100 Jahre Eingemeindung Kriegshaber

Zur Zeit der Eingemeindung war die heutige Kriegshaberstraße nur ein staubiger, ungeteerter Weg. Doch die Ansicht dieses charakteristischen Gebäudes "Am Berg" lässt keinen Zweifel am Ort zu. Foto: Archiv


Vor genau 100 Jahren - am 1. April 1916 - kam mit der Eingliederung Kriegshabers das Augsburger Eingemeindungskarussell zum Stehen. Im Gegensatz zur Gebietsreform der 1970er Jahre - als Göggingen, Haunstetten, Inningen und Bergheim unter lautem Protest zu "Zwangs-Augsburgern" wurden - geschahen die "Einverleibungen" der Jahre 1910 bis 1916 recht ruhig.

Sechs Gemeinden

Es war fast eine verkehrte Welt: Neben der Meringerau - ab 1. Juli 1910 in Siebenbrunn umbenannt - klopften Oberhausen, Pfersee, Lechhausen, Hochzoll und Kriegshaber selbst bei Augsburg an und beantragten sozusagen die Auflösung ihrer kommunalen Eigenständigkeit.

Leere Kassen
in Augsburg

Die Gemeindekassen waren gähnend leer, hohe Schulden standen zu Buche und den Anforderungen des Gesundheits-, Schul- und Armenwesens konnte nicht mehr nachgekommen werden. Die Freude in Augsburg über das Anliegen der Eingemeindungskandidaten hielt sich in Grenzen. Doch trotz allem: Die Augsburger konnten zufrieden sein. Die Einwohnerzahl stieg von 102 037 auf respektable 148 725 und die Stadtfläche wuchs auf 8 618 Hektar. Augsburg war jetzt endlich wer im erlauchten Kreise der Großstädte des Reichs. Flächenmäßig überflügelte nun die Stadt am Lech sogar die Reichshauptstadt - wenigstens bis 1920, als Groß-Berlin geschaffen wurde.

Endlich konnte mit dem Zuwachs von Lechhausen und Hochzoll auch die lästige Lechgrenze überwunden werden. Mit Lechhausen erhielten die Augsburger auch einen recht dicken kommunalen Fisch: Mit 19 055 Einwohnern und gleich 2 794 Hektar Gemeindefläche - darüber hinaus sogar mit dem Stadtrecht versehen - war es ein echter Zugewinn. Die Trinkwasserbrunnen im Süden kamen unter städtische Regie.

Viel mehr Fläche

Augsburg war damals also gut beraten, den Eingliederungsanliegen der sechs "kommunalen Kollegen" zu entsprechen. Auch wenn anfangs der Herr Stadtkämmerer ziemlich sauer war. Doch gerade die erheblich vergrößerte Stadtfläche bot neue Perspektiven, die - durchaus zum Vorteil der ganzen Region - von den Augsburgern genutzt wurden. (Münzenrieder)
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