Kriegshaber - ein Stadtteil mit vielen Facetten

Seit 20 Jahren arbeitet Pfarrer Gerhard Groll in Kriegshaber.
 
Das Viertel Centerville wurde nach dem Abzug der amerikanischen Armee als erstes von Mietern besiedelt. Fotos: Hans Blöchl


CCKT - eine Abkürzung, die den meisten Menschen in Kriegshaber wenig sagen dürfte. Dabei handelt es sich nicht um eine Mafia-Organisation, auch nicht um eine neue Partei. Es ist die Abkürzung für Centerville-Cramerton-Kriegshaber-Treff. Ein ursprünglich vor fast 20 Jahren als Provisorium gegründeter Zusammenschluss verschiedener Akteure im sozialen und gesellschaftlichen Leben des Stadtteils. Stadtpfarrer Gerhard Groll, seit 20 Jahren Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Thaddäus und Heiligste Dreifaltigkeit, verdeutlicht die Entwicklungen Kriegshabers in den vergangenen Jahren.

Kriegshaber - verschiedene Stadtteile in einem

Außerhalb der Stadt gelegen war Kriegshaber früher ein österreichisches Dorf mit einer großen jüdischen Gemeinde - sichtbar noch an der alten Synagoge und eng mit Augsburg verbunden, aber erst 1916 eingemeindet. Mit etwa 17 000 Einwohnern ist es heute einer der mittleren Stadtteile Augsburgs. Für Pfarrer Groll ist es ein "Konglomerat aus vielen verschiedenen einzelnen Vierteln und Stadtregionen, nur von außerhalb und stadtplanerisch ist es ein geschlossener Stadtteil". Was im Stadtplan als Kriegshaber ausgewiesen ist, sind eher Viertel, die wenig miteinander zu tun haben. Dabei gibt es einige Auffälligkeiten, so dass Kriegshaber sowohl prozentual als auch absolut der Stadtteil mit den meisten Kindern und Jugendlichen in Augsburg ist. Dies ist bedingt durch den großen Zuzug in die ehemaligen amerikanischen Siedlungen, beginnend mit Centerville vor knapp 20 Jahren und Cramerton. In Alt-Kriegshaber ist dagegen eine Überalterung und der Rückgang der Bevölkerung festzustellen. Ein Ausdruck dieser Gespaltenheit ist auch, dass es derzeit in Kriegshaber keinen Stadtrat gibt, im Gegensatz etwa zum angrenzenden Pfersee, wo insgesamt neun Stadträte - OB und Sozialreferent eingeschlossen - wohnen.

Aus der Not geboren - CCKT

Vor 20 Jahren wurden die Caritas und Gerhard Groll aktiv. Als erste ehemalige Kaserne wurde damals Centerville-Nord innerhalb eines Monats mit mehr als 1000 Menschen in Wohnungen der WBG besiedelt - eine städtische Infrastruktur wie Kindergärten, Läden etc. war nicht vorhanden. In dieser völligen Insellage wurden dann Edgar Mathe von der WBG und Groll aktiv. Der starke Vandalismus - "jedes Wochenende waren die Dachrinnen kaputt, kein Spengler wollte mehr reparieren" - führte zur Initiative für Streetwork im Viertel. Dann wurden alle mit den Menschen beschäftigten Institutionen (Stadt, WBG, Schulen, Kindergärten, Kirchen, Vereine, Polizei etc.) an einen Tisch gebracht, um die anstehenden Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden. Seither trifft sich diese Runde zweimal jährlich, die Themen haben sich zwar geändert, aber der Ansatz ist derselbe geblieben. "Wir wollen die Integration im Stadtteil voranbringen", beschreibt Groll als einer der "Gründungsväter die Zielrichtung. Dabei handelt es sich nicht um einen Öffentlichen Treff, es bleiben nach wie vor die Akteure unter sich. Die soziale Struktur in Centerville ist noch immer sehr stark durch Familien mit vielen Kindern geprägt, diese gehören zu den sozial nicht gut gestellten Gruppen. Etwas anders stellt sich die Situation im Cramerton-Areal, vor allem aber in der Reese-Kaserne dar. In Letztere sind mittlerweile einkommensstarke Gruppen, teilweise mit Beschäftigung in München gezogen. Diese Mischung tut nach Ansicht Grolls dem Stadtteil auch gut, weil eine Ghettoisierung vermieden wird. Aufgrund dieser unterschiedlichen Strukturen wird sich wohl "das Provisorium CCKT noch länger halten!". Stärker berücksichtigt werden soll dabei die alteingesessene Bevölkerung, die in den vergangenen Jahren zu wenig eingebunden war.

Auf die Frage, wie sich die Migration in Kriegshaber auswirke, meint Groll schmunzelnd: "Unsere Amtssprache ist deutsch!" Dabei verweist er auf die Tatsache, dass die Zuzügler nicht, wie in anderen Stadtteilen, vorwiegend aus einem Land und Kulturkreis kommen, sondern international sind. Deswegen berichtet er, dass in Kindergarten, Schulen und auch anderen Treffpunkten nicht eine andere Sprache dominiert, sondern Deutsch gesprochen werde. Mittlerweile sind auch in Kriegshaber Flüchtlinge untergebracht, "für Kriegshaber nicht neu, weil ja in der ehemaligen Flak-Kaserne lange eine große Unterkunft war!" CCKT wird versuchen, auch in der Arbeit mit den Flüchtlingen die bewährten Strukturen einzusetzen.

Ob und wann sich ein gemeinsames Selbstverständnis aller Bewohner des Stadtteils auch in gemeinsamen Aktivitäten und politischem Engagement oder gar als Stadtrat niederschlägt, will Groll nicht beurteilen. Die Arbeit dafür "wird aber CCKT noch lange beschäftigen!" (hb)
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