Kunst und Kultur im Ofenhaus: Stadwerke beginnen den Gaswerk-Umbau

So könnte das Ofenhaus mit dem neuen Anbau (rechts) ab 2018 aussehen. Grafik: swa
 
Stadtwerke-Chef Alfred Müllner (von links), der Kaufmännische Direktor des Theaters Friedrich Meyer und Kulturreferent Thomas Weitzel mit einem Modell des Gaswerks. Foto: swa /Thomas Hosemann

Augsburg - Die Stadt hat für zwei ihrer drängenden Probleme eine Antwort gefunden: das Gaswerkgelände. Hier kommen die Kreativen aus dem KulturparkWest unter, deren Mietverträge bald auslaufen, und auch das Theater findet während der Generalsanierung auf dem Areal eine vorübergehende Heimstatt.

Das Ziel ist ehrgeizig: Auf dem derzeit brachliegenden Gaswerkgelände im Augsburger Stadtteil Oberhausen soll ein Zentrum für Kultur und Kreativwirtschaft entstehen. Das zumindest planen die Stadtwerke Augsburg (swa), denen das Areal gehört. Gemeinsam mit der Stadt Augsburg soll dieses Ziel erreicht werden.

Am 31. Dezember 1915 war die damals wichtigste Energieversorgungseinrichtung der Stadt in Betrieb gegangen. Und über Jahrzehnte blieb Gas, zuerst das aus Steinkohle gewonnene Stadtgas, später dann Erdgas, die wichtigste Versorgungsquelle. Auch im Zweiten Weltkrieg produzierte das Werk, denn es entging der Zerstörung durch Bombenangriffe. Deshalb ist es heute wohl das einzige nahezu vollständig erhaltene Gaswerk dieser Größenordnung in Deutschland. Erst 1968 wurde die Produktion von Stadtgas eingestellt und durch die Einspeisung von Erdgas ersetzt. Nachdem auch dafür andere Wege gefunden wurden, lag das Werk brach, die Industriebauten im Stil des vergangenen Jahrhunderts waren ungenutzt. 2002 begannen die Stadtwerke schließlich das Gelände zu räumen und lange war unklar, was mit dem Areal und dem Gebäudeensemble geschehen soll.

Statt Gas soll nun also Kunst und Kultur produziert werden. Dafür sind freilich kleinere und größere Umbaumaßnahmen notwendig.

In einer ersten Bauphase wird zunächst das sogenannte Ofenhaus umgebaut und erweitert, daneben entsteht ein Parkhaus.

Seit das Gaswerk 2001 endgültig stillgelegt worden ist, haben die Stadtwerke jährlich rund 500 000 Euro nur in den Erhalt der Gebäude gesteckt. Dazu kam die Altlastensanierung, die Anfang 2016 mit der letzten und größten Maßnahme für rund 3,4 Millionen Euro abgeschlossen wurde. "Jetzt können wir das Gelände endlich entwickeln und Ausgaben tätigen, die sich auch auszahlen werden", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Alfred Müllner.

"Den Impuls, die Industriebrache in einen Ort der Kultur umzuwandeln hat die Stadt gerne aber auch etwas unfreiwillig gegeben", erklärt OB Kurt Gribl. Auslöser seien die Schließung und notwendige Sanierung des Theaters sowie der Umzug des Kulturparks West. Dass das jetzt so schnell realisiert werden könne, dafür sei bereits gut vorgearbeitet und Pläne und Konzepte von internationalen Fachbüros aber auch zusammen mit den Bürgern entwickelt worden, so Gribl.

Bis Frühjahr 2018 soll in dem historischen Gebäude samt sechsstöckigem Neubau die Interimsspielstätte des Theaters Augsburg entstehen. Während der sechsjährigen Umbauzeit werden dort das Schauspiel und das Tanztheater einziehen. Neben einem Theater mit Platz für 240 Zuschauer gibt es einen Ballettsaal und Werkstätten und Büros auf insgesamt rund 5000 Quadratmetern.

In dem Neubau sind auf zwei Etagen auf 1400 Quadratmetern auch bereits Ateliers und Übungsräume für Künstler und Musiker vom Kulturpark West vorgesehen. Im Ofenhaus entsteht außerdem eine Gastronomie auf rund 650 Quadratmetern. Zusammen mit dem Parkhaus mit 370 Stellplätzen investieren die Stadtwerke als Eigentümer des Geländes rund 23 Millionen Euro in diesen ersten Bauabschnitt. Die Stadt mietet die Flächen für das Theater und die Künstler vom Kulturpark West von den Stadtwerken.

Die nächsten Bauabschnitte und Sanierungen auf dem Gelände sehen weitere Ateliers und Übungsräume für Künstler und Musiker aus dem Kulturpark West vor. Außerdem soll Kreativwirtschaft angesiedelt werden, von Designern, Software-Entwicklern oder Architekturbüros bis zu Künstler- und Malereibedarf. Dafür werden auch neue Gebäude auf dem Areal entstehen. Schließlich gehe es für die Stadtwerke auch darum, das Gelände wirtschaftlich zu verwerten, um Räume für Künstler zu preiswerten Mieten anbieten zu können. "So wollen wir das Gelände langfristig interessant für Kunst- und Kulturschaffende machen und für die Bürger öffnen", so Müllner. "Mit der Spielstätte für das Theater entsteht im Übrigen eine dauerhafte Bühne, die auch dann weiter genutzt werden kann, wenn das Theater nach der Renovierung in sein Stammhaus am Kennedy-Platz zurückziehen wird." (
Von Markus Höck)
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