Festjahr zur 100 – jährigen Eingemeindung Kriegshabers eröffnet

Vor dem Rathaus holen die Damen us Kriegshaber den Oberbürgermeister mit Gattin zur Fahrt in seine alte Heimat ab. Rechts Altbürgermeister Theo Gandenheimer. Foto Blöchl
 
Gemeinsamkeit beim ökumensichen Gottesdienst - v.l. ARGE - Vorsitzender Andreas Schlachta, 2. Bürgermeister Dr. Stefan Kiefer, Bürgermeisterin Eva Weber und ihr Gatte, OB Dr. Kurt Gribl mit Frau Sigrid. Foto Blöchl

Großer Andrang bei der Feier in Straßenbahn, Kirche und Synagoge,

Geschichtsträchtig schon die Auswahl der Orte, an und in denen dem Jubiläum der 100 – jährigen Eingemeindung Kriegshabers zu Augsburg gedacht wurde Mit der historischen Stra0enbahn, die schon vor der Eingemeindung das damalige Dorf mit der Stadt verband, ging es nach Kriegshaber. Der Oberbürgermeister, begleitet von Damen in historischen Gewändern dieser Zeit, kam aber nicht als „Eroberer“, sondern zurück an die Stätten seiner Kindheit, er ist ein „Kriegshaberer“, wie er in seiner Festansprache mehrfach betonte. Im Gegensatz zu manchen anderen Ortsteilen verlief die Eingliederung Kriegshabers im gegenseitigen Einvernehmen, wie er betonte. Der Empfang von mehr als 200 Bürgerinnen und Bürgern zeigte, wie wichtig dieses Ereignis im Stadtteil genommen wird. Der ökumenische Gottesdienst in der ältesten katholischen Kirche „Heiligste Dreifaltigkeit“, zelebriert von den beiden Pfarrern Dietrich Tiggemann von der evangelischen St. Thomas – Kirche und Stadtpfarrer Gerhard Groll verdeutlichte wie vielfältig und wechselhaft der Stadtteil sich präsentiert. Die feierliche Eröffnungszeremonie in der ehemaligen Synagoge an der Ulmer Straße war nicht nur, aber auch eine große Reminiszenz an die lange und einflussreiche jüdische Geschichte des Stadtteils.

Der Andrang nicht nur der Ehrengäste aus Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur, sondern auch vieler Menschen aus dem Stadtteil war unerwartet groß. Statt der eingeplanten ca. 100 Gäste drängten sich in der Synagoge. auf der Empore und dem Garten mehr als 200 Menschen. Das große Interesse zeigt, wie es auch ARGE – Vorsitzender Andreas Schlachta betont, sowohl das Interesse am Stadtteil als auch an seiner Geschichte und den Wurzeln aus denen die Menschen kommen. In seinem Grußwort ließ OB Kurt Gribl in amüsanter Weise durch seine Kindheit und seine Erlebnisse das alte Kriegshaber vor den Augen der Zuhörer entstehen. Am Beispiel des Klinikums, dem Wegzug von NCR und den Auswirkungen der Umwandlung der ehemaligen Militärflächen in Baugebiete verdeutlichte er, dass „Kriegshaber immer einem starken Wandel unterworfen war!“. Er betonte die Dynamik und den Bevölkerungszuwachs, der heute Kriegshaber zu einem der größten Stadtteile mit heute 18500 Einwohnern (im Vergleich gab es vor 100 Jahren 4500 Einwohner) der jüngsten Bevölkerung der Stadt gemacht haben. Er zitierte aus den Reden der offiziellen Eingemeindungsfeier, in der sein damaliger Vorgänger Georg von Wolfram, interessanterweise wie sein heutiger Nachfolger damals schon aktiv im Deutschen Städtetag, gesagt hatte: "Die Stadt Augsburg hat den festen Willen, dem Stadtteil Kriegshaber die bestmögliche Entwicklung angedeihen zu lassen!“ Als gebürtiger „Kriegshaberer“ könne er das nur unterschreiben. Als er dem ARGE – Chef ein Ortsschild mit dem eigentlich nicht zugelassenen Zusatz Stadtteil Grieshaber überreichte war sein Stolz unverkennbar.

Josef Szregowski verlas in Vertretung von Rabbiner Dr. Henry Brandt dessen Grußwort in dem dieser ein Stück der Geschichte der jüdischen Bevölkerung wieder in Erinnerung rief. Bewegend das kurze Grußwort von Liese Einstein – Fischer,i n Kriegshaber geboren, verlesen von der Leiterin des Kulturzentrums Dr. Benigna Schönhagen Einstein – Fischer konnte als Kind nach den Gräueln der Progromnacht 1938 als Kind gerade noch das Land verlassen, fast ihre gesamte Verwandtschaft wurde aus Augsburg deportiert und in den Lagern der Nazis vernichtet. Sie lebt heute in den USA und hatte vor einigen Jahren die alte Heimat besucht. In ihrem Grußwort erinnerte sie daran wie harmonisch man lange in Kriegshaber zusammengelebt hatte. „Meine Familie würde sich sehr freuen zu wissen, dass unsere alte Synagoge wieder ein Zentrum der Begegnung ist“. Das gesamte Festprogramm in der Synagoge wurde von einem Streichertrio des Leopold-Mozart-Zentrums Augsburg (Felicia Graf – Violine; Ann-Kathrin Beck – Violine; Katharina Waldmann – Viola) umrahmt.

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