Betreutes Trinken für den Oberhauser Bahnhof

Für die Alkoholiker- und Drogenszene am Oberhauser Bahnhof könnte ein spezieller Treffpunkt eingerichtet werden. (Foto: David Libossek)

Der Oberhauser Bahnhof soll entlastet werden. Dafür könnte ein Treffpunkt für Süchtige eingerichtet werden. Dem Konzept stehen einige Stadträte jedoch sehr skeptisch gegenüber.

Es dauerte einige Zeit, bis Diana Schubert all die Maßnahmen der Stadt am Oberhauser Bahnhof aufgezählt hatte. Vieles habe man in den vergangenen Jahren versucht - so die Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rates im städtischen Allgemeinen Ausschuss in der vergangenen Woche - um die Alkoholiker- und Drogenszene in den Griff zu bekommen. Kontrollen durch den Ordnungsdienst und die Umsiedlung der Szene hinter das Bahnhofsgebäude hätten die Situation zuletzt "etwas entspannt".

Mit einem speziellen Treffpunkt für die Süchtigen könnte, den Worten des Ordnungsreferenten Dirk Wurm zufolge, nun "ein neuer Weg" gegangen werden. Nach dem Vorbild Dortmund und Kiel solle eine Einrichtung geschaffen werden, in der "Alkoholkonsum erlaubt ist, aber unter Beobachtung", erklärte Schubert - und zählte den Stadträten auch gleich die Eckdaten des Konzepts auf: Betreuung durch Sozialarbeiter, sanitäre Anlagen, Beratungsangebote, niedrigschwelliger Zugang zu Hilfesystemen. Der Standort müsse zudem nicht direkt am Helmut-Haller-Platz sein. "Wichtig ist, dass er im Umfeld des Oberhauser Bahnhofs liegt."

"Mit uns wird es keine Trinkerstube geben"

Einige Stadträte schmetterten das Konzept jedoch harsch ab. "Mit uns wird es keine Trinkerstube geben", machte Peter Schwab (CSU) deutlich. Es sei "kein Geld da" und "die Anwohner machen das auch nicht mit". In Dortmund und Kiel habe man von Anfang an die Nachbarschaft miteinbezogen, entgegnete Schubert. Dadurch sei dort Akzeptanz bei den Anwohnern geschaffen worden. Die Kosten in Dortmund: 80.000 Euro jährlich.

"Wir können die Leute nicht in einen Raum zwingen. Sie sind gewohnt, frei zu sein", sagte SPD-Stadtrat Dieter Benkard aus Oberhausen, der die Szene gut kennt. Schwab befürchtete dagegen eine Vergrößerung der Szene. "So eine Trinkstube zieht doch noch mehr Leute an", kritisiere er. Um "eine Trinkerstube" gehe es doch gar nicht, fuhr ihm wiederum Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) in die Parade. Referentin Schubert hätte ja nicht umsonst von einem "Treffpunkt" gesprochen. "Wir müssen uns 'mal klar werden, was wir wollen. Wenn wir den Platz entlasten wollen, dann haben wir hier ein Konzept."

"Ich verstehe, dass einige skeptisch sind", versuchte Ordnungsreferent Dirk Wurm zu vermitteln. Es gehe aber "nicht um eine Beseitigung der Szene, sondern um eine Entlastung". Genaue Pläne dafür gibt es aber noch nicht. Diana Schubert und ihre Kollegen in der Verwaltung sollen nun bis Dezember ein konkretes Konzept erstellen, das dann dem Ausschuss vorgelegt werde soll.
0
1 Kommentar
9
Markus Frowein aus Augsburg - City | 15.10.2015 | 02:29  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.