Oberhausen – der unbekannt-verkannte Stadtteil.

im Fenster spiegelt sich die Gegenwart. Foto Blöchl
 
Nicht gerade dekorativ ist die Möglichkeit, alle Sammlerstücke zu präsentieren. Foto Blöchl
Augsburg: Museumsstüble |

Auch Stadtteile haben Geschichte.

Der Ruf eines der größten Stadtteile Augsburgs ist nicht gerade der Beste. Manchmal stet Oberhausen als Synonym für eine gewisse Provinzialität, manchmal wird es als Beispiel für die Probleme einer Großstadt mit Migration und Zuwanderung gesehen. Wertach und Hettenbach durchziehen das Stadtviertel.. Dabei steht er aber auch für eine reiche Geschichte, die nur wenig bekannt und im Zusammenhang mit Augsburg nicht realisiert wird. Bei Augsburg denkt jeder zuerst an Puppenkiste und neuerdings den FCA, bei Augsburger Geschichte an die Römer, die Fugger und die Welser, vielleicht noch an den Religionsfrieden und Bert Brecht. Die vielschichtige Geschichte der Stadtteile, - zu der in Oberhausen auch der wohl beste Fußballer der Stadt Helmut Haller (nach ihm ist der Bahnhofsvorplatz benannt)und der Komponist Werner Egk (eine Schule ist nach ihm benannt) gehören -- vor allem der Menschen, die dort gewohnt und gelebt haben, geht dabei meistens unter. Umso lobenswerter ist es, wenn sich örtliche Initiative, oft mit wenig Förderung und finanziellen Möglichkeiten, um diese oft noch unbekannte Stadtteilgeschichte bemühen. In Oberhausen ist Marianne Schuber der Motor der Erforschung dieser Alltagsgeschichte.

Oberhausens bekannte Geschichte reicht bis zu den Römern zurück, die hier ein Lager unterhielten. Im Dreißigjährigen Krieg spielte das Dorf eine wichtige Rolle beim Kampf um die Stadt Augsburg. . Im 18. Jahrhudert gab es eine massive Zuwanderungswelle von Protestanten aus dem Bereich Salzburg. Das Dorf Oberhausen entwickelte sich dann im Laufe der Zeit vom Bauern- und Handwerkerdorf, das in die große Stadt Augsburg lieferte, zum „Fabrikarbeiterdorf“ für die in der Stadt entstehende Textil- und Metallindustrie. Auch deshalb waren die Viertel Links und Rechts der Wertach Zentren der Arbeiterbewegung. 1911 eingemeindet, wurde Oberhausen zu einem bunten Stadtteil, der heute seine eigene Dynamik erlebt. Manche Insider vermuten, dass zumindest Teile in ein paar Jahren durchaus die neuen In-Viertel der Stadt sein könnten.

Im Museumsstüble Geschichte wird lebendig.

Unscheinbar ist es von außen, es ist nichts Spektakuläres und Augenfälliges, das kleine Schild „Museumsstüble“ könnte auch auf eine kleine Vorstadtkneipe hinweisen. Auch die Lage am Ende der Zollernstraße ist nicht gerade einen 1 a – Lage der Stadt. Besucher verirren sich wohl selten in diese Ecke. Beim Besuch an einem Freitagnachmittag sind dort 6 Menschen versammelt, wie in einem kleinen Café, es gibt Kuchen und Kaffee. Der Raum ist voll mit Schränken, überall hängen Bilder und stehen unterschiedlichste Ausstellungsstücke. „Wir können nur einen kleinen Teil der Dinge zeigen die wir haben!“ erzählt Marianne Schuber. Während des Besuchs kommt jemand und bringt wieder alte Bilder. Mitten unter ihnen und unverkennbar der Mittelpunkt der Kommunikation ist die Initiatorin. Die frühere Rektorin einer speziellen Schule für Blinde und Sehbehinderte hat sich die Erforschung der Geschichte Oberhausens auf ihre Fahnen geschrieben. „ Das Museumsstüble ist quasi die gesammelte Erinnerung Oberhausens!“ meint sie. Ihr Buch „Geschichten aus dem alten Oberhausen“, das im Context-Verlag erschienen ist, ist quasi das Standardwerk zur Geschichte des Stadtteils. Momentan ist eine Neuauflage in Vorbereitung. Der Verein, der das kleine Heimatmuseum trägt, hat derzeit 60 Mitglieder. Mit dem Jahresbeitrag von Euro 20.- können die Unkosten nicht gedeckt werden, Spenden helfen dabei, das Museum aufrecht zu erhalten. Schon öfters mussten Marianne Schuber und ihre immer größer werdende Sammlung seit der Gründung 2002 umziehen. Nun hoffen sie, nach dem Umbau auf dem alten Gaswerkgelände eine endgültige und auch der Geschichte des Stadtteils würdige endgültige Bleibe zu finden. Kulturreferent Thomas Weitzel hat bei eine Besuch vor Kurzem seine Unterstützung dafür zugesagt.

Oberhausen ist viel besser als sein Ruf.

ds meinen zumindest die Besucher des kleinen geschichtlichen Treffs. Man merkt ihnen an, dass sie durchaus stolz sind auf ihren Stadtteil, wobei gar nicht all ein Oberhausen geboren sind. „Es gibt nicht dem Bahnhof mit seinen Problemen rund um Drogen!“ meint jemand und sagt auch mit einem gewissen Verständnis: „Auch solche Menschen brauchen eine Bleibe und eine Art Zuhause!“ Sie sprechen über liebenwerte Ecken und durchaus auch kunsthistorisch bemerkenswerte Dinge. „Man kann sie aber nicht einfach entdecken, man muss suchen und manchmal auch nach oben schauen!“ In einem kleinen Kalender sind 12 diese Kleinode zu sehen, Werbung dafür machen ist nicht erwünscht, es gibt zu wenige Exemplare. Viel wird gesprochen über frühere Lebensverhältnisse, über Zeiten ohne PC und Smartphone. Man diskutiert die Situation in den unterschiedlichen Vierteln im Stadtteil. Er reicht ja von den Teilen rechts der Wertach um die MAN bis zum Helmut-Haller-Platz von der Autobahn im Norden über das Gaswerksgelände bis zur Grenze nach Kriegshaber. Es sind unterschiedliche Stadtviertel mit unterschiedlichen Prägungen. Ob es so etwas wie ein „Oberhauser Gefühl“ gibt, bleibt offen. Die Begeisterung für die Erforschung der Geschichte Oberhausens und damit verbunden der Identifikation mit der eigenen „Heimat“ ist bei dieser Gruppe sicher vorhanden.

Oberhauser Museumsstüble e.V
. Zollernstrasse 91 86154 Augsburg Tel.: 0821/5401944 Mail@oberhauser-museumsstueble.de
Öffnungszeiten:
Mittwoch & Freitag jeweils von 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung
in den Schulferien ist das Stüble geschlossen
1
1
1
1
3
Diesen Autoren gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.