Diskussion um Straßenbahn 5: Nicht alle Anwohner sind auf Linie

Die Proteste der Bürgeraktion an der Hessenbachstraße scheinen sich nun auszuzahlen. Lauten Triumph will man trotzdem nicht. Foto Blöchl
 
Bis zum Tunnelausgang an der Rosenaustraße ist man sich mittlerweile fast einig, danach beginnen die Diskussionen über die "richtige" Linienführung der Straßenbahn. Foto Blöchl

Geplante Führung durch die Holzbachstraße befriedigt nicht alle.


Die ziemlich überraschende Wende von Stadt und Stadtwerken, die neue Linie 5 nun doch durch die Holzbach- und nicht wie beabsichtigt durch die Hessenbachstraße zu führen, sorgt erwartungsgemäß für Diskussionen. Einige der Betroffenen sind froh über die Wiederaufnahme der Planung, andere sehen sie eher kritisch.

Nahezu bestätigt sieht sich die Bürgeraktion Pfersee mit ihrem Vorsitzenden Dietmar Egger. „Wir schlagen sicher noch kein Ei darüber, bisher ist die Holzbachstraße ja auch nicht als neue Vorzugsvariante beschlossen,“ sagt Egger vorsichtig optimistisch zum angedeuteten Strategiewechsel. „Wir würden es aber als späte Würdigung der Bürgerwerkstatt Go West verstehen, wenn deren erstklassiges Ergebnis nun auch im Planfeststellungsverfahren prominent verankert würde.“ Die Bürgeraktion hatte in den vergangenen Monaten viele Aktionen gegen die geplante Straßenführung in der Hessenbachstraße organisiert.

Egger ist beim Ortstermin zwar durchaus Genugtuung anzusehen, lauten Jubel gibt es aber nicht. Seiner Meinung nach hat die wieder aufgenommene Variante viele Vorteile für die Stadt und die Bürger: unter anderem werde durch die Variante Holzbachstraße das Rosenauviertel an den ÖPNV angebunden, verkehrliche Brennpunkte (vor allem die Kreuzung Rosenau/Pferseer Straße) entschärft, das Thelottviertel städtebaulich aufgewertet, die wertvolle Wertachaue weitestgehend verschont und die Allee in der Rosenaustraße unbeschadet bleiben. Zudem würden die Finanzen der Stadt durch den Wegfall der Entlastungsstraße geschont.
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Sprechers des Bürgerforums Rosenau- und Thelottviertel, Andreas von Mühldorfer, ein. Bei einer CSU-Veranstaltung äußerte er sein Unverständnis, dass die Bürgeraktion Pfersee die Vorzüge einer Trassierung in der Holzbachstraße anpreise. Eine Trassenführung durch die Holzbach- und auch durch die Hörbrotstraße lehne er strikt ab. Mühldorfer brachte eine Trassenführung der Linie 5 über die Rosenaustraße beziehungsweise die Deutschenbaurstraße ins Gespräch. Beklagt wird auch, dass viele Parkplätze wegfallen würden. Die Entlastungsstraße entlang des Bahnkörpers müsste auf jeden Fall kommen, weil die Rosenaustraße schon jetzt überlastet sei.

Die Grüne Stadtratsfraktion indes zeigte sich erfreu über die mögliche Linienführung durch die Holzbachstraße. Cemal Bozoglu, verkehrspolitischer Sprecher, sieht in der Variante Hessenbachstraße „neben dem massiven Widerstand der Bürgerinnen und Bürger, in den letzten Monaten auch fachliche und technische Probleme, über die der Stadtrat nicht hinwegsehen kann“. Die Grünen unterstützen den Vorschlag, in der Holzbachstraße ein Gleis möglichst naturverträglich im Grünbereich und das andere Gleis im jetzigen Straßenraum zu platzieren. „Die Trasse über die Hessenbachstraße ist durch die Umfahrung der Ackermannbrücke sicherlich die rein finanziell günstigere Variante, jedoch müssten dort extrem viele Bäume fallen, die Habitate von Fledermäusen sind“, sagt Stephanie Schuhknecht, stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Der Naturschutzbeirat hatte sich 2014 deshalb für die Variante durch die Holzbachstraße ausgesprochen. Dass dort auch Bäume gefällt werden müssen, ist für Dietmar Egger zwar nicht schön, der Schaden sei aber viel geringer als auf der anderen Seite der Wertach.

Kommentar: Politik ist die Kunst des Machbaren


Für den Stadtrat und die Stadtwerke wird die endgültige Entscheidung sicher nicht einfach werden. Die vielzitierte „Win-Win-Situation“ wird es dabei nicht geben. Schon das anfängliche Übergehen der Empfehlung der Bürgerwerkstatt „Go West“ war der Akzeptanz des Vorhabens nicht zuträglich. Dass nun die Bürger des Thelottviertels protestieren, war zu erwarten. Es ist beinahe müßig, einzufordern, dass bei den weiteren Diskussionen das Wollen und Wissen der Betroffenen mit einbezogen werden muss. Für den Stadtrat geht es jetzt um die Entscheidung, welche politischen Prioritäten gesetzt werden und wie groß der finanzielle Spielraum ist. Dass dabei nicht alle Interessen optimal berücksichtigt werden können, liegt auf der Hand. Das Positive für den einen bringt eben auch manchmal das Negative für den Anderen mit sich. Das nennt man auch Demokratie.
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