Lechhauser Flößerpark im Winterschlaf

Schon im Winter 2013/2014 lag der Schnee auf den Liegen, seither ist nicht allzu viel passiert. Foto Blöchl
 
Hier am Ufer soll eine Gaststätte ntstehen, vorher müssen aber wohl Altlasten entsorgt werden. Foto Blöchl
Seit dem Stadtratsbeschluss 2012, der den Flößerpark als einziges größeres Stadtentwicklungsprojekt in Lechhausen anstoßen sollte, dümpelt das Vorhaben vor sich hin. Die geplanten Gesamtkosten von circa 1,3 Millionen Euro – wohl eher ein Klacks im Vergleich zu anderen Großvorhaben in der Stadt – wurden von Beginn an auf mehrere Jahre gestreckt.

Eigentlich, ja eigentlich hätte dann in diesem Jahr im dritten Bauabschnitt einiges passieren sollen am Lechhauser Lechufer: Die Telekom sollte ein Kabel verlegen, für die vorgesehene Gastronomie sollte nach der gescheiterten ersten Ausschreibung endlich der Investor gefunden, Rodungen sollten vorgenommen werden. Doch: „Still fließt der Lech.“ Es scheint sich nichts zu bewegen. Auch SPD-Stadträtin Sieglinde Wisniewski kritisiert den Zustand: „Die Situation ist äußerst unbefriedigend. Seit längerem herrscht absoluter Stillstand und niemand sagt warum. Bis auf ein paar Liegestühle und Sand ist noch nicht viel zu sehen“.

Weitere Verzögerungen durch Schadstoffe


Was zunächst ein Gerücht war, hat nun Umweltreferent Reiner Erben bestätigt. In einem Sachstandsbericht im Umweltausschuss informierte er darüber, dass das Erdreich wegen einer möglichen Schadstoffbelastung untersucht wurde und nach den Ergebnissen abgetragen werden muss. Neben der zeitlichen Verzögerung muss mit Mehrkosten von circa 325 000 Euro gerechnet werden. Geld, das bisher nicht im Haushalt eingeplant ist.

Eine weitere Verzögerung ist wohl nicht zu vermeiden. So sollen zwar vielleicht noch in diesem Jahr die notwendigen Rodungen erfolgen. Die Verlegung des Kabels der Telekom, ursprünglich für Juni 2016 vorgesehen, wird in das Frühjahr 2017 verschoben. Bis zum Sommer soll dann der Aushub entsorgt und mit der Abflachung des Ufers begonnen werden. Dann ist aber wieder Schluss, weil keine Gelder mehr zur Verfügung stehen.

Erst 2018 soll es dann wieder weiter gehen. Auch bei der Suche nach einem Investor für die vorgesehene Gastronomie ist man bisher nicht fündig geworden. Auch hier ist der Ausgang ungewiss. Bis wann überhaupt mit einer Fertigstellung zu rechnen ist, steht weiter in den Sternen. Dass die Kommunalwahl 2020 eine gute Gelegenheit zur Einweihung wäre, behaupten aber wohl nur böse Zungen. Viele Einwohner im Stadtteil sehen es mittlerweile eher gelassen, andere haben den Glauben an eine Verwirklichung schon aufgegeben. So ist das, was als Vorzeigeprojekt begonnen wurde auf dem besten Weg, eine kleine Lachnummer zu werden.

Kommentar: Worthülsen, denen keine Taten folgen


Viele Hoffnungen verbanden sich mit dem Projekt Flösserpark. Der Fluss, der dem Stadtteil seinen Namen gegeben hat, sollte stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Ein attraktives Naherholungsgebiet am aufgewerteten und zugänglichen Lechufer sollte die Lebensqualität im Stadtteil erheblich steigern. Für die Bewohner des größten Stadtteils Augsburgs war ein Treffpunkt geplant. Mittlerweile ist der Glaube an den Flösserpark schon ziemlich in Frustration umgeschlagen, es geht gelinde gesagt, sehr, sehr zäh voran.

Schon in den vergangenen Jahren musste gekämpft werden, um überhaupt Mittel für das Vorhaben in den städtischen Haushalt einzustellen. Jetzt scheint vollkommen unklar, wie es weitergeht. Neben dem Flösserpark ist auch die Entwicklung eines attraktiven Stadtteilzentrum im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes ISEK nicht weit gediehen.

Die Erfolge halten sich durchaus in Grenzen. Von einem attraktiven Zentrum ist Lechhausen immer noch meilenweit entfernt. Die vollmundigen Erklärungen des Oberbürgermeisters oder wie jüngst von Bürgermeisterin Eva Weber beim Workshop zur Weiterentwicklung des Gewerbegebietes Nord über die „herausragende Wichtigkeit Lechhausens“ entpuppen sich dabei zunehmend als Worthülsen, denen wenig bis gar keine Taten folgen.

Auch die mittlerweile je nach Zählweise bis zu zehn Stadträtinnen und Stadträte aus dem Nordosten der Stadt haben sich als Lobby für den Stadtteil bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Etwas mehr Mut und Widerstad auch in der ganz großen Rathauskoalition würde ihnen gut anstehen. Der Winterschlaf wird deshalb wohl noch weitergehen, wohl nicht nur bis zum nächsten Frühling.
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