Bei den Fischen tanzen: PETA versus ROFA - ein Streit um ein Aquarium in einer Disco

Lebende Deko: PETA fordert, dass die Geschäftsführung der Rockfabrik auf ihr Aquarium verzichtet. Die Haltung in einer Diskothek sei für die Fische nicht artgerecht. Symbolbild: vapi/123rf.com

Egal ob Goth Rock, Dark Wave, Industrial oder Neue Deutsche Härte, seit 1986 wird es in der Augsburger Disco "Rockfabrik" vor allem eins: laut. Das Aquarium des Clubs geriet nun in den Fokus der Tierschutzorganisation PETA, da die Fische unter extremer Dauerbelastung durch Musik und Gäste leiden würden. Die Geschäftsführung will sich von der Lebenddeko allerdings nicht trennen.

"Wir appellieren an die Geschäftsführung, die Fische schnell umzusiedeln oder zumindest die Fischhaltung auslaufen zu lassen", erklärt Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. Man habe sich vor Ort ein Bild von der Situation gemacht und festgestellt, dass die Fische empfindlich auf das Einschalten der Musik reagiert hätten. Ein Tier sei zusätzlich auf einem Auge blind, verursacht vermutlich durch das Blitzlicht von Kameras, heißt es in der Pressemitteilung der Tierschutzorganisation. PETA habe der "Rockfabrik" im Anschluss angeboten, die Umquartierung der Fische zu übernehmen und schwimmende Roboterimitate als Ersatz für das Aquarium zur Verfügung zu stellen. Die Geschäftsführung lehnte das Angebot allerdings ab. Um die Fische würde sich gut gekümmert, zudem stünde das Aquarium im Eingangsbereich der Discothek und die Fische seien der Musik nicht direkt ausgesetzt, begründet Geschäftsführer Markus Höltl seine Entscheidung.

Auch das Augsburger Veterinäramt teilt diese Einschätzung. "Das besagte Aquarium befindet sich im Eingangsbereich und wird dort unserer Kenntnis nach weder extremer Lautstärke noch 'bewegtem Licht' ausgesetzt", heißt es in einem Statement.

Das Verbot von Aquarien in der Nähe von Barbereichen oder Tanzflächen sei grundsätzlich sinnvoll, in diesem Fall habe das Amt allerdings nichts zu beanstanden. Das sei bei einer Kontrolle der "Rockfabrik", als Reaktion auf die PETA-Anzeige, erneut bestätigt worden, auch bei laufendem Betrieb hätten "keine Verstöße hinsichtlich Lautstärke und Vibration" festgestellt werden können.

Meinungsverschiedenheiten gibt es auch bei den Besuchern der "Rockfabrik". Auf dem Facebook-Account des Clubs schreibt eine Nutzerin: "Aquarienfische haben in einer Disco nichts zu suchen!" und appelliert an die Betreiber, die Fische wegzugeben. Auch Tierfreunde sollten die "Parties unbeschwert genießen" können. Eine andere Besucherin argumentiert hingegen: "Die Fische befinden sich am Eingangsbereich, hier ist die Musik also auch kaum zu hören". Sie sei Stammgast des Augsburger Clubs und sicher, dass die Fische in ihrer "Lebensart" nicht beeinträchtigt würden. "Da schließ ich mich an", pflichtet ihr ein anderer Nutzer bei.

Die Fische werden vorerst in der "Rockfabrik" verbleiben, nach der Einschätzung des Veterinäramts liegen keine Beweggründe für ein Verbot des Aquariums vor. PETA hält die Fischhaltung hingegen für "nicht tiergerecht". Die Organisation will ihr Angebot gegenüber der Geschäftsleitung deshalb auch weiterhin aufrechterhalten und sich gegebenenfalls weitere Schritte überlegen, sollte die Rockfabrik nichts hinsichtlich des Aquariums unternehmen.

Bei den Besuchern gibt die Mehrzahl allerdings der Geschäftsleitung recht: "Ich denke den Fischen geht es hier gut", schreibt eine "Rofa"-Gängerin, "Tierfreunde können die Parties also sicherlich ohne Bedenken genießen". (Helene Kuhn)
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