Demenz braucht Ehrenamt .

Ulrike Bahr im Gespräch mit Hausbewohnern. Foto Blöchl
 
Hinten v.l. Angela Steinecker, Ute Conrad, Katrin Gunkel, Anna Rasehorn, Herber Steierer, Claudia Zerbe .vorne 2.v.r. Ulrike Bahr Foto blöchl

Fachgespräch im Christian-Dierig-Haus


„Wir Politiker tragen Verantwortung, Gutes anzuerkennen und wertzuschätzen. Dies möchte ich heute mit dieser Veranstaltung tun“, sagte die Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr bei der Begrüßung der Gäste beim Fachgespräch „Demenz braucht Engagement – Ehrenamt im Pflegeheim“. Im AWO Seniorenzentrum im Christian-Dierig-Haus, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen schon seit Jahren optimal. Für ihre Arbeit wollte die Abgeordnete sich Informationen und Anregungen holen. Gäste der Veranstaltung waren neben den beiden Pferseer Stadträtinnen Angela Steinecker und Anna Rasehorn auch Ute Conrad, die im Christian-Dierig-Haus die Ehrenamtlichen organisiert und Claudia Zerbe, Projektleiterin des KompetenzNetzes Demenz Augsburg. Aber auch Bewohner des Heimes schilderten den Alltag und die Bedeutung der Hilfe durch die ehrenamtlichen Helfer.

Im Christian-Dierig-Haus werden rund 130 pflegebedürftige Menschen in 11 Wohngruppen betreut. Rund 40 Ehrenamtliche arbeiten dort mit, sie kümmern sich um Demenzkranke, chronisch Kranke oder andere Pflegebedürftige, berichtete die Leiterin der Einrichtung, Katrin Gunkel. „Ich bin hier ein bisschen das Mädchen für alles“, berichtete etwa Elke Pflittner, eine pensionierte Konrektorin. Sie wohnt fußläufig entfernt und kommt wöchentlich ins Christian-Dierig-Haus, um ehrenamtlich mitzuhelfen. Sie gibt Bewohnern Essen ein, die nicht mehr selbst essen können, sie räumt die Spülmaschine aus, sie spricht mit den Bewohnern, geht mit ihnen in den Hof, wo die Bäuerin mit ihrem mobilen Laden Gemüse verkauft, und vieles mehr. „Ich empfinde jeden Donnerstag eine große Befriedigung. Es macht Spaß und ich fühle mich gut, weil ich Sinnvolles tue“, so Elke Pflittner.

Auch Herbert Steierer macht seit acht Jahren in der Geronto-Wohngruppe „alles vom Kochdienst bis zur Seelsorge“, er vertritt die Anliegen der Bewohner im Heimbeirat und lobt das familiäre Miteinander in den Wohngruppen. Ihm ist es zu verdanken, dass Bewohner, Mitarbeiter und Gäste jedes FCA-Spiel im großen Saal sehen können. „Da jubeln dann viele in FCA-Kluft, sogar der Briefträger kommt regelmäßig mit seinem Freund zum Fußball-Schauen“, erzählt er.
Claudia Zerbe betreut ein Team von 20 Demenzpaten in der Stadt Augsburg. Sie berichtet, dass die Arbeit mit Ehrenamtlichen naturgemäß schwierig sei, da die Ehrenamtlichen jederzeit aufhören können und bei Konflikten einfach gehen. „Aktuell habe ich ein sehr verlässliches Team, da bin ich sehr dankbar“, so Zerbe. Sie organisiert auch Werbung für das Bürgerschaftliche Engagement in der Demenzhilfe in den Stadtteilen, besucht beispielsweise auch Schulen. „Manchmal laufen da Schüler weinend raus, weil sie feststellen, dass ihre Großeltern betroffen sind. Oft wird da in den Familien gar nicht darüber gesprochen“.

Ute Conrad organisiert das Ehrenamt im Christian-Dierig-Haus. „Wir breiten den Freiwilligen, die hier mithelfen wollen, einen roten Teppich aus. Sie bringen Zeit mit, das ist ein ganz wertvolles Geschenk. Bei einer Führung durchs Haus merken die meisten schon, in welche Wohngruppe es sie zieht“. Jeder Ehrenamtliche ist über den Träger versichert, auch bei gemeinsamen Ausflügen. Conrad organisiert auch Studenten, die pro Semester 40 ehrenamtliche Stunden absolvieren. „Damit sind dann Ausflüge mit Dementen, etwa zum Plärrer, möglich. Wir haben dann eine 1-zu-1-Betreuung, das ist toll“, so Conrad.

Katrin Gunkel, die Leiterin des Christian-Dierig-Hauses, berichtet von den großen Gefühlen, denen man in der Arbeit mit Dementen begegnet. „Demente Menschen sind immer ehrlich, die können sich nicht verstellen. Da bekommt man ganz viel zurück an Dankbarkeit und Freude“. Gunkel geht an Weihnachten nicht mehr in den Gottesdienst, sondern ist in ihrem Haus. Hier singt ein kleiner Chor von Ehrenamtlichen Weihnachtslieder für Bewohner, die nicht bei ihren Familien sein können. "Das sind für mich die schönsten Momente an Weihnachten", sagt Katrin Gunkel.
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