Kriegshaber feiert 100 Jahre

Vor dem Rathaus holen die Damen aus Kriegshaber den Oberbürgermeister mit Gattin zur Fahrt in seine alte Heimat ab. Rechts Altbürgermeister Theo Gandenheimer. Fotos: Hans Blöchl


Geschichtsträchtig war bereits die Auswahl der Orte, an und in denen das Jubiläum der 100-jährigen Eingemeindung Kriegshabers zu Augsburg gefeiert wurde. Mit der historischen Straßenbahn, die schon vor der Eingemeindung das damalige Dorf mit der Stadt verband, ging es nach Kriegshaber. Der Oberbürgermeister, begleitet von Damen in historischen Gewändern dieser Zeit, kam aber nicht als "Eroberer", sondern zurück an die Stätten seiner Kindheit: er ist ein "Kriegshaberer", wie er in seiner Festansprache mehrfach betonte.

Im Gegensatz zu manchen anderen Ortsteilen verlief die Eingliederung Kriegshabers im gegenseitigen Einvernehmen. Der Empfang von mehr als 200 Bürgerinnen und Bürgern zeigte, wie wichtig dieses Ereignis im Stadtteil genommen wird. Der ökumenische Gottesdienst in der ältesten katholischen Kirche "Heiligste Dreifaltigkeit", zelebriert von den beiden Pfarrern Dietrich Tiggemann von der evangelischen St. Thomas Kirche und Stadtpfarrer Gerhard Groll, verdeutlichte wie vielfältig der Stadtteil ist. Die feierliche Eröffnungszeremonie in der ehemaligen Synagoge an der Ulmer Straße war nicht nur, aber auch eine große Reminiszenz an die lange und einflussreiche jüdische Geschichte des Stadtteils. Der Andrang nicht nur der Ehrengäste aus Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur, sondern auch vieler Menschen aus dem Stadtteil war unerwartet groß. Statt der eingeplanten rund 100 Gäste drängten sich in der Synagoge auf der Empore und im Garten mehr als 200 Menschen. In seinem Grußwort führte OB Gribl in amüsanter Weise durch seine Kindheit im alten Kriegshaber. Am Beispiel des Klinikums, dem Wegzug von NCR und der Auswirkungen der Umwandlung der ehemaligen Militärflächen in Baugebiete verdeutlichte er, dass "Kriegshaber immer einem starken Wandel unterworfen war". Er zitierte aus einer Rede der offiziellen Eingemeindungsfeier, in der sein Vorgänger Georg von Wolfram gesagt hatte: "Die Stadt Augsburg hat den festen Willen, dem Stadtteil Kriegshaber die bestmögliche Entwicklung angedeihen zu lassen." Als gebürtiger "Kriegshaberer" könne er das nur unterschreiben.

Josef Szregowski verlas in Vertretung von Rabbiner Henry Brandt dessen Grußwort, in dem dieser ein Stück der Geschichte der jüdischen Bevölkerung wieder in Erinnerung rief. Bewegend das kurze Grußwort von Liese Einstein-Fischer, in Kriegshaber geboren, verlesen von der Leiterin des Kulturzentrums, Benigna Schönhagen. Einstein-Fischer konnte als Kind nach den Gräueln der Pogromnacht 1938 gerade noch das Land verlassen, fast ihre gesamte Verwandtschaft wurde aus Augsburg deportiert und in den Lagern der Nazis vernichtet. Sie lebt heute in den USA und hatte vor einigen Jahren die alte Heimat besucht. In ihrem Grußwort erinnerte sie daran, wie harmonisch man lange in Kriegshaber zusammengelebt hatte. "Meine Familie würde sich sehr freuen, zu wissen, dass unsere alte Synagoge wieder ein Zentrum der Begegnung ist. (Hans Blöchl )
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