Linie 5 – alles klar oder wie?

Rechts von dieser Allee auf dem Damm hinter der Rosenaustraße, teilweise auf dem Gelände der Bahn, soll die Straße verlaufen, die für Verkehrsberuhigung sorgen soll. Ob das ohne Verluste von Bäumen gehen wird ist zumindest zweifelhaft. Foto Blöchl
 
Hierin der Holzbachstraße soll nach dem willen des Stadtrates die Trasse der Linie 5 angelegt werden. Foto Blöchl
 
Andreas von Mühldorfer an der Kreuzung Sebastian - Buchegger - Platz und Rosenaustraße. Foto Blöchl

Auch nach dem Stadtratsbeschluss gehen die Diskussionen weiter.

Die Wunderformel lautet wohl: Königsplatz + Mobilitätsdrehscheibe – Tunnel x (Barrierefreier Bahnhof - Linie 5) + Naturschutz – (Entlastungsstrasse : Bäume) x Verkehrsberuhigung + Verkehrsfluss + Goggelesbrücke = Zufriedenheit aller! Und wer es schafft diese Wunderformel zu lösen, erhält dann irgendwann den Nobelpreis für die bürgerfreundlichste Kommunalpolitik.
Nach dem Beschluss des Stadtrats zur Linienführung der neuen Straßenbahnlinie 5 durch die Holzbachstraße schienen endlich einige Weichen für die weitere Entwicklung des Projekts, das ja in einem engen Zusammenhang mit der Mobilitätsdrehscheibe und dem barrierefreien Hauptbahnhof steht, gestellt. Im Thelott- und Rosenauviertel war und ist das weiter umstritten Neben der Linienführung der Tram spielt eine sog. „Entlastungsstraße“ entlang der Bahntrasse eine wichtige Rolle. Ob dem so ist und wie mehr oder weniger Betroffene die Situation beurteilen wollten wir erfahren. Und siehe da, das war gar nicht so einfach.

Ortstermin 1 Holzbachstraße und Thelottviertel.

Donnerstagnachmittag. Stoßweise kommt der Verkehr in beiden Richtungen durch die Holzbachstraße. Nachdem ursprünglich ja die gegenüberliegende Hessenbachstraße für die Linie 5 vorgesehen war hat sich nun der Stadtrat für die Linienführung auf der östlichen Wertachseite durch die Holzbachstraße entscheiden. Diese soll dann als Einbahnstraße geführt werden, ca. 50 Bäume müssen im anliegenden Park gefällt werden. Gab es in der Hessenbachstraße durchaus Widerstand gegen die Pläne - vor allem die Bürgeraktion Pfersee um Dietmar Egger war aktiv – gab und gibt es in der Holzbachstraße keine Reaktionen. Es sind nur wenige Fußgänger auf der Straße. Sie wollen nichts sagen oder wissen nicht worum es geht, auch in einem Geschäft stoße ich eher auf Unverständnis. Als ich an zwei Wohnungstüren läute wird man an einer zumindest zugehört, das zweite Gespräch scheitert an Sprachschwierigkeiten. Wissen und Interesse sind nicht erkennbar. Ich wechsle ins Thelottviertel, hoffe dort mehr Glück zu haben. In der Rosenaustraße ist der Verkehr sehr dicht, am Tunnel wird gebaut. Hier das gleich Phänomen wie vorher. Die wenigen Menschen denen ich begegne wollen oder können sich nicht äußern. „Mir ist das egal, ich wohne weiter hinten!“ oder „Ich interessiere mich nicht dafür!“ sind typische Aussagen.
Auch wenn die Befragung alles andere als repräsentativ ist, bekommt man das Gefühl, dass vielleicht alle Proteste gar nicht so von allen Betroffenen verstanden oder geteilt werden.

Ortstermin 2 – Sebastian – Buchegger – Patz.

Freitagnachmittag. Der Sprecher des Bürgerforums Thelott- und Rosenauviertel und einer der Initiatoren einer Initiative gegen den Tunnel unter dem Hauptbahnhof, Andreas von Mühldorfer stellt sich dem Gespräch. In der Rosenaustraße rauscht dichter Feierabendverkehr vorbei, der Verkehrslärm übertönt teilweise die Stimmen. Der Wunsch nach weniger Verkehr und eine Entlastung wird so durchaus verständlich. Schnell ist zu spüren, dass es dem Bürgerforum aber nicht nur um die sog. Entlastungsstraße geht, sondern nach wie vor der Sinn und die Linienführung der neuen Tramlinie in Frage gestellt werden. Mühldorfer betont, dass bereits seit 2011 ein Stadtratsbeschluss existiert, der die Entlastungsstraße als Voraussetzung für die Genehmigung der Linie 5 definiert. „Wir fühlen uns hier im Viertel absolut betrogen!“ betont er. Dem Beschluss seien bisher keinerlei Taten gefolgt, der Bau des Tunnels und die Planungen der Linie gingen aber weiter. Er sieht auch den Beschluss für die Linienführung der Linie 5 durch die Holzbachstraße nicht endgültig, der Vorschlag des Forums der Linienführung in der Rosenaustraße sei nach wie vor der wirtschaftlich und verkehrstechnisch bessere Weg. Mit de Tunnel habe man sich abgefunden, aber nur wenn auch die Entlastungsstraße gebaut wird. Ein Bürgerbegehren, das sich dann aber gegen die Linie 5 insgesamt richten würde, wird nach seinen Aussagen geprüft, eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen. Hier also keine Beruhigung, die Diskussionen gehen weiter,

Ortstermin 3 – Kleingartenanlage Lotzbeckwiese

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Freitagnachmittag.Die CSU Pfersee mit ihrem Vorsitzenden Bernd Zitzlsberger hat zum Gespräch über die Linie 5 geladen. In der Gaststube der Kleingartenanlage sind 10 Personen um einen Tisch versammelt, unter ihnen Andreas von Mühldorfer und weitere Mitstreiter aus dem Bürgerforum. Andere Gäste an der Theke interessieren sich nicht sonderlich für die Runde. Die Anwesenheit des CSU – Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat Bernd Kränzle und seines Stadtratskollegen Leo Dietz zeigt, dass die CSU auch nach dem Stadtratsbeschluss wohl einige politische Brisanz in der Diskussion vermutet. Es ist zu spüren, dass Kränzle und Dietz auf jeden Fall vermeiden wollen, sich festzulegen. Den Aussagen der Forumsvertreter, dass die Entlastungsstraße für das Viertel fest zugesagt und Teil eines bindenden Stadtratsbeschlusses ist, wird zwar widersprochen, das Grundanliegen allerdings irgendwie akzeptiert. Und die Notwendigkeit soll auf jeden Fall nochmals geprüft werden. Ob die Straße und insbesondere wann sie denn kommen wird? Aus dem Gespräch lässt sich das nicht erschließen.

Ortstermin 4 – wieder Sebastian – Buchegger – Patz.

Sonntagnachmittag. Der Verkehr ist sehr viel weniger in der Rosenaustraße. Der junge Vorsitzende des SPD – Ortsvereins Thelott- und Antonsviertel, Julian Enders sieht alles etwas gelassener. Dass die „Linie 5 inklusive dem Tunnel unter dem Bahnhof kommen wird und muss“ sieht er als gegeben an. Einem Bürgerbegehren räumt er stadtweit keine Chancen ein. Natürlich sieht er auch die Belastung des Viertels durch den Verkehr. Zur Frage der Entlastungsstraße zeigt er auf die Bäume auf dem Damm, auf oder hinter dem die Straße gebaut werden würde, wenn sie denn Wirklichkeit wird. „Ich gehe davon aus dass der Stadtrat genau prüfen wird, ob die Straße notwendig ist oder nicht und dann entsprechend entscheidet! Aber ohne massiven Eingriff in den Baumbestand wird das wohl nicht gehen“ verweist er auf die Zuständigkeiten und mögliche Folgen. Die neue Trassenführung durch die Holzbachstraße begrüßt die Stadträtin und Pferseer SPD – Vorsitzende Angela Steinecker. Ins Zeug legt sie sich für „eine Fußgängerbrücke an der Stelle der früheren Goggelesbrücke. Sie wird als Zulauf für die Fahrgäste aus der Hessenbachstraße zu der neu zu errichtenden Haltestelle im Bereich der Fischerstuben gebraucht.“ Damit spricht sie sicher vielen Pferseern aus der Seele, die ihre Goggelesbrücke nach wie vor vermissen. Ob sie die damit die Seele der Planer und Zuschußgeber erreicht?

Fazit: Bis die eingangs erwähnte Wunderformel vielleicht irgendwann durch die einfache Formel ersetzt wird: Königsplatz + Linie 5 + umgebauter Bahnhof = Wunderbar!“ werden sich noch viele „Kommunalmathematiker, Viertelmanager, Verkehrsexperten (oder die sich dafür halten!)“ die Köpfe heiß reden. Aber irgendwann ist das Problem gelöst! Aber man muss kein Prophet sein um vorauszusagen: Es werden nicht alle zufrieden sein
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