„Auch Jesus war ein Flüchtling“: Flüchtlingsbeauftragter der Diözese Augsburg kritisiert Politiker

Ralf Eger erläuterte Flüchtlingsströme und deren Ursachen und die Herausforderungen für Christen im Umgang damit. Foto Blöchl
„Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ – dieses Zitat stellte der Flüchtlingsbeauftragte der Diözese Augsburg, Ralf Eger, mit in den Mittelpunkt seines Vortrags im Pfarrsaal St. Pankratius. Mit der Plastik „Der Flüchtling“ von Ernst Barlach, entstanden 1920 nach dem Ersten Weltkrieg, der auch große Flüchtlingsströme ausgelöst hatte, begann er seine Ausführungen. Neben den Bezügen zur aktuellen Situation leitete er aus der Bibel und anderen Schriften der katholischen Kirche die Notwendigkeit der Hilfe für Flüchtlinge ab.

„Die Bibel ist voll von Fluchtgeschichten, so der Auszug der Israeliten aus Ägypten. Auch Jesus war ein politischer Flüchtling seiner Zeit“, betonte Eger.

Hunger, Not, Krieg und politische Verfolgung waren und sind die immerwährenden Gründe, warum Menschen sich auf den Weg machen und ein besseres Leben suchen. „Aufnahme und Schutz von Flüchtlingen gehören zum Grund-selbstverständnis der Kirche“, sagte Eger. Dabei seien die Ursachen zweitrangig, denn „Flucht ist kein Verbrechen“.

Eger erinnerte an die deutsche Auswanderung nach Amerika, als zwischen 1850 und 1910 fünf Millionen Menschen wegen religiöser und politischer Diskriminierung das Land verließen und vor allen in den USA eine neue Heimat fanden. Auch die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg und die vielen Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR waren nicht immer beliebt, führte er aus.

Zu Krieg, Hunger und politischer Verfolgung werden nach Ansicht des Kirchenmannes auch zunehmend Umweltgründe kommen, die „Menschen zur Wanderung zwingen“. Im Vergleich zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten und der Bevölkerungszahl habe Deutschland in Relation zu Ländern wie dem Libanon oder Jordanien relativ wenige Flüchtlinge aufgenommen.

Sprache der Politik ist teilweise unchristlich


Jesus habe gesagt „Liebe Deinen Nächsten“, aber er meinte damit nicht den nächsten Deutschen, sondern alle Menschen, betonte Eger. „Menschenwürde ist umfassend und nicht verhandelbar.“ Ohne Namen zu nennen betonte er, dass die Sprache mancher Politiker etwa durch Aussagen über „fußballspielende, ministrierende Senegalesen“ eine klare Diskriminierung und Ausgrenzung darstelle. Dadurch werde die Stimmung gegen Flüchtlinge befördert.

„Jeder Mensch ist aber Gottes Ebenbild, nicht nur die Deutschen“, erinnerte er an christliche Grundsätze. Der Umgang mit der sicher großen Zahl von Flüchtlingen bringe Probleme mit sich – die aber lösbar seien. Er verwies auf die kulturellen Unterschiede, die nicht einfach verschwiegen werden dürften, mit denen man aber sorgfältig umgehen müsste.
„Es ist wichtig, dass in den Helferkreisen nicht nur Christen, sondern alle zusammenarbeiten, denen Nächstenliebe wichtig ist“, betonte er zum Abschluss und zitierte den Münchner Kardinal Marx: „Flüchtlinge sind Menschen, keine Zahlen. Sie haben Gesichter, Namen und Geschichten – so müssen wir sie behandeln.“
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