Lechaue: Ein verlorenes Paradies

Eine fotografisch-ökologische Rarität: Der Lech beim Lochbachanstich in den Jahren 1914/1915 mit einem Himmel voller Vögel. Foto: Anton Fischer/ Verlag Wißner


Seit Jahrzehnten gilt dem Lech und dessen Degradierung vom wilden Alpenfluss zum kanalartigen Gewässer sein kritisches Auge: Eberhard Pfeuffer - langjähriger und verdienstvoller Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben - publizierte in einer historischen Bilddokumentation die längst verlorene Flusslandschaft zwischen der vorarlberg'schen Roten Wand - dem Quellgebiet des Lechs - und dem Auengebiet südlich von Augsburg. Und dabei hatte er großes Glück.

Großes Glück deshalb, weil er den fotografischen Fundus des 1991 verstorbenen Augsburger Natur- und Lechforschers Heinz Fischer zur Verfügung hatte. Dieser hatte zwischen 1936 und 1957 mehr als 900 Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Lech-Flusslandschaft gefertigt. Pfeuffer hat die besten Fotos nun in einem Bildband publiziert.

Etwas kommt noch hinzu: Zu seiner Dokumentation gehören auch einmalige Aufnahmen von Heinz Fischers Vater Anton, der als anerkannter Ornithologe bereits in der Zeit ab dem Ersten Weltkrieg bis in die 1920er Jahre hinein insbesondere die Vogelwelt des damals noch unverbauten Lechs wissenschaftlich und fotografisch erfasste.

Mit Blick auf die Umgebung Augsburgs sind insbesondere die von Anton Fischer aufgenommenen Bilder der Lechlandschaft um den Lochbachanstich aus den Jahren 1914 und 1915 historisch-ökologische Dokumente, die ihresgleichen suchen: Vor weitem Horizont ausufernde Flussarme, schütter bewachsene Inseln und ein Himmel voller Vögel. Eine fast afrikanisch anmutende Stimmung, die heute wohl in ganz Mitteleuropa nicht mehr anzutreffen ist.

Unbehagen bereitet die von Eberhard Pfeuffer in Erinnerung gebrachte Bestandsliste von Heinz Fischer aus dem Jahre 1966 mit der Auflistung der am Lech für immer verschwundenen Lebewesen: "Zum letzten Mal haben wir den Schrei einer Lachseeschwalbe 1930 gehört und dann kein Nest mehr gefunden. Und den Aelopus teorgestinus - einen äußerst seltenen Heuschreck - sah ich 1941 das letzte Mal. Eine Uferwanze - Teoleuca nobilis - habe ich 1936 in der Höhe von Königsbrunn entdeckt und dann nie wieder gesehen. Auch eine kleine Schmuckfliege - Hypochra albipennis - konnte nach 1937 nicht mehr beobachtet werden."

Diese "Todesliste" hat auch heute - 50 Jahre nach den Beobachtungen von Heinz Fischer - keinen Abschluss gefunden. Das Verschwinden von Fauna und Flora im Lechtal steht leider immer noch auf der ökologischen Agenda.

Der von Eberhard Pfeuffer publizierte Bildband "Der ungebändigte Lech - Eine verlorene Landschaft in Bildern" ist im Augsburger Wißner-Verlag erschienen. ( Dr. Heinz Münzenrieder )
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Hermann Oehmig aus Gersthofen | 28.05.2016 | 14:32  
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