stadtviertel wie in Hochzoll, wo es an der Karwendelstraße ähnliche Probleme gibt, zusammengeschlossen. Mehrere Tausend Unterschriften sollen gesammelt und an die bayerische Staatsregierung geschickt werden. Angesichts der schwierigen Haushaltssituation der Stadt ein durchaus ambitioniertes Vorhaben.
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