Wie die Stadt Augsburg den Bordell-Boom bekämpft

Augsburg gilt inzwischen als eine "Rotlichthochburg". In einer Industriehalle in Lechhausen plante ein Investor zuletzt ein Bordell mit rund 50 Prostituierten. Mit einer sogenannten Veränderungssperre bremste die Stadt den Investor aus. Foto: Hans Blöchl

Die Anzahl der Bordelle steigt in Augsburg seit einigen Jahren sprunghaft. Der Bauausschuss der Stadt schiebt einer weiteren Zunahme in Lechhausen einen Riegel vor. Ein langfristiges Konzept lässt noch auf sich warten.

Aus einer Wohnung rettete die Augsburger Polizei im vergangenen Jahr eine 16-Jährige. Das Mädchen, das aus Rumänien nach Deutschland gebracht wurde, hatte bereits im Alter von 15 Jahren als Prostituierte arbeiten müssen. Im Rotlichtgewerbe "sind Ausbeutung, Brutalität und Sadismus Realität", stellte Soni Untereithmeier, Leiterin der Augsburger Hilfsorganisation Solwodi, danach fest. Ähnlich sieht dies inzwischen auch die Augsburger Stadtpolitik: Vor einer "Zunahme von Milieukriminalität wie Menschenhandel oder Zuhälterei", warnte am vergangenen Donnerstag Referent Gerd Merkle im Bauausschuss.

Rotlicht-Zentren sind die Stadtteile Oberhausen, Haunstetten und Lechhausen. Letzterer stand im Mittelpunkt der Sitzung des Bauausschusses. Für die Zusamstraße verhängte das Gremium erneut eine sogenannte "Veränderungssperre" und beschloss eine Änderung des Bebauungsplans.

In jenem Straßenzug im Lechhauser Gewerbegebiet hatten sich in den vergangenen Jahren mehrere ehemalige Bürogebäude und Betriebswohnungen in Bordelle verwandelt. Bereits vor zwei Jahren reagierte die Stadt daher mit einer Veränderungssperre. Diese läuft nun aus. Eine Verlängerung um ein Jahr soll verhindern, dass sich weitere Sex-Betriebe im Gewerbegebiet ansiedeln.

"Bordellhochburg" Augsburg

Veränderungssperren und die Änderung einzelner Bebauungspläne sind allerdings Instrumente, die lediglich kurzfristig und punktuell wirken. Um den Wildwuchs im gesamten Rotlichtgewerbe einzudämmen, plant die Stadt ein "Bordell-Strukturkonzept". Denn, so Merkle, "neue Angebote und die damit verbundenen Niedrigpreise verursachen eine Sogwirkung auf Freier weit über die Region hinaus". Augsburg laufe Gefahr, "in der öffentlichen Wahrnehmung eine Bordellhochburg zu werden".

Doch das Konzept, das die Verwaltung bereits bis Ende 2015 dem Stadtrat vorlegen wollte, lässt noch auf sich warten. Im Februar 2014 hatte der Stadtrat den dazugehörigen Grundsatzbeschluss gefasst. Ein externes Planungsbüro wurde beauftragt, das Strukturkonzept unter Berücksichtigung von "ordnungsrechtlichen, kriminalpräventiven und städtebaulichen" Faktoren zu erstellen. Zufrieden mit dem vorläufigen Ergebnis ist die Stadtverwaltung offenkundig aber noch nicht. "In Bezug auf die Umsetzbarkeit bedarf es seitens der Verwaltung einer erheblichen Überarbeitung", resümierte Merkle. Im Mai soll das Konzept nun endlich dem Bauausschuss vorgelegt werden.
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