Kopfnuss gegen Rettungssanitäter am Oberhauser Bahnhof - Augsburger Gericht verurteilt renitenten Gaffer

Die beiden Angeklagten haben sich nur mit den Rettungssanitätern, sondern auch mit der Polizei angelegt. (Foto: gkphotoart2013, 123rf.de)

Zu einem Großeinsatz der Polizei kam es am 9. November 2016, als eine Gruppe am Oberhauser Bahnhof zwei Rettungssanitäter während eines Einsatzes belästigten. Ein Mann griff schließlich einen der Helfer an - die Situation eskalierte. Am Donnerstag mussten sich die beiden Hauptangeklagten vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.

Gegen 12.45 meldete ein Anrufer der Notrufzentrale einen Anruf, dass zwei Drogenkonsumenten am Vorplatz des Oberhausener Bahnhofs bewusstlos zu Boden fielen. Die anwesenden Menschen, zum größten Teil ebenfalls Drogen- und Alkoholsüchtige, gerieten in Panik und fingen an zu schreien, als sie dies mitbekamen. Kurze Zeit später trafen die Rettungsassistenten ein und versorgten die Bewusstlosen.

Auch der Besitzer des Bahnhofskiosks wurde auf das Geschrei und die versammelte Menschenmenge aufmerksam und begab sich dorthin. „Normalerweise kommt jede halbe Stunde etwas vor. Das ist am Helmut-Haller-Platz nichts besonderes“, teilte der Kioskbesitzer vor Gericht mit. „Aber dieses Mal schien es etwas Ernsthaftes zu sein.“

Frau spuckt Filmer ins Gesicht

Währenddessen filmte ein weiterer Angestellter des Kiosks das Vorgehen der Notärzte. Als eine Frau aus der Gruppe - eine der beiden Hauptangeklagten - ihn darauf aufmerksam machte, nicht zu filmen, der Angestellte ihre Aufforderung aber ignorierte, spuckte die Frau ihm mehrmals ins Gesicht.

Ein weiterer Mann, der Angeklagte, filmte ebenfalls, wie einer der beiden Bewusstlosen im Krankenwagen behandelt wird. Ein Zeuge sagte vor Gericht: „Er schrie laut und deutlich ‚Ich filme euch alle!‘“. Der behandelnde Rettungsassistent wollte eine mögliche Videoaufnahme von ihm vermeiden und ging deshalb auf den Mann zu und versuchte dabei mit ausgestrecktem Arm die Linse zu verdecken. „Wenn der Angestellte das Geschehen filmen darf, wieso darf ich dann nicht filmen?“, rechtfertigte sich der Angeklagte gegenüber der Richterin.

Filmender Gaffer verpasst Rettungssanitäter eine Kopfnuss

Er habe sich durch die Reaktion des Rettungshelfers angegriffen gefühlt und gab diesem eine Kopfnuss gegen sein Kinn, räumte er ein. Das Opfer beschwichtigte später in seiner Aussage, es habe durch den Kopfstoß lediglich eine "pelzige Lippe erhalten". Es kam anschließend zu einem Gerangel der beiden Männer, beide wälzten sich auf dem Boden umher. Das löste eine Eskalation aus. Nun wurden auch die mittlerweile eingetroffenen Polizeibeamten attackiert.

Die Angeklagte, deren Kumpel von einem der Polizisten einen Platzverweis erhalten hatte, ging auf drei Beamte los. Dabei stieß sie einer der angegriffenen Polizisten zu Boden und versuchte, ihr Handschellen anzulegen, woraufhin sich die Angeklagte mit Gewalt wehrte. Der Angeklagte beleidigte die Polizisten, doch kurze Zeit später konnte auch er beruhigt und gefesselt werden.

Mildes Urteil wegen Drogenabhängigkeit

Unter der Berücksichtigung von Gesichtspunkten, wie die psychische Instabilität beider Angeklagter, verursacht durch über 20-jährigen Drogenkonsum, dem Gesundheitszustand und der sozialen Lage wurde gegen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung und gegen die Angeklagte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 15 Euro verhängt.
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