Immer im Einsatz für die Gemeinschaft: Die Freiwillige Feuerwehr in Pfersee gibt es seit 150 Jahren

Tag der offenen Tür Freiwillige Feuerwehr Pfersee
 
Die aktive Truppe der Feuerwehr Pfersee. (Foto: FFW)
 
Die Führung der Feuerweht mit. v.r Jens - Holger Ziegler, Michale Böving, Rainer Bolik (stellv. Kommandant) (Foto: FFW)
Es ist ja gewissermaßen eine etwas paradoxe Situation: Da wird etwas geschaffen und aufrechterhalten, das man am liebsten gar nicht brauchen würde. Niemand wünscht sich die Notwendigkeit, dass die Feuerwehr bei Bränden und Überschwemmungen, bei Unfällen oder anderen Notfällen eingreifen muss. Aber leider ist das Leben eben anders und deswegen werden sie auch heute noch gebraucht. Ein Brand lässt sich nicht virtuell löschen und ein Hochwasser nicht virtuell steuern. Deswegen gab es schon früh in den Städten die Entwickung von Gruppen, die sich für die Gemeinschaft einsetzten, um Gefahren für alle zu bannen.


Eine Geschichte mit Unterbrechungen.

Auf ein stolzes Jubiläum kann die Feuerwehr in Pfersee zurückblicken: Sie feiert in diesem Jahr ihre 150-jährige Gründung. Dieses Ereignis feierten die Floriansjünger im Frühjahr dieses Jahres bei einem großen Fest. Schriftstücke aus dem Jahr 1878 berichten dem Bürgermeister der damals unabhängigen Gemeinde Pfersee über eine „gut organisierte Löschmannschaft“. Auch eine Feuerlöschordnung gab es damals. Im Gegensatz zu heute war der Dienst nicht ganz freiwillig. In der Ordnung wurde vermerkt, dass Männer im Alter von 17 bis 50 Jahren zum Dienst in der Löschmannschaft verpflichtet wurden. Auch die Ausstattung der historischen Pferseer Wehr konnte sich sehen lassen. So wurde am 6. April 1878 der Kauf einer Löschmaschine für 800 Mark vom Bezirks-Feuerwehr-Verband Pfersee genehmigt.

So ganz richtig ist ja das 150. Jubiläum nicht. Nach der Gründung im Jahr 1867 entwickelte sich die Wehr kontinuierlich. Auch nach der Eingemeindung in die Stadt Augsburg 1911 ging die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren in den Stadtteilen nahezu nahtlos weiter. Während des Nationalsozialismus und vor allem dem 2. Weltkrieg wurde die Feuerwehr mehr oder minder Teil des militärischen Apparats und des Heimatschutzes. In den Wirren des Kriegsendes wurden sie aufgelöst oder lösten sich selbst auf – in diesen Zeiten standen andere Nöte im Vordergrund. Auch die Berufsfeuerwehren übernahmen immer mehr die Funktionen des früheren freiwilligen Engagements.

Immer wieder gab es Initiativen, die alte Tradition wiederzubeleben. Dabei standen nicht nur Brandschutz und Feuerbekämpfung, sondern vor allem auch die Förderung des Gemeinschaftsgedankens in den Stadtteilen im Vordergrund. In Pfersee ging die Initiative vor allem vom damaligen Stadtrat Walter Ganser aus. Mit 7 Personen begann die neue Ära. Befördert wurde das durch den Umzug der Berufsfeuerwehr in die Berliner Allee. Die Regierung von Schwaben beauflagte die Stadt, Unterstützung in den westlichen und nördlichen Stadtteilen zu schaffen. Dadurch sollten auch die Ausrückzeiten in Notfällen verringert werden. Neben Pfersee wurden etwas später auch die Wehren in Oberhausen und Kriegshaber wieder gegründet. Heute gibt es insgesamt 7 Freiwillige Feuerwehren in der Stadt, in Lechhausen gibt es eine Initiative zur Neugründung.

Die Zukunft ist nicht sorgenfrei.

Auch die Feuerwehr bleibt durch die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht unberührt. Technische und gesetzliche Anforderungen steigen, Rahmenbedingungen ändern sich. Früher arbeiteten die meisten Menschen in ihrem relativ begrenzten Umfeld und waren so auch für einen Einsatz schnell verfügbar, Die steigende Anforderung an die Mobilität von Arbeitnehmern führt dazu, dass ein Einsatz im Notfall oft unmöglich geworden ist. Auch nicht alle Arbeitgeber stehen dem ehrenamtlichen Engagement von Mitarbeitern positiv gegenüber. Manche Wehren klagen, dass Freistellungen für Einsätze oft verweigert werden. Deshalb gibt es jetzt Bereitschaftszeiten, die den Veränderungen Rechnung tragen. Von Montag – Donnerstag von 17 Uhr bis 7 Uhr am Folgetag und von Freitag 15 Uhr bis Montag 7 Uhr steht die Einsatzgruppe bereit. Der Piepser ist immer in der Nähe. Ein wichtiger Faktor ist auch die Unterstützung der Berufsfeuerwehr, so z.B. als Bereitschaft bei den Einsätzen bei den Bränden im Klinikum vor kurzer Zeit.
Die technische Ausstattung hält mit den Anforderungen nicht immer Schritt. Zumeist übernehmen ja die Freiwilligen Wehren Ausrüstung und Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr. Vorrangig muss natürlich diese immer auf dem weitgehend modernsten Stand sein. Momentan verfügt man über 1 HLF (Hilfs- und Löschfahrzeug), 1 LF (Löschfahrzeug) und ein Mehrzweckfahrzeug. Auch der Zustand des Gerätehauses ist nicht der beste! Manche Anschaffungen werden aus den Mitteln des Fördervereins getragen, der sich durch Förderbeiträge und Spenden trägt.

Personalsorgen in der Zukunft?

Die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement generell lässt auch die Feuerwehren nicht unberührt. Heute sind über 80 Aktive, darunter 15 Frauen und 15 jugendliche Mädchen und Jungen, in der Freiwilligen Feuerwehr Pfersee aktiv, heute wie früher freiwillig und ehrenamtlich. Bei einem Stadtteil mit fast 25 000 Einwohnern eigentlich eine kleine Gruppe. Die Tendenz ist steigend, vor allem auch, weil man sehr viel Zeit in kleine Aktionen für die Werbung Jugendlicher investiert. So wurden vor kurzem in einem Planspiel „24 Stunden Feuerwehr“ diverse Einsätze und Vorfälle simuliert, um so den Jugendlichen den Alltag näherzubringen. Michael Böving ist seit 2009 der amtierende Kommandant, sein Stellvertreter Rainer Bolik und 6 Gruppenführer bilden das Rückgrat, er beschreibt die Situation:“Es gibt auch in Pfersee mittlerweile ein großes Angebot an Freizeitmöglichkeiten, da steht die Feuerwehr mit ihrer notwendigen Forderung nach Disziplin und Verbindlichkeit nicht an der Spitze. Natürlich träumt fast jeder Junge und heute manches Mädchen immer auch einmal für die Feuerwehr! Aber bis zum freiwilligen Einsatz ist es oft ein weiter Weg!“ Der Vorsitzende des Fördervereins, Jens – Holger Ziegler. sieht neben den aktiven Einsätzen auch die Vermittlung von Werte wie „Gemeinsinn, Nachbarschaft, Hilfsbereitschaft“, aber auch Integration oder Inklusion als wichtiges Ziel seines Einsatzes. Bei den beiden Feuerwehrmännern ist zu spüren, dass hinter dem Einsatz für die Gruppe viel mehr steckt als die Abwehr von Gefahren und der Schutz der Bürger. Beide investieren sehr viel Zeit und Energie in ihr Hobby, bei Böving sind es etwas mehr als 1000 Stunden jährlich. Ohne die Feuerwehr würde es viele Feste wie z.B. das Maibaumfest nicht ehr oder nur noch mit hohem finanziellen Einsatz geben. Sie ist nicht wegzudenken aus dem Leben im Stadtteil bei vielen Festen und Aktivitäten sind sie dabei und prägen das Leben im Stadtteil


Übungen und Einsätze rund um das Jahr. 

Die aktiven Feuerwehrleute treffen sich 14 – tägig zu Übungen, auch gesundheitliche und technische Prüfungen erfordern ihren Einsatz. Das alles um eigentlich möglichst wenig im Ernstfall eingesetzt zu werden: “Am besten wäre es für die Menschen ja wenn wir gar nicht ausrücken müssten!“ meint Ziegler. Aber die Welt ist leider anders. So sind sie nicht nur in Pfersee, sondern auch bis nach Hochzoll oder der Innenstadt rund um die Uhr aktiv.
Bis zu 80 Einsätze gibt es pro Jahr. Die Einsatzfelder reichen von größeren und kleineren Bränden über die Unfallhilfe bis zur Hilfe bei Überschwemmungen und Unwettern. Anhand einer Klassifizierung wird von der Leitstelle entscheiden, wie bei einem ein Notfall gehandelt wird. Manchmal ist es die FFW allein, manchmal auch zusammen mit der Berufsfeuerwehr. Im Einzelfall sind schnelle Entscheidungen notwendig und der reibungslose Ablauf muss durch viele Übungen immer wieder trainiert werden. Die Truppe kümmert sich aber auch um Notbrunnen im Stadtgebiet, die bei Problemen mit der Wasserversorgung zum Einsatz kommen würden.
Besonders gut erinnert Böving sich an das große Pfingsthochwasser 1999. Er war gerade in Göggingen im Einsatz als ihn die Nachricht erreichte, dass sein Haus unter Wasser stehen würde. Helfen konnte er selbst in diesem Moment nur anderen, nicht sich selbst. 1 Woche war man damals rundum die Uhr im Einsatz, 3 Stunden Schlaf pro Nacht waren das Maximum an „Erholung“.

Wünsche für die Zukunft

Wenn es um die Zukunft geht hoffen Böving und Ziegler vor allem darauf, die technische Ausstattung verbessern zu können, auch die Sanierung des Gerätehauses steht ganz oben auf dem Wunschzettel. Sie hoffen auch, dass die Zahl der Aktiven stabil bleibt oder sogar weiter steigt. Hier wollen sie auch die neu entstehenden Stadtviertel in Pfersee stärker versuchen zu integrieren. Und natürlich hoffen sie auch auf die eine oder andere Spende oder auch Fördermitgliedschaft, denn „unsere ehrenamtliche Tätigkeit geht nur mit Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger für die wir uns einsetzten!“ Dem ist abschließend nur noch hinzuzufügen:

Adresse: Freiwillige Feuerwehr Pfersee Gollwitzer Straße 4 86157 Augsburg
Kontakt: Telefon 0821 – 520653 Mail: info@feuerwehr-pfersee.de
Spendenkonto: FFW Pfersee IBAN DE49 7205 0000 0000 7097 33
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