Politik und Allzumenschliches!

Ein neuer Stern am Faschings- und Musikhimmel - die "Blechhauser". Fetzige, moderne Blasmusik, schrille Töne, passendes Outfit - ein Ohrenschmaus. Links Sitzungspräsident Marcus Bernhard. Foto Blöchl
 
Foto Blöchl
57. Faschingssitzung der Lechhauser Kolpingfamilie.

Herausragende Parodien, mitreißende Musik, begeisterndes Ballett, politische Spitzen und die kleinen und großen menschlichen Schwächen - die Mischung macht es beim Kolpingfasching in Lechhausen. Es war wieder eine gelungene Sitzung, die das fast ausverkaufte Haus begeisterte.

Etwas klein war die Garde in diesem Jahr – die Grippe hatte zugeschlagen – aber die 6 Mädchen um Daniela Demharter eröffneten die Sitzung zusammen mit dem Präsidenten Marcus Bernhard mit viel Elan und Grazie. Demharter zeichnete auch verantwortlich für die hervorragenden Choreographien der Tanz- und Balletteinlagen. Besonders hervorzuheben in diesem Jahr die Showtanzgruppe SOS der Sparkasse mit einem rockigen Spektakel, das die Zuschauer mitriss (soweit das Lechhauser Temperament das zuließ!). Um den Nachwuchs muss sich die Kolpingfamilie wohl wenig Sorgen machen, auch die Kids von der DJK zeigten in ihren Aufführungen von „Wildcats“ und „Higschool – Musical“ viel Temperament und auch Talent. Ein neuer Stern am Faschings- und Musikhimmel im Augsburger Nordosten könnten die „Blechhauser“ werden. Die junge Truppe, hervorgegangen aus dem Lechhauser ‘Blasorchester, mit originellen Stücken, schmissigen Melodien und einer guten Show sind zu empfehlen. Das Männerballett mit seiner Interpretation des „Schuh des Manitu“ zeigte was auch Männer alles auf die Beine bringen, wenn sie denn müssen.

Als Opener servierten die jungen Olchies, die wegen der Öffnung des Müllbergs von ihrem geliebten verdreckten Domizil Abschied nehmen und in den Keller des „Grünen Kranzes“ ziehen mussten, Köstlichkeiten wie „Fischgrätensuppe mit Rattenschwänzchen“ und amüsierten die Zuschauer mit ihren Wortschöpfungen. Marco Dobler, ein Nachwuchstalent, parodierte als Schüler de Schulalltag und lässt auf weiteres hoffen Im Text von Johann Mayer beim Jahresrückblick, auf die Melodie der „schwäbsche Eisebahn“ gedichtet, lobten die Interpreten die „Bombenstimmung zu Weihnachten“ in Augsburg, die „Dopiade“ in Brasilien war genauso Thema wie der Trainerwechsel beim FCA. Das Trampeltier Trump fehlte natürlich nicht.

Klaus Kramer gefiel zuerst als „Pechvogel“, dem der Arzt nach einem Unfall alles Mögliche, nur nicht das richtige operiert. In seiner zweiten schon traditionellen Rolle als „Stadtstreicher“ beschäftigte er sich vor allem mit der Kommunalpolitik, in der Kurt der Klamme und Eva die Reiterin der Leere zusammen mit dem Überbleibsel der „Schwarz-Weiß – Film – Zeit“ Bernd Kränzle die Politik bestimmen. Kaiser Augustus (Michael Beltran) und der Lechhauser Flößer (Heidi Friedrich) nahmen sich kommunale Themen vor, so den Stillstand am Flößerpark, das alte Thema „Fünffingerlesturm“ und das Theater. Die unterschiedlich laufenden Uhren am Perlachturm zeigt für sie das Augsburger Motto: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde!“ Natürlich durfte auch die Affäre um Linus Förster nicht fehlen.

Das ewige Mit oder Gegeneinander von Mann und Frau wurde beim Angler (Bernhard Bitzl) und der ihn mit ihrer überzogenen Redseligkeit nervenden Walkerin (Isabella Zilling) parodiert. Auch bei den wie immer herausragenden „Muhackl“ spielte das ewig Menschliche die zentrale Rolle. Mit ihrer stoischen Ruhe, den langsamen Bewegungen, und den „ekstatischen“ Balletteinlagen zeigten sie Teile der Schöpfungsgeschichte aus Lechhauser Sicht, dachten über das Verhältnis der Geschlechter nach langen Ehejahren nach. Wieder ein Augen-, Ohren- und Lachmuskeltraining par excellence.

Marco Dobler und Tanja Plodeck, die ihm als Zwerg eine schwere Last als Prinzessin war, beschäftigten sich mit dem alltäglichen Leben. Da der Mann sich angeblich „nur 7 Jahre entwickelt und dann nur noch wächst“ muss Frau einfach essen und sich dann wiederum einer Diät unterwerfen. Auch beim Umzug der Möbelpacker (Christoph Appel und Tobias Plodeck) wurde es äußerst menschlich.

Vor dem großem Finale für den Verfasser einer der Höhepunkte des Abends. Die Musicalcompany mit Marcus Bernhard, Renate Kremer und Barbara Feuerer lieferte ein Feuerwerk von Melodien und darauf zugeschnittenen Texten. „Auf einem Baum ein Kuckuck…“ saß auch Donald Trump, .“Sabinchen war ein Frauenzimmer…“ kam genauso vor wie der türkische Präsident Erdogan, Präsident Putin fiel ebenfalls unter die Beschreibung des „Diktatorenwahns“, der die Welt beherrscht und dem das Trio eine klare Absage erteilte. Köstlich und hinreißend Bernhards Parodie auf Brexit und Boris Johnson, Einfach Musikkabarett vom Feinsten.

Wieder eine gelungene Sitzung der Kolpingfamilie. Diese Tradition bereichert den Stadtteil und ist nicht wegzudenken, Der Nachwuchs, der sein Können zeigte, lässt hoffen, dass sie nicht wie manches andere irgendwann ausstirbt. Und wenn die Truppe die zwar meist gelungenen, aber vielleicht etwas zu dominanten Alltagsszenen von Mann und Frau etwas reduziert und dafür andere dinge aufs Korn nimmt, wird es nicht schaden.
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