Der Treff ohne Haus feiert 10.Geburtstag.

Sie freuen sich mit Claudia Zerbe (2.v.r.) über den Erfolg des MGT. v.l. Kathrin Gunkel, Gertrud beh, Carl E. Ricé. Foto Blöchl
 
"Orient trifft Okzident" - eine Modenschau der Generationen und der Epochen. Foto Blöchl

Auch ohne feste Unterkunft ist der Mehrgenerationentreff Pfersee im Stadtteil präsent.

Das Augsburger Modell der Mehrgenerationenhäuser, der vom damaligen SPD – Sozialreferenten Konrad Hummel initiierte sog. „Augsburger Stern“, hat ja verschiedene Eigenheiten. Da ist zum einen die Tatsache, dass es in der Stadt nicht eines oder zwei große Häuser als Treffpunkte gibt, sondern 12 MGT’s über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Neben der Zentrale in der Stadtbücherei gibt es unter anderem die Mehrgenerationentreffs in Kriegshaber, dem Bärenkeller und Pfersee. Alle werde mit geringfügig beschäftigen Kräften, angestellt bei unterschiedlichen Trägern geführt. In Pfersee ist die Arbeiterwohlfahrt die Organisation, an die das MGT angebunden ist. Wikipedia definiert den MGT so: “Der nicht geschützte Begriff Mehrgenerationenhaus bezeichnet ein Haus oder Gebäude, das generationenübergreifend als Wohnraum oder offener Treff genutzt wird“.

Besondere Besonderheit in Pfersee

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In Pfersee gibt es in diesem Modell noch einmal etwas ganz anderes. „Wir sind quasi „obdachlos!“ meint die Leiterin Claudia Zerbe beim Treffen zum Jubiläum. Es gibt keinen festen Anlaufpunkt im Stadtteil. die Aktivitäten werden in den verschiedensten Einrichtungen über den Stadtteil verstreut angeboten. „Das ist aber eher eine Stärke unseres Konzepts!“ meint Zerbe. „So ist die Vernetzung im Stadtteil automatisch gegeben, weil man miteinander kommunizieren muss!“ Der Anspruch, generationenübergreifende Angebote zu machen wird trotzdem umgesetzt.
Oft trifft man sich im Christian – Dierig – Seniorenzentrum. Das dortige Café AndersWO ist Treffpunkt für verschiedenste generationenübergreifende Angebote. Derzeit werden dort bei einem monatlichen Gesprächskreis aktuelle politische und gesellschaftliche Themen diskutiert. Gertrud Beh, ehemalige Schulrektorin und jetzt Bewohnerin des Heimes weiß das Angebot zu schätzen, „ Der gedankliche Austausch, das Zusammentreffen unterschiedlicher Menschen hilft mir und uns ungemein!“ Es gibt einen Kurs mit Hilfen für Smartphonenutzer, ein Tanztee oder ein Spielenachmittag stehen ebenfalls im Angebot. Kathrin Gunkel, die Leiterin des Dierig – Hauses, betont, wie wichtig die Angebote des MGT für die Bewohner des Hauses sind, „ sie bekommen dadurch Abwechslung und auch Verbindung nach außen!“ Ein wegeisendes Vorhaben war und ist das Projekt U 7 – Ü 70“, wo Kinder aus Kindergärten gezielt mit Senioren zusammentreffen, miteinander singen oder spielen.

Jung hilft alt bei der Technik.


Moderne Technik und Kommunikation stellten und stellen noch einen Schwerpunkt im Angebot des MGT dar. Handykurse, die Jugendliche aus dem Jugendzentrum Linie 3 für Senioren anbieten fanden teilweise im Jugendzentrum statt. Die Seniorinnen bedankten sich dann mit einem Häkelkurs, der überraschen gut angenommen wurde, gelebte Mehrgenerationenhilfe. In der Centerville – Grund- und Mittelschule finden viele PC – Kurse statt. Und der Bedarf ist enorm – die Kurse sind meist binnen kürzester Zeit ausgebucht. Sich in das Leben der anderen Generation versetzen findet auch in einem anderen statt. Beim alljährlichen Parkfest im Schlösslepark lernen Jugendliche, übrigens sehr begeistert, den Alltag älterer Menschen bei der „Rollstuhlrallye“ kennen.

Kultur als wichtiges Bindeglied der Generationen.


Alles aufzählen was in den 10 Jahren passiert ist? Claudia Zerbe kommt selbst ins Nachdenken, „es war so viel“. Sie erzählt von den Begegnungen einer jüdischen Jugendgruppe mit deutschen Senioren („hoch spannend und nicht konfliktfrei!“), einer generationsübergreifenden historischen Modenschau „Orient trifft Okzident!“ und nach und nach fallen ihr viele andere Projekte ein, die entstanden, wieder eingeschlafen sind oder auch heute noch weiter existieren. Carl E. Ricé, Erzählkünstler und Autor und Mitarbeiter der ersten Stunde deckt viele Facetten im kulturellen Bereich ab. Lange gab es das Café Poesie, bei dem sich Literatur- und Kunstinteressierte in unterschiedlichen Cafés in Pfersee trafen. Eine Lesung im Kaufhaus Konrad zwischen Kleiderständern ist in Erinnerung. Das Poesiecafé ist eingeschlafen, quicklebendig ist dagegen der Poesiebrunch, ein gemeinsames Kind von Ricé und Zerbe. Einmal im Monat trifft man sich jetzt im Abraxas, um Texte zu lesen, Gedichte zu rezitieren und darüber zu diskutieren. Ein einmaliges Format, das seinen festen Platz im Angebot des Kulturzentrums hat.

Und, und. und…


„Der Anspruch, Brücken zwischen den Generationen zu bauen muss immer wieder neu mit Inhaltr gefüllt werden“ sagt eine durchaus stolze Leiterin. Es gibt noch viele Ideen, manche scheitern an den Finanzen, manche an den fehlenden Räumlichkeiten. Aber vieles wurde und wird realisiert, manchmal mit viel vor allem ehrenamtlichen Einsatz. Improvisation ist gefragt, aber durch die Vernetzung im Stadtteil ist manches möglich, was sonst viel Geld und Zeit erfordern würde. Claudia Zerbe hat einen Wunsch zum Abschluss: „ Noch sind wir immer noch Projekt, d.h. abhängig von Fördermitteln des Bundes und des Landes. Eigentlich haben wir bewiesen was wir leisten! Deshalb wäre eine feste Verankerung, auch im städtischen Haushalt, eine große Anerkennung für uns und unsere Arbeit!“
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