Flüchtlinge: Umzug in andere Stadtteile

Die neue Traglufthalle, in der bis zu 300 Personen in der Erstaufnahme untergebracht werden können ist leer und seit der Fertigstellung noch nie genutzt worden. Foto Blöchl
 
So sah es im Herbst im Zelt an der Berliner Allee aus. Foto Blöchl
Die Balkanroute ist geschlossen, die Anzahl derer, die in Deutschland und Augsburg ankommen, ist stark zurückgegangen. Die Erstaufnahmen in der Berliner Allee und der Zusamstraße sind menschenleer. Auch die Kleiderkammer, die in der Zusamstraße seit Mitte vergangenen Jahres ehrenamtlich betrieben wurde und wo die Helfer teilweise an der Grenze des Zumutbaren arbeiten mussten, öffnet derzeit nur noch sporadisch nach Bedarf. Die Bilder, die man aus Griechenland und der Türkei zu sehen bekommt, lassen aber ahnen, dass die Probleme nicht gelöst, sondern nur verlagert wurden. Für die Menschen, vor allem aus Syrien und Afghanistan, die schon in Augsburg sind, bringt dies neue Unsicherheit und neue Ängste mit sich. Manche ihrer Familienangehörigen sind noch auf der Flucht, von manchen wissen sie nicht, wo sie sich derzeit aufhalten. Die geplanten Änderungen bei der Familienzusammenführung, die diese erschweren sollen, tun ein Übriges. Es geht die Angst um, selbst wieder in die Türkei abgeschoben zu werden. Für die freiwilligen Helfer eine schwierige Diskussion.
Der Umgang mit Flüchtlingen in Augsburg ist bisher geprägt von großer Hilfsbereitschaft in den verschiedenen Helferkreisen. Natürlich blieben auch kritische Diskussionen, mit manchen Reaktionen außerhalb des guten Benehmens, nicht aus. Aber trotzdem bleibt festzustellen, dass Augsburg bisher von großen fremdenfeindlichen Ausbrüchen verschont blieb.
Vor allem in Lechhausen wurde die Diskussion geführt, ob der Stadtteil nicht überproportional durch Einrichtungen zur Erstaufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen belastet würde. Zwei Erstaufnahmeeinrichtungen und sieben Unterkünfte in Hotels und Pensionen hatten die Regierung von Schwaben und die Stadt im Stadtteil und in der Hammerschmiede angemietet. Ohne die neu ankommenden Flüchtlinge, die zum größten Teil sehr schnell auf ganz Deutschland weiter verteilt wurden, lebten zeitweise knapp 300 Menschen in Lechhausen und der Hammerschmiede.
Diese Zahl wird nun durch die Stadtverwaltung erheblich reduziert. Die sehr kostspieligen Unterkünfte werden aufgegeben und die Menschen künftig in fest angenieteten Häusern und Wohnungen untergebracht. Durch die Verteilung über die ganze Stadt reduziert sich die Zahl der Flüchtlinge im Bereich Lechhausen erheblich. Es werden nun wohl nur noch circa 130 Menschen in drei Unterkünften zu Gast sein. Wie sich die Zahlen weiter entwickeln werden, ist derzeit nicht abzusehen, denn auch Augsburg ist von den weltpolitischen Entwicklungen abhängig.
Der Umzug der Flüchtlinge in die neuen Unterkünfte ging bisher problemlos über die Bühne. Trotzdem ist es für manche schwer, „ihre“ Unterkunft zu verlassen. Auch in ihrer schwierigen Situation hatten sich die Menschen in langen Monaten des Wartens ein wenig eingerichtet und organisiert. Auch für einige Kinder bedeutet der Umzug nun möglicherweise den Wechsel von Kindergarten oder Schule.
Manche Besitzer von Pensionen hatten sich indes einen großen Reibach erwartet und auf ein Andauern der Zuwanderung gesetzt. „Die Goldgräberzeit ist Gott sei Dank vorbei“, meint etwas sarkastisch einer der Helfer. Eine gewisse Schadenfreude, dass das Geschäft mit der Not anderer nun zumindest teilweise vorüber ist, ist durchaus nachvollziehbar. Es war oft ein mühsames Geschäft für die Stadt und die Helfer, Verbesserungen zu erreichen.
Auch „die Zeit der Soforthilfen und materiellen Unterstützung“ scheint zunächst vorüber. „Diese stehen nicht mehr im Vordergrund“, resümiert ein Sprecher des Lechhauser Helferkreises. „Jetzt beginnt der ungleich schwierigere Teil, die Menschen bei uns zu integrieren, sie brauchen Ausbildung, Wohnungen und Arbeit.“
Viele der Flüchtlinge sprechen mittlerweile gut Deutsch, nahezu alle sind in Sprachkursen oder lernen freiwillig. Erste Erfolge gibt es auch bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen. Deshalb wird nun versucht, gezielt Unternehmen anzusprechen, die Flüchtlingen Praktika, Ausbildungsplätze oder Arbeitsstellen anbieten können und wollen. Aufgrund der schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt stellt zudem die Wohnungssuche die Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung, die die Unterkünfte dann eigentlich verlassen müssten, vor einige Schwierigkeiten.

Der Lechhauser Helferkreis will sich auch diesen Fragen annehmen. Wer helfen möchte, ob bei Wohnungs- oder Arbeitssuche, kann sich per E-Mail an bloechlhans @gmail.com melden.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.