Wanderwege auf dem Müllberg sind geöffnet: Spaziergang auf Augsburgs höchstem Berg

Dieser Blick erwartet die Besucher. Foto Blöchl
 
Diese aufwändige Holzbrücke führt in der Verlängerung des Jagdwegs auf das Gelände. Foto Blöchl
Wo gibt es die beste Aussicht auf Augsburg und die Umgebung? Das war bisher vielleicht auf dem Hotelturm, auch vom Perlachturm kann man die Stadt gut übersehen. Jetzt bietet aber eindeutig die neue Attraktion den herrlichsten Blick. Das neue Naherholungsgebiet um und auf dem Müllberg. 55 Meter hoch erhebt er sich aus der Lech-Ebene zwischen Gersthofen und Augsburg. Man sieht die ganze Stadt, die Kamine und Hochhäuser, den Flughafen und den Lechverlauf, die kleinen Häuschen von „Siebenhäusle“ und die Autobahnbrücke. Ein wirklicher Panoramablick erwartet den Wanderer der zum Gipfel kommt.

Von der Natur zum Müll und wieder zurück

Recycling ist ein Wort, das vor allem im Zusammenhang mit der Abfallentsorgung gebraucht wird. Eine besondere Art von „Recycling“ fand nun hier ihren Abschluss. Natürlich kann dabei die Frage gestellt werden, ob es sich um Recycling im klassischen Sinne handelt. Was früher Natur war, wurde vom Menschen geändert.

Über 7,5 Millionen Tonnen Müll und Abfälle unterschiedlichster Art haben sich zu einem künstlichen Berg getürmt, der sich auf seine durchaus imposante Höhe emporhebt. Die Reste menschlichen Lebens und Handelns waren und sind nicht ungefährlich, deshalb war das Gelände auch über Jahrzehnte nicht zugänglich. Jetzt wird ein Stück „künstlicher“ Natur wieder zur Nutzung für Freizeit und Erholung freigegeben. Mit einem kleinen Festakt übergab Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben das Naherholungsgebiet am Müllberg der Öffentlichkeit. Ab sofort ist es für Spaziergänger und Wanderer mit kleinen Einschränkungen zugänglich. Am Eröffnungstag pfiff zwar ein kalter Wind über den Berg, trotzdem waren viele Interessenten gekommen um sich die neue Attraktion anzusehen.

Von der Müllentsorgung zur Naherholung

Seit 1956 gibt es die Deponie am östlichen Lechufer. Damals zwar nicht unumstritten, aber lange nicht so problematisiert wie dies heute bei ähnlichen Projekten der Fall ist, wurde auf der Deponie Nord über Jahre Müll ziemlich bunt gemischt eingelagert. Manche gesundheitliche Gefahren, die man heute sieht, waren nicht bekannt oder fanden geringe Beachtung.

Die Folgen der früher relativ unkontrollierten Ablagerung waren und sind noch heute zu spüren. So musste die Deponie vor Jahren mit einem Millionenaufwand saniert werden, weil mit dem Grundwasser auch Schadstoffe in den Lech gelangten. Durch die Reaktion der Stoffe im Untergrund bilden sich Gase, die explosiv und teilweise auch giftig sind. Im Inneren herrschen Temperaturen von bis zu mehr als 50 Grad. In den Gasbrunnen, die auf dem Gelände zu sehen sind, werden diese Gase gesammelt und zur Energiegewinnung verwendet.

Gute Kooperation zwischen Nachbarn Augsburg und Gersthofen

Mit dem zunehmenden Umweltdenken änderte sich auch die Nutzung der Deponie. Seit 1994 wird kein Restmüll mehr eingelagert, es wird nur noch Abfallmaterial abgeliefert, dass zur Verfüllung geeignet ist und die Umwelt weniger belastet als früher. 2023 soll dann die Deponie endgültig geschlossen werden.

Bereits 1988 haben die Städte Augsburg und Gersthofen einen „Deponievertrag“ geschlossen, in dem die zukünftig beabsichtigte Nutzung mit Begrünung des Areals geregelt wurde. Darin war eben auch von einer späteren Nutzung als Erholungsgebiet die Rede. Es sollten aber noch Zigtausende Laster mit den Hinterlassenschaften menschlichen Wirtschaftens angeliefert werden, bevor diese Absicht langsam in die Umsetzungsphase gehen konnte. Mit einem Beschluss 2013 wurde die Teilöffnung des Geländes für die Öffentlichkeit beschlossen. Mit einem Vertrag an dem auch der Landkreis Augsburg beteiligt war, wurde das Vorhaben besiegelt. Die Kosten wurden zwischen den beteiligten Parteien aufgeteilt. Rund 760 000 Euro hat die Neugestaltung gekostet, unter anderem musste eine aufwändige Holzbrücke errichtet werden. 4,6 Kilometer Holzzäune wurden aufgestellt, Sicherheitsabsperrungen und Schranken dienen dem Schutz der Besucher.

Wandern auf dem Müllberg: Zwei Zugänge sind möglich

Verschiedene Gutachten wurden angefertigt. Eine Untersuchung ergab, dass sich durch die nach der begonnenen Begrünung gegebene Ungestörtheit auf der Deponie eine vielfältige und schützenswerte Fauna und Flora gebildet hatte. Dem Schutz dieser wieder entstandenen Naturvielfalt wird jetzt Rechnung getragen, indem die Wege eingezäunt sind und nicht verlassen werden dürfen. Auch andere Aktivitäten wie Radfahren, Reiten, ein Feuer machen oder Zelten sind verboten. Auch wegen des Nebeneinanders von erholungssuchenden Besuchern und dem bis auf weiteres in manchen Bereichen noch normalen Betrieb der Deponie waren umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Der Zugang ist an zwei Stellen durch Drehkreuze möglich. Zum einen gelangt man vom Ende des Jagdwegs in der Firnhaberau über die kleine Brücke über die Autobahn. Der zweite Zugang ist auf der Lechseite etwas südlich des Europaweihers in Gersthofen. Die Zugänge sind in den Wintermonaten (Oktober bis März) von 8 bis 16 Uhr und von April bis September von 8 bis 18 Uhr offen. Danach kann man zwar noch heraus aber nicht mehr hinein.
Dem Verdauungsspaziergang von Weihnachtsgans oder Silvesterbuffet auf Augsburgs neuester Attraktion steht nun nichts mehr im Wege.
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