Der Kriegshaber "Franzosenhof"

So sah der "Franzosenhof" noch 1940 aus. Foto: Angelika Prem


Etwas versteckt findet man in der Ramsbergstraße ein stattliches Anwesen mit mehreren verbundenen Gebäuden, den sogenannten "Franzosenhof". Man kann es sich heute nur noch bedingt vorstellen: Früher war es einmal ein schlossähnlich angelegtes Gut mit Herren- und Gesindehaus, "Stadel" Schlacht- und Waschhaus. Auch ein Park mit einem Gartenhaus und ein Weiher gehörten dazu.

Immer wieder wurde gemutmaßt, dass der Franzosenhof um 1780 von Hugenotten errichtet worden sei. Vermutlich ist es eher so, dass das Anwesen von dem erfolgreichen Bankier Jakob Friedrich Schmid (1777 bis 1824) nach seiner Eheschließung 1806 erbaut wurde. Der Name "Franzosenhof" lässt sich wohl allein auf die Mansardendach-Bauweise zurückführen - nicht auf hugenottische Immigranten, einquartierte Napoleonische Soldaten oder gar den später dort untergebrachten französischen Weinhandel.

Im Jahre 1834 ging das Anwesen über in die Hände des Chirurgen und Gemeindevorsitzenden von Kriegshaber, Georg Schärtl, der dort eine Schnapsbrennerei installierte und wissenschaftliche sowie landwirtschaftliche Forschungen betrieb. Schärtls Sohn soll im Weiher Blutegel zu Heilzwecken gezüchtet haben. Über viele Jahre hinweg war der Franzosenhof, dieses Schmuckstück Kriegshabers, fast in Vergessenheit geraten. Erst nach und nach kommt das schöne Anwesen vielen wieder ins Bewusstsein.

Christian Kreikle

Aus dem Buch "Kriegshaber in Bildern. Am Straßenrand der Weltgeschichte", erscheint im Wißner-Verlag, April 2016
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.