Augsburger Wanderhüne: 1500 Tonnen schweres Tunnelteilstück wird verschoben

Ein 1500 Tonnen schweres Tunnelteilstück ist gestern Morgen am Augsburger Hauptbahnhof in Position geschoben worden. Aus dem Bett wird es jedoch keinen Anwohner gerissen haben – derart ruhig und reibungslos verlief die elf Meter weite Reise des grauen Giganten. Auch deshalb ist der Vorgang beeindruckend.

Krachen, scheppern oder zumindest rumoren muss es doch bitteschön, wenn ein Betonklotz von 1500 Tonnen wandert. Nichts dergleichen ist am Augsburger Hauptbahnhof zu vernehmen. Geschmeidig gleitet es dahin, das Tunnelsegement, so hoch und so breit, dass man darin wohl problemlos eine Interimsspielstätte fürs geschlossenen Augsburger Theater hätte einrichten können.

20 Meter breit, zehn Meter lang und ebenso hoch, schwerer als 20 voll besetzte Straßenbahnen: Dieses enorme Teilstück des Augsburger Straßenbahntunnels wurde gestern in den Morgenstunden mit hydraulischen Pressen um über elf Meter in Position geschoben. „Aus Platzgründen konnte das Segment nicht an Ort und Stelle betoniert werden“, erklärt Stadtwerke-Pressesprecher Jürgen Fergg.

Daher wurde es in den vergangenen Wochen in der offenen Baugrube erstellt und erst jetzt unter die Gütergleise gedrückt. Dafür wurden ab Donnerstagabend zwei 24 Meter lange und jeweils 60 Tonnen schwere Behelfsbrücken ausgebaut und damit die Gleise unterbrochen.

Die Bewegung des grauen Giganten über die Stahlschlitten mit Teflonkissen ist auch für das Auge nicht wahrnehmbar. Zentimeter für Zentimeter bahnt er sich seinen Weg über die Baustelle. Ein einziger Arbeiter genügt, um das Monument voranzubringen. Der kräftige Mann steht an einem vergleichsweise winzigen Pult im kolossalen Hohlraum, drückt Knöpfe, betätigt ein paar Hebel und frotzelt nebenbei die Kollegen – alles easy – den Rest erledigen schließlich die beiden Pressen, die er am Pult in Gang setzt.

Währenddessen klopfen ab und an Männer mit einem für Arbeiten dieser Dimension kleinen Hammer weitere Stahlelemente präzise zwischen Presse und Bauteil ein. Ansonsten sehen die Helmträger in den grell-orangenen Westen alle durchaus entspannt aus. Beinahe so als sei es Routine, eben mal 1500 Tonnen Beton passgenau in einer Lücke zu platzieren.

Doch der Eindruck täuscht. „Man kann sich vorstellen, dass dabei alle Arbeitsabläufe wie am Schnürchen nacheinander klappen müssen, sonst können wir die Zeit nicht halten“, erläutert Stadtwerke-Projektleiter Dietmar Orwat. „Wir sind jedenfalls froh, dass wir diesen, im wahrsten Sinn des Wortes, großen Meilenstein für das Bahnhofsprojekt an Ort und Stelle haben“, sagt Orwat.

Das Tunnelstück ist Teil des rund 130 Meter langen Tunnelbauwerks samt 160 Meter langer Wendeschleife für den künftigen Straßenbahntunnel unter dem Augsburger Hauptbahnhof. Nachdem im vergangenen Jahr eine bis zu 14 Meter tiefe Baugrube von der Rosenaustraße bis zum Personenbahnhof ausgehoben wurde, laufen seit Jahresbeginn die Arbeiten für das Tunnelbauwerk.

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