Lernen und Kontakte knüpfen im neuen Rössle-Haus

Neue Wege und manchmal auch neue Hobbies entdecken die jungen Migranten im Pferseer „Rössle-Haus“ des Evangelischen Kinder- und Jugendhilfezentrums Augsburg (EvKi), wie der 19jährige A. aus Eritrea beim Üben auf der Gitarre. (Foto: EvKi/ Dammer)

Evang. Kinder- und Jugendhilfezentrum (EvKi) bietet aozialpädagogisch betreutes Wohnen für zehn junge Flüchtlinge in Ausbildung und Schule

Augsburg-Pfersee (pm). Weltklasse-Fußballer Lionel Messi ziert die Zimmerwand des 18jährigen Mousa. Das ist klar. Aber warum hängt dort auch eine mehrseitige Werbung für einen roten Kleinwagen? „Ich möchte KFZ-Mechatroniker lernen“, erklärt der junge Sudanese in gutem Deutsch. Vor knapp zwei Jahren ist er nach seiner langen Flucht aus Afrika über Mittelmeer und Italien als Minderjähriger in Deutschland angekommen. Ohne Familie. „Sehr schwierig“ war dies alles, sagt der junge Mann kurz und mit ernstem Gesicht.

Kaum zu glauben, dass er jetzt mitten in den Prüfungen zum Qualifizierenden Abschluss an einer Augsburger Schule steckt. Genauso wie der gleichaltrige Navid. Der junge Afghane büffelt für seinen Mittelschul-Abschluss und wohnt auf dem gleichen Stockwerk im neu eröffneten „Rössle-Haus“ des Evangelischen Kinder- und Jugendhilfezentrums Augsburg (EvKi) in Pfersee. Unterstützt werden sie und acht weitere junge Migranten, die in Schule oder Ausbildung sind, dort im Rahmen des sozialpädagogisch begleiteten Wohnens oder kurz „Jugendwohnens“. Das Haus selbst ist manchem Augsburger noch als „Sport Rössle“ bekannt und wurde von Eigentümer Franz Rössle komplett für die Anforderungen der evangelischen Jugendhilfeeinrichtung umgebaut. Jetzt war feierliche Eröffnung.
„Wir bieten hier Raum für Gemeinschaft, Schutz und Entwicklung“, erklärt Pfarrer Dr. Bernhard Sokol, Vorsitzender der Trägerstiftung Evangelisches Waisenhaus und Klauckehaus Augsburg. Die professionelle Unterstützung versteht sich als Anschlussmaßnahme, wenn die ohne Familie nach Deutschland geflüchteten minderjährigen Jugendlichen 18 Jahre alt werden. „Uns ist es wichtig, dass sie auch jetzt noch durch die Jugendhilfe pädagogisch begleitet und in Schule, Ausbildung und dem großen Schritt in ein eigenständiges Erwachsenenleben unterstützt werden“, betont EvKi-Leitung Sigrun Maxzin-Weigel und freut sich über die tatkräftige Hilfe der Behörden der Stadt Augsburg und der Regierung von Schwaben sowie das Engagement großzügiger Spender für das „Rössle-Haus“.

Unter der Bereichsleitung von Mike Wilson wird das „Jugendwohnen“ von Pädagoge Christopher Frazier und weiteren EvKi-Mitarbeitern, die über langjährige Erfahrung in der Förderung Unbegleiteter Ausländer verfügen, betreut. Vorrangiges Ziel ist es Kontakte zu knüpfen – „eine Begleitstruktur zu schaffen, die den einzelnen auch nach seinem Auszug aus unserem Haus trägt“, erklärt Frazier.

Ausbildungsbegleitung, Lern- und Sprachförderung, Integration, Verselbständigung sowie das Erleben von Gemeinschaft stehen auf dem Programm. Die Jugendhilfemaßnahme läuft immer ein halbes Jahr und kann in diesem Rhythmus weiter verlängert werden. Von der gelingenden Zusammenarbeit der zehn jungen Männer aus Afghanistan, Syrien, Pakistan, Gambia, Eritrea und dem Sudan konnten sich die Eröffnungsgäste vor Ort überzeugen. Unter anderem nutzten Bürgermeister Dr. Stefan Kiefer und Manfred Klopf, stellvertretender Leiter des Augsburger Amtes für Kinder, Jugend und Familie, die Gelegenheit zur Hausführung durch die Bewohner.
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