Kleine Piraten säubern den Lech von Plastikmüll

Mit Holzzangen, Augenklappen und viel Engagement stürmen die Plastik-Piraten der Werner-von-Siemens-Grundschule den Hochablass, um die Vermüllung des Lechs aufzudecken.
 
Zwei Schülerinnen untersuchen die Plastikbelastung ganz genau.
Augsburg: Hochablass |

Schüler der Werner-von-Siemens Grundschule starten ein Pilot-Projekt am Hochablass für den Umweltschutz und sagen als „Plastik-Piraten“ dem Plastikmüll den Kampf an.

Augsburg. Eine helle Kinderstimme übertönt das sonst so friedliche Rauschen des Lechs: „Schau mal, hier ist noch mehr Plastik!“. Was an diesem Tag auf den ersten Blick wie ein einziges Durcheinander von umherwuselnden Kindern, die immer wieder etwas von Plastik und Müll reden, aussieht, ist in Wirklichkeit ein gut durchdachtes, lang vorbereitetes Pilotprojekt einiger Drittklässler der Wiener-von-Siemens-Grundschule. Die Kinder untersuchen den Lech selbst sowie seine Ufer auf verschiedene Plastikverschmutzungen, um die gesammelten Ergebnisse dann einerseits gemeinsam im Unterricht zu besprechen, andererseits für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stelllen. Bewaffnet mit selbst gebastelten Augenklappen, allerlei Materialien und mit viel Engagement stürmen die Kinder los.

Die Kinder bauen selbstständig in ihren eingeteilten Zweier-Teams ihre Stationen auf. Zwei Mädchen haben die Aufgabe, mithilfe von Stöcken und einer Stoppuhr die Fließgeschwindigkeit des Lechs zu ermitteln. Wieder andere ziehen in den verschiedenen Uferzonen mit Stöcken und Schnüren Kreise mit immer demselben Radius, um dann deren „Vermüllung“ zu ermitteln. So können sie später einen Durchschnittswert pro Quadratmeter und Quadratkilometer errechnen. Mit Sieben und Vergrößerungsgläsern untersuchen einige Schüler die Plastikkleinssteile im Sand. Zum Schluss werfen die Plastik-Piraten ihr aus recyceltem Material gebautes Piratennetz aus: Der Inhalt dieses feinmaschigen Müllnetzes soll in den nächsten Wochen anhand eines Bestimmungsbuches analysiert werden. Dann wird sich zeigen, welche der eingefangenen Teilchen natürlich und welche synthetisch sind. Im Unterricht sollen dann gemeinsam die Bilder von den gesammelten Abfällen begutachtet werden, um herauszufinden, welche Art und wie viel Müll am Hochablass vorkommt. Das gesamte Projekt, das auf einer Initiative des Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung basiert, wird bis zum Ende des Schuljahres im Unterricht nachbereitet. Die Schüler tragen die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in ihre Aktionshefte ein. Andere Ergebnisse, wie die Ausbeute des „Piratennetzes“, der Müllsammlung und die GPS-Daten, werden einer Kieler Forschungswerkstatt zugeschickt. Dort werden sie ausgewertet und für wissenschaftliche Zwecke und Untersuchungen verwendet.

Am Lech wird nach getaner Arbeit selbstverständlich zusammen aufgeräumt: der gefundene Abfall wird in großen Mülltüten gesammelt und im nahestehenden Abfalleimer entsorgt. Auch die mitgebrachten Materialien, wie selbst gebastelte Messgeräte, kleine Siebe und Aktionshefte, nehmen die Grundschulkinder vorbildlich wieder mit. Auf dem Rückweg fragte ein Junge: „Wann machen wir sowas das nächste Mal?“ Auch eine achtjährige Mitschülerin betont, dass sie „gern noch mehr Aktionen“ machen würde.

„Weil wir nicht mehr wollen, dass die Umwelt schmutzig ist“


Zwei Schülerinnen, die achtjährige Wiktoria und ihre neunjährige Klassenkameradin Hazal-Arife, erzählen stolz, wie ihre Klasse auf die Idee kam: „Wir haben in der Schule Sachen aus Plastik gebastelt.“ Dann war der Gedanke da, „Plastik zu sammeln.“ Und warum die Aktion am Hochablass? „Weil wir nicht mehr wollen, dass die Umwelt schmutzig ist“ und „weil die Menschen immer Müll ins Wasser schmeißen und die Tiere essen das und sterben im Wasser und man merkt das gar nicht. Das ist schlimm.“

Die motivierten Umweltschützer haben sich mit ihrer Aktion für den Titel „Umweltschule Europa“ beworben und können bereits auf Erfolge bei „Augsburg räumt auf“ und „Augsburg - Sauber ist in“ zurückblicken.
Die vergangenen Monate haben die dritte Klasse und ihre Kunstlehrerin Silvia Philipp das Projekt „Plastik-Piraten“ im wöchentlichen Unterricht vorbereitet. Doch das Thema Umweltschutz wird auch fächerübergreifend behandelt: in anderen Unterrichtsstunden wie Heimat- und Sachkunde spreche man darüber und die Klassleitung teile den Schülern verschiedene Dienste, wie zum Beispiel den Mülldienst, zu. Gemeinsam wurden weihnachtliche Geschenkverpackungen aus Papier statt aus Plastik gebastelt, Stofftaschen, die die Plastiktüten ersetzen sollen, haben die Kinder gestaltet und re- und upcyceln durften die Grundschüler, erzählt Sylvia Philipp. All diese Ideen kämen von den Kindern selbst, sie hätten großes Eigeninteresse und entwickelten dabei ein Problembewusstsein für den hohen Plastikverbrauch und dessen fatale Auswirkungen.

Ziel sei es, die Kinder schon früh Eigenverantwortung übernehmen zu lassen und für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren, erklärt die Kunstlehrerin. Auf Vorschlag der Schüler wird jetzt so oft wie möglich auf Kugelschreiber, Plastikfilzstifte und Kunststofflineale verzichtet. Aber auch in der gesamten Schule wird auf den ökologischen Fußabdruck geachtet: Es komme auch hin und wieder vor, schildert Silvia Philipp, dass die Schüler ihre Lehrer ermahnen, umweltfreundliches Kopierpapier zu verwenden.
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H.-J. Sprogies aus Augsburg - City | 06.12.2016 | 14:08  
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