Geschichte Kriegshabers erleben

Hier an der Ulmer Straße lag früher das Zentrum jüdischen Lebens in Kriegshaber. Fotos: Hans Blöchl


Kurz vor dem Ende der Ulmer Straße findet sich eine Häuserzeile, die nicht so wirklich in die Großstadt Augsburg zu passen scheint. So wie in manchen anderen Stadtteilen hat sich auch in Kriegshaber an einigen Stellen der frühere dörfliche Charakter gehalten, wenn auch nur noch in einigen Bauresten.

Zeugnis jüdischer Geschichte

Das Besondere hier ist, dass zu den Relikten der Vergangenheit auch eine Synagoge und anschließend eine Häuserzeile gehören, die Zeugnis für die jüdische Geschichte des Stadtteils ablegen.

Und Kriegshaber war, wie übrigens auch Pfersee, über eine lange Zeit Zentrum jüdischen Lebens im Raum Augsburg und Schwaben. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts erfolgte wohl die erste Ansiedlung, auch ein Friedhof ist aus dieser Zeit nachgewiesen, eine erste Synagoge, eher ein Gebetsraum, wurde 1675 eingerichtet.

Der jetzt bestehende Sakralbau wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts benutzt, dann löste sich die jüdische Gemeinde wegen des Wegzugs vieler Gemeindemitglieder von selbst auf und ging in der jüdische Gemeinde in der Stadt Augsburg auf. Der im 19. Jahrhundert verfolgte Neubau einer Synagoge kam nie zum Tragen, weil durch den Wegzug vieler Gemeindemitglieder die finanzielle Last nicht zu schultern war.

Ein Stück Österreich
in Kriegshaber

Das Dörfchen Kriegshaber gehörte zu dieser Zeit nicht zu Augsburg, die Eingemeindung erfolgte erst 1916 während des 1. Weltkriegs. Vielmehr zogen des Öfteren jüdische Familie vor allem aus Augsburg in den Ort, der zur Grafschaft Burgau und damit zum Habsburger Reich gehörte, wenn in der Stadt die Juden wieder einmal verfolgt und diskriminiert wurden.

Der Anteil an der Bevölkerung des Ortes erreichte teilweise 60 Prozent, so lebten im Jahr 1738 415 Menschen jüdischen Glaubens in Kriegshaber.

Die Anzahl verringerte sich von da ab. 1935 lebten noch 46 Juden im Stadtteil. Nach der Reichsprogromnacht, die besonders in der Stadt die Juden traf, wurden die letzten Juden Kriegshabers deportiert und größtenteils umgebracht. Damit endete auch eine mehr als 400-jährige Geschichte der Juden in Kriegshaber. In der Ausstellung in dem renovierten Gebäude ist nachzuvollziehen, welche Bedeutung dieser Bevölkerungskreis für den Ort und dessen Entwicklung hatten. Das alles wieder zu beleben wird nicht möglich sein. Die Geschichte nacherleben kann man in der Alten Synagoge, die heute eine Außenstelle des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben ist. Das restaurierte Gotteshaus an der Ulmer Straße 228 ist jeden Donnerstag von 14 bis 18 Uhr und jeden 4. Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr geöffnet. An den Sonntagen gibt es jeweils um 15 Uhr eine Führung. Führungen und Workshops für Gruppen können unter Telefon 0821/44 42 87 17 erfragt und organisiert werden. Hans Blöchl
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.