Ortsverein Lechhausen überrascht Augsburger SPD mit eigener Kandidatin

Sibel Altunay. (Foto: Altunay)
 
Margarete Heinrich. Foto blöchl

Kenner der Augsburger SPD sprachen schon länger von einem Rumoren in der Partei. Das Verfahren, mit dem die Fraktionsvorsitzende im Augsburger Stadtrat Margarete Heinrich fast schon als Kandidatin für den Wahlkreis Augsburg – Ost als Nachfolgerin des aus bekannten Gründen zurückgetretenen Linus Förster „ausgerufen“ worden war, fand nicht überall Zustimmung.

Sibel Altunay kandidiert für den Landtag

Ihr Ortsverein Haunstetten hatte sie vorgeschlagen, nachdem Ordnungsreferent Dirk Wurm als Kandidat nicht mehr zur Verfügung stand, schien aber alles auf die Kommunalpolitikerin zuzulaufen. Zu einem internen Termin zur Kandidatenfindung hatte es keine weiteren Vorschläge mehr gegeben. Die Nominierungskonferenz wird im November 2017 stattfinden, die Landtagswahl voraussichtlich im September 2018. Aufgrund der hohen Bevölkerungszahlbedeutet eine Kandidatur in Augsburg im Normalfall einen aussichtsreichen Listenplatz auf der Liste der Partei im Regierungsbezirk Schwaben. Bisher waren stets fast immer zwei Landtagsabgeordnete der Augsburger SPD im Landtag.


Paukenschlag aus Lechhausen

Nach uns vorliegenden Informationen wurde bei der Vorstandssitzung der Lechhauser SPD am vergangenen Mittwoch mit großer Mehrheit Sibel Altunay als weitere Kandidatin für den Wahlkreis vorgeschlagen. Wohl nur durch eine (gezielte?) Indiskretion wurde der Vorschlag jetzt öffentlich, die Partei wurde davon ziemlich überrascht, wie führende Funktionäre es ausdrückten. Die Vorsitzende der Lechhauser Gliederung, Angelika Lonnemann (Mitarbeiterin im Büro der Augsburger SPD – Vorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr) will die Kandidatur aber „nicht als Kampfkandidatur gegen jemand, , sondern als ein alternatives Angebot“ verstehen. „In jeder demokratisch organisierten gesellschaftlichen Einheit dürfen mehrere Bewerber um die Gunst von Delegierten konkurrieren, ohne dass man deswegen Ehre, Kompetenz oder Machtanspruch von anderen Kandidaten in Frage stellt“.

Enttäuscht über die Entwicklung ist Margarete Heinrich: “Natürlich ist es das demokratische Recht zu kandidieren, notfalls auch noch bei der Nominierungskonferenz im November. Ich hätte mir aber erwartet, dass .Sibel sich im Unterbezirksvorstand, dem sie angehört, vorher geäußert hätte!“ Deutlich hebt sie hervor, dass sie sich mit Ulrike Bahr in dieser Bewertung absolut einig ist, „ da passt kein Blatt Papier zwischen uns!“ betont sie. Sie will damit auch gleich Gerüchten entgegentreten, es gäbe Differenzen zwischen ihnen. Sie befürchtet auch „Schaden für die Augsburger SPD“ wegen der Verfahrensweise der Kandidatur.

Ulrike Bahr nimmt schriftlich Stellung: „Die Information über den Personalvorschlag des Ortsvereins Lechhausen für die Nominierung zur Landtagswahl 2018 im Stimmkreis Augsburg-Ost habe ich zur Kenntnis genommen. Innerhalb des Vorstandes der SPD Augsburg, dem auch Sibel Altunay angehört, hatten wir uns darauf verständigt, dass sich Kandidaten im Rahmen einer ausreichenden Frist erklären sollten. Bis zu deren Ablauf hat Margarete Heinrich ihre Kandidatur im Frühjahr bekannt gegeben. Wenn sich jetzt noch einmal Kandidaten melden, so steht dies natürlich jedem Mitglied zu.“ Der Abgeordnete und Kandidat für den Wahlkreis Augsburg – West Harald Güller zeigt sich überrascht über den Zeitpunkt des Vorschlags: “Jetzt laufen die Delegiertenwahlen in den Ortsvereinen, hätte Sibel sich vorher erklärt, hätte sie diese Möglichkeit zur Vorstellung nutzen können!“. Ein Mitglied des Vorstands der SPD in Lechhausen ist erstaunt und auch verärgert, weil „die Information an die Öffentlichkeit zum jetzigen Zeitpunkt klar abgelehnt wurde und zuerst intern entsprechende Informationen erfolgen sollten!“ Sibel Altunay selbst, angesprochen auf die Veröffentlichung: “Ich bin erschrocken, weil es so nicht beschlossen war. Ich sehe auch keinen Kampf zwischen mir und Maggie Heinrich, wir sind beide Genossinnen und kandidieren miteinander. Ich möchte eine faire Bewerbungsphase mit ihr zusammen!“ Die durch die Indiskretion entstandenen Turbulenzen bedauert sie sehr. Ihr ist auch wichtig mitzuteilen: „ Mich hat niemand gedrängt zu kandidieren. Ich selbst bin an den Ortsverein herangetreten!“

Die türkischstämmige Sibel Altunay ist in der Augsburger SPD gut bekannt und verankert. Seit kurzem wohnt sie in Lechhausen. Sie ist Mitglied im Vorstand des SPD-Unterbezirks, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und Mitglied des Bundesvorstandes der Föderation der Sozialdemokratischen Volksvereine (HDF Bed. Sosyaldemokrat Halk Dernekleri Federasyonu). Sie ist verheiratet und hat 3 erwachsene Kinder, jetzt will sie durch ihre Kandidatur vor allem für die Belange von Frauen, Familien und sozial Benachteiligter eintreten.
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